Mitarbeiter des SHK-Betriebs Haaß haben im Rahmen des BMAS-geförderten Forschungsprojekts "Handwerksgeselle 4.0" die Exoskelette der Hersteller Laevo, HeroWear, hTrius und Auxivo getestet. Unterm Strich sieht Kathrin de Blois, Geschäftsführende Gesellschafterin des Handwerksbetriebs aus Mönchengladbach, für den Einsatz von Exoskeletten im Handwerk "riesiges Potenzial". (Foto: © Haaß GmbH & Co. KG)

SHK-Handwerksbetrieb lässt seine Mitarbeiter vier Exoskelette testen

Betriebsführung

Kathrin de Blois legt großen Wert darauf, dass ihre Mitarbeiter gesund bleiben. Um den Rücken ihrer Monteure zu schonen, hat sich die Unternehmerin aus Mönchengladbach an einem Test von Exoskeletten beteiligt.

Die von der Politik forcierte Energiewende ist nicht nur eine schwierige, sondern auch eine schwere Aufgabe. "Es ist ganz schön anstrengend, eine Wärmepumpe in den Keller zu schleppen. Unser Bundesklimaschutzminister Robert Habeck kann sich gerne mal bei unseren Monteuren erkundigen, wie es abends ihrem Rücken geht", sagt Kathrin de Blois mit einem Augenzwinkern.

Da die Geschäftsführende Gesellschafterin der Haaß GmbH & Co. KG das Wohl ihrer Mitarbeiter immer im Auge hat, interessiert sie sich für technologische Neuheiten im Gesundheitsbereich, wie zum Beispiel den Einsatz von Exoskeletten, und sucht immer nach Lösungen, wie sich die Gesundheit der Mitarbeiter nachhaltig erhalten und verbessern lässt.

Der SHK-Betrieb aus Mönchengladbach beschäftigt knapp 50 Mitarbeiter. Das Durchschnittsalter liegt Kathrin de Blois zufolge bei 32 Jahren – die Krankheitsmeldungen liegen trotz Corona im Rahmen. Klar ist jedoch, dass die tagtägliche Arbeit der Techniker – zehn Mitarbeiter sind älter als vierzig – auf den Baustellen körperlich anstrengend ist. Der Einsatz von Exoskeletten könnte ihr Monteur-Team bei anstrengenden körperlichen Tätigkeiten entlasten. Eine Gelegenheit, Hebe- und Tragehilfen zu erproben, bot sich mit der Teilnahme am Forschungsprojekt Handwerksgeselle 4.0.

Handwerksgeselle 4.0 Im Rahmen des Forschungsprojekts Handwerksgeselle 4.0 sollen innovative digitale Assistenzsysteme für Beschäftigte in SHK-Handwerksbetrieben entwickelt und getestet werden. Um die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen beim Tragen schwerer Elemente oder bei der Arbeit mit schweren Werkzeug zu entlasten, wird auch der Einsatz verschiedenartiger Exoskelette erprobt. Zu den Projektpartner zählen unter anderem der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), exoIQ und der Münchner SHK-Betrieb Hans Schramm GmbH & Co. KG. Das Forschungsprojekt wird vom Bundesarbeitsministerium im Rahmen der Initiative neue Qualität der Arbeit (INQA) gefördert.  

Test der Exoskelette

Kathrin de Blois hat es den Monteuren freigestellt, ob sie sich am Test der Exoskelette beteiligen möchten. Sieben Mitarbeiter aus unterschiedlichen Aufgabengebieten des Mönchengladbacher Handwerksbetriebs – vom Auszubildenden im ersten Lehrjahr bis zum langjährigen Mitarbeiter – "hatten Spaß an der Teilnahme", erklärt die Geschäftsführende Gesellschafterin der Haaß GmbH & Co. KG.

Produkte von vier Herstellern

Die Monteure des SHK-Betriebs Haaß konnten die Exoskelette von vier Herstellern testen. Foto: © Haaß GmbH & Co. KGDie Monteure des SHK-Betriebs Haaß konnten die Exoskelette von vier Herstellern testen. Foto: © Haaß GmbH & Co. KG

Zur Auswahl standen die Produkte von vier Herstellern. Die Monteure von Haustechnik Haaß konnten die Exoskelette von Laevo (Niederlande), HeroWear (USA), hTrius (Deutschland) und Auxivo (Schweiz) testen. "Sie sollten unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Heben und Tragen von Heizkörpern, Heizungsanlagen und Wärmepumpen, aber auch schweren Werkzeugkoffern unterstützen und damit den unteren Bereich ihres Rückens entlasten", so Kathrin de Blois.

Unterschiede beim Tragekomfort

Die Testphase dauerte drei Wochen. "Alle sieben Teilnehmer konnten jedes Exoskelett für zwei bis drei Tage ausprobieren." Es gab keine nennenswerten Unterschiede – höchstens im Tragekomfort. Das Gewicht der Exoskelette habe keine Rolle gespielt. "Sie waren alle sehr leicht", fasst Kathrin de Blois das Urteil der Testerinnen und Tester zusammen. 

