Marit Westphal hat sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin begonnen.

Marit Westphal hat sich gegen alle Widerstände durchgesetzt und im vergangenen Sommer eine Ausbildung zur Kfz-Mechatronikerin begonnen. (Foto: © HWK Potsdam)

Die Welt im Handwerk wird weiblicher

Bildung

Mädchen und Frauen brechen im Handwerk mit Klischees. Sie räumen mit Vorurteilen auf, indem sie eine Ausbildung in einem sogenannten typisch männlichen Handwerksberuf absolvieren. So wie die 19-Jährige Marit Westphal.

Ob Fliesenlegerin, Kraftfahrzeugmechatronikerin, Tischlerin, Malerin und Lackiererin, Anlagenmechatronikerin für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik: Junge Mädchen und Frauen brechen im Handwerk mit Klischees. Sie räumen mit Vorurteilen auf, indem sie eine Ausbildung in einem Handwerksberuf absolvieren, den immer noch viele für "typisch männlich" halten.

Auch Andreas Monzer vom Autoservice Monzer in Wittstock gehört zu jenen Ausbildungsbetrieben, die eine "Frau im Männerberuf" ausbilden. Marit Westphal ist Monzers Auszubildende für Kraftfahrzeugmechatronik und bereichert seit August 2021 sein Team. Der Kfz-Betrieb bildet seit seiner Gründung 1991 aus. Nun auch eine junge Frau.

"Ein Mädchen in der Werkstatt?"

Andreas Monzer vom Autoservice Monzer in Wittstock bildet erstmals eine junge Frau aus. Foto: © HWK PotsdamAndreas Monzer vom Autoservice Monzer in Wittstock bildet erstmals eine junge Frau aus. Foto: © HWK Potsdam

Für beide Seiten war es der erste Versuch, wobei die 19-jährige Marit schon von Kindesbeinen an wusste, was sie wollte: an Autos schrauben.

Inhaber Andreas Monzer erinnert sich gut an die Anfänge mit Marit: "Oh ja, ich war anfangs sehr skeptisch. Wie sollte das funktionieren, ein Mädchen in der Werkstatt …? Wir haben langjährige Ausbildungserfahrung, aber ich konnte es mir einfach nicht vorstellen … Heute ärgere ich mich schon fast ein bisschen, dass ich mich nicht früher getraut habe, jungen Frauen in unserer Werkstatt eine Chance zu geben. Tatsächlich hatten wir durchaus auch schon vorher Anfragen, allesamt Chancen, die wir verstreichen ließen."

Inzwischen weiß Monzer, dass das unbegründet war und rät seinen Berufskollegen, junge Frauen in den Werkstätten ernst zu nehmen. "Ich bin froh, dass diese anfängliche Skepsis überwunden ist. Und ja, auch das gehört zur Wahrheit: Die ersten Wochen waren nicht leicht, vor allem bei Fragen der körperlichen Belastbarkeit. Aber wir haben gemeinsam mit dem Team Wege gefunden, und Marit macht das wirklich richtig gut!"

Mit Leidenschaft zum Traumberuf

Die 19-jährige Wittstockerin überwand Widerstände und kämpfte für ihren Traumberuf als Kfz-Mechatronikerin. Denn Marit entwickelte diesen beruflichen Traum schon in Kindertagen. Dank des Großvaters erlebte sie auf einem großen Grundstück mit unzähligen Fahrzeugen, wieviel Spaß es macht, an Autos zu schrauben. Ihr beruflicher Weg schien vorgezeichnet.

Doch in der Familie hielt sich die Begeisterung für einen solchen "Männerberuf" zunächst in Grenzen. Und so begann sie nach dem Fachabitur im sozialen Bereich eine Optikerausbildung. Diese brach sie nach zwei Monaten unglücklich ab. Und setzte sich durch – mit dem Einstieg in ihre Traumausbildung.

"Ich bin angekommen und liebe, was ich lerne"

Zwei Tage Probearbeiten bei Andreas Monzer, und er sagte ihr die Ausbildung zu. Heute ist Marit glücklich, dass es so gut läuft: "Ich würde es immer wieder so machen. Als ich in den Betrieb kam, war es wie Ankommen in einer kleinen Familie. Die Kollegen sind toll, wir sind ein echtes Team. Und wenn etwas gar nicht geht, bitte ich einfach um Hilfe. So habe ich für körperliche Arbeiten gewisse Tricks entwickelt, und es läuft. Ich bin wirklich stolz auf das, was ich bisher geschafft habe. Ich bin angekommen und liebe, was ich lerne."

Ihren Altersgenossinnen gibt sie den Tipp, sich nichts ausreden zu lassen, auch nicht von der Familie, und dranzubleiben. Denn nur so könnten die Kritiker überzeugt werden, die noch immer meinen, Mädchen hätten es im Handwerk schwerer. Auch Marits Familie ist inzwischen begeistert und stolz auf den Biss, den ihre Tochter an den Tag legte, um zu ihrem Traumberuf zu kommen und in dem sie nun ihren Weg verfolgt.

Denn selbst in ihrer Freizeit kann Marit nicht von Autos lassen – gemeinsam mit ihrem Freund nimmt sie in einer kleinen privaten Werkstatt das eigene Auto auseinander und baut es wieder zusammen.

Rund 15 Prozent weibliche Auszubildende

Im Bezirk der Handwerkskammer Potsdam lernten zum 31. Dezember 2021 knapp 3.500 Auszubildende, davon rund 540 junge Frauen. Die Ausbildungsberufe mit den meisten weiblichen Lehrstellen sind neben Augenoptikerin (48), Bäckerin (11), Fachverkäuferin im Lebensmittelhandwerk (33), Friseurin (86), Kauffrau für Büromanagement (64), Konditorin (34) auch Kraftfahrzeugmechatronikerin (17), Maler- und Lackiererin (15), Tischlerin (32) sowie Zahntechnikerin (47).

Die Abteilungsleiterin Berufsbildung Steffi Amelung sieht den Wandel in der Ausbildung und den Betrieben: "Die Entwicklung ist spürbar. Wir erleben junge Frauen, die mit einem klaren Ziel in eine handwerklich-technische duale Ausbildung gehen. Weil es ein langer Traum ist, sie den Familienbetrieb übernehmen oder andere Karriereschritte im Handwerk leben wollen. Sie haben sich intensiv mit dem Beruf und dem Weg auseinandergesetzt und kennen die Perspektiven im Handwerk genau."

Die Handwerkskammern unterstützen beide Seiten - junge Frauen und Ausbildungsbetriebe - mit Ausbildungscoachings, Gesprächen und gegenseitigem Austausch mit Ausbildungsbotschafterinnen oder Patenprojekten, um Besonderheiten für Frauen in einem typischen Männerberuf begleiten zu können. 

Auch die angehende Kfz-Mechatronikerin Marit Westphal hat bereits Pläne für die Zukunft. Auf ihrer "to-do-list" findet man schon heute den Wunsch nach der Meisterausbildung oder eine mögliche Spezialisierung für fachgerechtes Tuning. Bis es soweit ist, nutzt sie auch ihren Instagram-Account, um mit anderen ihre berufliche Leidenschaft zu teilen. Eine bessere Ausbildungsbotschafterin kann sich das westbrandenburgische Handwerk kaum wünschen.

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Text: / handwerksblatt.de

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