Kurzvideos sind ganz offensichtlich ein guter Weg, Interessenten für eine Lehre im Handwerk zu begeistern. Das ist zumindest die erste Bilanz ein es neuen Projektes, in dessen Rahmen die HwK Koblenz auf die Videoplattform TikTok setzt.

Kurzvideos sind ganz offensichtlich ein guter Weg, Interessenten für eine Lehre im Handwerk zu begeistern. Das ist zumindest die erste Bilanz ein es neuen Projektes, in dessen Rahmen die HwK Koblenz auf die Videoplattform TikTok setzt. (Foto: © Marvin Evkuran)

Spaß am Handwerk via TikTok

Junge Auszubildende der Handwerkskammer Koblenz stellen ihren Traumberuf mit Kurzclips über die Videoplattform vor.

Die Zeiten in denen TikTok als Spielerei für Kinder und Jugendliche belächelt wurde, sind längst vorbei. Inzwischen haben sechs Millionen Deutsche die gerade mal fünf Jahre alte Videoplattform auf ihrem Handy oder Tablet installiert. Und: Die tägliche Nutzungsdauer der Applikation (App) ist auf durchschnittlich 50 Minuten gestiegen. Das Potenzial ist also enorm. Genau deshalb will die Handwerkskammer (HwK) Koblenz das Angebot in den sozialen Netzen nutzen, um unter dem Nutzernamen ja.zubi (Ja zur Ausbildung) junge Menschen für eine Lehre im Handwerk zu begeistern.

"Zwei Drittel der Nutzer von TikTok sind zwischen 16 und 24 Jahre alt. Das ist genau die Zielgruppe, die wir ansprechen und gewinnen möchten für eine Ausbildung im Handwerk", erklärt HwK-Hauptgeschäftsführer Ralf Hellrich die Entscheidung, das lange unterschätzte Medium zu nutzen. Die Dreharbeiten für die ersten kurzen Videoclips sind bereits gelaufen. Was bezweckt die Kammer mit ihrer Offensive? Ganz einfach. Zunächst einmal willl sie jungen Auszubildenden aus den Bildungszentren der HwK Koblenz und Handwerksbetrieben unter professioneller Anleitung die Chance geboten werden, ihr Handwerk authentisch vorzustellen – und zwar so, dass andere junge Leute motiviert werden, ihrem Weg ins Handwerk zu folgen.

Maximal 60 Sekunden pro Video

Was sich zunächst leicht anhört, ist bei näherer Betrachtung ziemlich anspruchsvoll. Denn die Akteure haben in ihren Videos maximal 60 Sekunden Zeit, ihre Botschaft an den Mann oder an die Frau zu bringen: Denn das ist das maximale Zeitlimit, dass Tiktok vorgibt. Die bisherigen Reaktionen zeigen, dass ihre Botschaften bereits besser angekommen sind, als sie gehofft oder erwartet haben.

Was wird vermittelt? Leidenschaft für seinen Handwerksberuf: Genau die möchte Nils Henrich in seinem Video rüberbringen. "Auf den Gehwegen, auf den Straßen, wo ihr mit den Autos fahrt. Da gab es Straßenbauer wie mich, die die gebaut haben. Und das ist gerade das, was mich stolz macht!", betont der Straßenbauer-Lehrling, der bei der GS Bau GmbH Günter Strunk (Neustadt) ausgebildet wird. Der 22-Jährige spricht übrigens auch ganz bewusst Gymnasiasten an. Er selbst hat sich nach dem Abitur ganz bewusst für eine Ausbildung im Handwerk entschieden – ebenso wie seine Mitstreiter beim Dreh, die sich bereits über erstaunlich hohe Clickzahlen freuen können. So auch Max Montada, der im zweiten Lehrjahr ist. "An der Ausbildung macht mir besonders Spaß, dass ich am Ende vom Tag sehe, was ich geschafft habe", sagt der 18-Jährige, der gerade bei der Müller & Montada Putz GmbH ausgebildet wird. Andere Teilnehmer wiederum haben bereits die nächsten Schritte auf ihrem weiteren Berufsweg fest im Blick. So auch Konditor-Lehrling Frederik Rüssel. Der 19-Jährige ist im dritten Lehrjahr und plant bereits eine weitere Lehre als Koch, um später den elterlichen Betrieb übernehmen zu können.

Messbarer Erfolg für den Kammer-Kanal

Der Erfolg der Kampagne mit ihren zehn veröffentlichten Videos lässt sich bereits in soliden Zahlen messen: Innerhalb von zwölf Tagen wurden die Videos bereits 200.000-mal angeschaut, immerhin wurden 1349 Interessenten dauerhafte "Follower". Und es gab 6184 Follower. Für den Anfang war das schon sehr gut. Binnen zwei weiterer Tage stieg die Zahl der Klicks auf 250.000. Und es gab 1500 Follower. Bei der HwK Koblenz geht man davon aus, dass noch viel Luft nach oben ist. Auf jeden Fall fällt die erste Zwischenbilanz positiv aus. "Das ist ein enormer Erfolg und spricht für das Interesse der jungen Menschen an diesem Thema", bewertet Melanie Bartz, Leiterin des HwK-Socialmedia Teams, den bisherigen Verlauf.

Für die Umsetzung der Kampagne holte sich das HwK-Team Verstärkung von einem Spezialisten: Marvin Evkuran. Der Kölner hat sich mit seinem Agrippina-Studio auf Videoauftritte in den sozialen Medien spezialisiert und weiß ganz genau, dass es für die unterschiedlichen Kanäle oft besondere Lösungen geben muss. Das gilt auch für TikTok: Gerade wenn den Einzelbeiträgen wenig Zeit eingeräumt werden, müssen sie durch hohe Professionalität auffallen. Und genau dieser Ansatz wurde erfüllt. Das HwK-Team ist deshalb auch ein bisschen Stolz, sich an die Spitze einer neuen Bewegung für das Handwerk gesetzt zu haben.

Neue Wege der Nachwuchsgewinnung

Das alles geschieht nicht zum Selbstzweck. Die Corona-Krise zwingt dazu, neue Wege der Nachwuchsgewinnung zu beschreiten, weil ja die klassischen Wege über die Schulen und die Ausbildungsmessen ausfallen. Dabei bleibt es natürlich nicht nur bei TikTok, auch andere Kommunikationskanäle brachten Erfolge.

Ergebnis: Nach einem Minus von acht Prozent im Vorjahr, verbessert sich die Situation in diesem Jahr mit einem Plus von 14 Prozent deutlich. "Diesen Schwung möchten wir nutzen und weiter vorantreiben. Denn eines hat uns die Pandemie gezeigt: Das Handwerk ist krisensicher", betont Ralf Hellrich. Auch wenn die Corona-Krise noch lange nicht überwunden ist, blickt der Hauptgeschäftsführer zuversichtlich nach vorn.

 

HWK Koblenz bei TikTok Hier geht es zum TikTok-Kanal der Handwerkskammer Koblenz.

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Text: / handwerksblatt.de

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