Fazit des Exoskelett-Tests

Nach dem Abschluss der dreiwöchige Testphase fällt das Fazit der 36-Jährigen folgendermaßen aus: In der Summe konnten die Vorzüge dieser zukunftsweisenden Technik Kathrin de Blois und ihr Testteam überzeugen: "Die körperliche Belastung wird reduziert, dadurch wird einer Übermüdung vorgebeugt und damit einem Nachlassen der Konzentration entgegengewirkt."

Wichtig sei aber, dass die Produkte noch stärker auf die Arbeitsanforderungen im SHK-Handwerk zugeschnitten werden.

Vorteile der Exoskelette

"Alle Monteure haben gemerkt, dass die Exoskelette die untere Rückenpartie beim Anheben und Tragen entlasten und unterstützen. Besonders bemerkenswert: Die grundsätzliche Körperhaltung wird verbessert", betont die Geschäftsführende Gesellschafterin der Haaß GmbH & Co. KG und führt aus: "Dadurch werden Fehlbelastungen vermieden und langfristig die Gesundheit verbessert."

Erforderliche Verbesserungen

Das eine oder andere müsste für Kathrin de Blois dagegen noch verbessert werden. "Einige Mitarbeiter haben befürchtet, dass sie mit den Schlaufen des Exoskeletts an einer Leiter oder an einer Türklinke hängenbleiben." Zudem würden durch die Schleifen teilweise auch die Taschen an der Arbeitskleidung verdeckt.

Außerdem würden die verwendeten Hilfen nur für einen kleinen Teil der Tätigkeiten benötigt. "Heben und Tragen machen nur zehn Prozent aller Arbeitsschritte aus."

Last but not least könnten die Exoskelette besser auf die Körpergröße adaptierbar sein. Vor allem sehr großen und sehr schlanken Fachkräften habe es nicht gepasst.

Auch die Kosten spielen eine Rolle: Die Preise der vier getesteten Exoskelette lagen zwischen 750 und 2.000 Euro. "Wir gehen jedoch davon aus, dass sie sich mit steigender Nachfrage noch ändern werden", meint Kathrin de Blois. Sie ist willens, in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu investieren. "Das ist für uns selbstverständlich eine Herzenssache."

Mehr zum Thema "Exoskelette" Im Online-Artikel "Exoskelette schützen den Träger vor Belastungsspitzen" auf handwerksblatt.de stellen wir den Wissenschaftler und Gründer von exoIQ, Professor Dr.-Ing. Robert Weidner, vor, der zusammen mit seinem Kollegen Bernward Otten das Schulter-Exoskelett S700 entwickelt hat. Im Online-Artikel "Exoskelette sind eine lohnende Investition für Handwerker" wird erklärt, wie die passiven Exoskelette von Hunic die Arbeit mit schweren Lasten erleichtern, aber ihre Träger auch zu einer rückenschonenden Körperhaltung anleiten sollen. 

Empfehlungen der Unternehmerin

"Ich freue mich auf die Weiterentwicklung dieser neuen Technologie und sehe hier ein riesiges Potenzial – in vielfacher Hinsicht. Konkret wünschen wir uns, dass die Hilfsmittel mehr in die Arbeitsbekleidung der Monteure integriert werden und für weitere Tätigkeiten wie etwa Knien oder Überkopf-Arbeiten einsetzbar wären. Ideal wäre eine Art Overall." Dazu empfiehlt Kathrin de Blois den Herstellern der Exoskelette mit einem Berufsbekleidungsunternehmen zusammenzuarbeiten.

Um den Einsatz von Exoskeletten im Handwerk zu fördern, könnten sich die Berufsgenossenschaften oder Krankenkassen an den Kosten beteiligen. "Letztlich profitieren sie davon, wenn die Gesundheit der Fachkräfte gefördert wird."

Attraktivität als Arbeitgeber steigern

Unterm Strich sieht Kathrin de Blois für den Einsatz von Exoskeletten im Handwerk "riesiges Potenzial". Neben den gesundheitlichen Aspekten führt sie als Argument etwa die Steigerung der Attraktivität als Ausbildungsbetrieb an. "Vielleicht können wir damit mehr junge Frauen ansprechen, denen die Arbeit als SHK-Anlagenmechanikerin als zu kräftezehrend erscheint. Jungs dürften es cool finden, dass sie mit dem Exoskelett wie ein Cyborg aussehen."  

Sie hat jedoch auch die bestehende Belegschaft im Blick. Die Fluktuation von qualifizierten Fachkräften im Handwerk sei hoch. Dem wolle Kathrin de Blois etwas entgegensetzen. Hilfsmittel wie Exoskelette könnten dazu beitragen, die Gesundheit, aber auch die Zufriedenheit der Mitarbeiter mit dem eigenen Arbeitgeber zu steigern. "Jeder dürfte sich doch darüber freuen, wenn uns die Gesundheit unserer Mitarbeiter wichtig ist."

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Text: / handwerksblatt.de