Persönliche Gespräche mit den Firmenkundenberatern nehmen stark ab. (Foto: © adamgregor/123RF.com)

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Mittelständler besuchen immer seltener eine Bankfiliale

Entweder brauchen sie keine Fremdfinanzierung oder sie nutzen digitale Angebote: Mittelständler besuchen immer seltener die Filialen ihrer Bank oder Sparkasse.

Vor der Digitalisierungswelle und der Corona-Pandemie besuchten mittelständische Unternehmen mehrmals im Jahre ihre Filiale der Bank oder Sparkasse. Heute beschränkt sich der Besuch oft nur noch auf einen Termin im Jahr, meldet die KfW. Im Jahr 2024 nahmen erstmals weniger als die Hälfte der Unternehmen, nämlich 47 Prozent, mindestens einen Geschäftstermin in einer Bank- oder Sparkassenfiliale wahr. Drei Jahre zuvor waren es 50 Prozent, im Jahr 2017 noch 65 Prozent.

In absoluten Zahlen bedeutet das: 1,8 Millionen Mittelständler besuchten 2024 eine Bank- oder Sparkassenfiliale, das waren 60.000 weniger als 2021 und 620.000 weniger als im Jahr 2017. Unternehmen, die ihren Weg noch in eine Filiale fanden, besuchten diese dann im Schnitt 3,15 Mal. Das sind Ergebnisse einer Sonderauswertung zum KfW-Mittelstandspanel. Hierzu werden kleine und mittlere Unternehmen aller Wirtschaftszweige befragt.

Unternehmen verzichten auf eine Bankfinanzierung

Es gibt mehrere Gründe für den Rückgang der Filialkontakte. "Die Bereitschaft im Mittelstand, überhaupt Investitionen anzugehen, stagniert seit vielen Jahren. Wenn die Unternehmen dann Investitionen vornehmen, verzichten sie immer häufiger auf eine Bankfinanzierung. Dadurch benötigen sie auch seltener Kontakt zu Kreditinstituten", sagt Dr. Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der KfW. 

Außerdem bieten Banken und Sparkassen immer mehr digitale Angebote, die die Unternehmen auch nachfragen. Dadurch entfällt die Notwendigkeit, Filialen aufzusuchen.

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Als weiteren Grund nennt Schumacher den Rückgang der Bankfilialen. Seit der Jahrtausendwende hätten die Banken und Sparkassen 69 Prozent ihrer Zweigstellen geschlossen. Dies umfasst Filialen sowie Außenstellen mit Selbstbedienungsterminals und zusätzlicher persönlicher Beratungsmöglichkeit.

16,7 Minuten vom Firmensitz zur nächsten Filiale

Für Mittelständler sei es dadurch zeitlich auch etwas aufwendiger geworden, eine Filiale zu erreichen, der Mehraufwand sei aber moderat. Im Jahr 2024 benötigte ein mittelständischer Unternehmer im Schnitt 16,7 Minuten vom Firmensitz bis zur nächstgelegenen Filiale; 2021 waren es noch 15,5 Minuten. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land seien gering. In der Stadt benötigten Unternehmen im Schnitt 16,5, auf dem Land 17,1 Minuten.

Die Spannbreite zwischen den Bundesländern ist hingegen größer. Besonders in den ostdeutschen Ländern müssen die Unternehmen deutlich längere Distanzen zur nächsten Bankfiliale zurücklegen. In Mecklenburg-Vorpommern und in Brandenburg fast 23 Minuten, in Bremen dagegen nur etwas über 13 Minuten, in Hamburg und Bayern gut 15 Minuten.

Quelle: KfW

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Text: / handwerksblatt.de

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