Als die ersten erfolgreichen Übergeber-Übernehmer-Duos nahmen Josef Pieper und Lukas Schlütermann (v.l.) von der Zimmerei Holzbau Pieper in Datteln und Martin und Yvonne Niehues (v.r.) vom Malerbetrieb my Niehues in Neuenkirchen Apfelbäume von HWK-Präsident Hans Hund und Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Thomas Harten (3. und 4.v.r.) in Empfang. Diese werden als Symbol für eine nachhaltige Unternehmensnachfolge am Betriebsstandort gepflanzt.

Als die ersten erfolgreichen Übergeber-Übernehmer-Duos nahmen Josef Pieper und Lukas Schlütermann (v.l.) von der Zimmerei Holzbau Pieper in Datteln und Martin und Yvonne Niehues (v.r.) vom Malerbetrieb my Niehues in Neuenkirchen Apfelbäume von HWK-Präsident Hans Hund und Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Thomas Harten (3. und 4.v.r.) in Empfang. Diese werden als Symbol für eine nachhaltige Unternehmensnachfolge am Betriebsstandort gepflanzt. (Foto: © HWK Münster/Andreas Buck)

Bäume stehen für Weiterleben von Handwerksbetrieben

Die Handwerkskammer Münster macht im Zusammenhang mit Unternehmensnachfolge auf Nachhaltigkeitsaspekte aufmerksam.

Unternehmensnachfolge ist nachhaltig – in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht. Darauf möchte die Handwerkskammer Münster mit einer Baumpflanzaktion aufmerksam machen. Bäume stehen dabei symbolisch für die Übergeber und Übernehmer fortgeführter Betriebe. Im Laufe von drei Jahren sollen 300 Apfelbäume bei Handwerksunternehmen gepflanzt werden, die die Nachfolge gemeistert haben, teilt die Handwerkskammer Münster mit.

Yvonne Niehues, my Niehues in Neuenkirchen Foto: © Teamfoto MarquardtYvonne Niehues, my Niehues in Neuenkirchen Foto: © Teamfoto Marquardt

Zum Start der Aktion während der Woche "münster gründet" wurden zwei Buchen auf einer Grünfläche vor dem Kammergebäude in Münster in die Erde gesetzt – eine für Übergeber von Betrieben und eine für Übernehmer. "Unternehmensnachfolgen tragen dazu bei, Ressourcen zu schonen; sie sind nachhaltiger als Neugründungen von Betrieben", betonte Handwerkskammer-Präsident Hans Hund beim Pressetermin. So würden bei einer Übernahme Gebäude, Maschinen, Materialien und Einrichtungen meist weiter genutzt, was auch finanziell vorteilhaft sei. Die wirtschaftliche Tätigkeit könne mit dem Schritt in die Selbstständigkeit schnell aufgenommen werden. Übernahmegründungen haben zudem eine höhere Überlebensrate als Neugründungen. Ausbildungs- und Arbeitsplätze blieben in der Regel erhalten und die Versorgung der Kunden gesichert. "Mit Bäumen als Symbol für das Leben wollen wir deshalb zu mehr Bewusstsein von Nachhaltigkeit durch Betriebsübergaben beitragen", erklärt Hund.

 

Yvonne Niehues aus Neuenkirchen"Meine Eltern haben mich und meine beiden Schwestern nie gedrängt, den Malerbetrieb der Familie zu übernehmen. So machte ich nach dem Abitur zunächst eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und ging ins Ausland. Wieder daheim wurde bei uns die Vertretung für eine Verkäuferin gesucht. Ich probierte das aus und bekam schnell so viel Spaß an der Branche, dass ich mich doch für eine Malerlehre und den Meistertitel entschied. Mir wurde auch klar: Den gestandenen Betrieb, unseren Familienstolz, möchte ich eines Tages weiterführen. Ende September stieg ich in die Geschäftsführung ein.  Die Belegschaft hat mich gut aufgenommen. Es ist ein Geben und Nehmen, weil mit der Nachfolge die Arbeits- und Ausbildungsplätze erhalten bleiben. Die Übernahme fand ich einfacher als eine Neugründung, weil alles schon da ist: die Menschen, Kunden, der Fuhrpark. Ich konnte auf ein segelndes Schiff aufspringen, statt mit einem Paddelboot anzufangen."

Bedarf an Nachfolgern ist enorm

Lukas Schlütermann, Holzbau Pieper Datteln Foto: © Teamfoto MarquardtLukas Schlütermann, Holzbau Pieper Datteln Foto: © Teamfoto Marquardt

Zugleich wirbt die Handwerkskammer Münster für die Übernahme bestehender Betriebe. Der Bedarf ist enorm: Das Alter der Betriebsinhaber nimmt zu, wie in der Gesellschaft insgesamt. Aktuell hat jeder Vierte der rund 29.300 Handwerksbetriebe im Kammerbezirk einen Inhaber, der älter als 60 Jahre ist. In einer Umfrage unter 234 Betrieben sagen 38 Prozent der Inhaber, dass sie ihr Unternehmen in den nächsten zwei bis fünf Jahren übergeben wollen. Diese Absicht ist im Kraftfahrzeuggewerbe am verbreitetsten (73 Prozent) und in den Lebensmittel- und Gesundheitsgewerken am moderatesten (25 Prozent).

 

Lukas Schlütermann aus Datteln"Als nach der Zimmerermeisterschule die Selbstständigkeit im Raum stand, lagen die Vorteile einer Betriebsübernahme schnell auf der Hand: Man kann in Zeiten des Fachkräftemangels Mitarbeiter direkt übernehmen, denn eine Zimmerei ist keine One-man-Show. Über die Handwerkskammer beziehungsweise das Portal nexxt-change traf ich auf einen passenden Betrieb. Die wichtigsten Punkte, die für mich stimmen mussten, waren das Bauchgefühl, die Ausstattung, die Wohnortnähe und die Finanzierbarkeit. Der Inhaber und ich wurden uns schnell einig, auch darüber, dass ich direkt durchstarten würde. Es sollte nur einen Geschäftsführer geben. Wie leiteten eine radikale Übergabe ein. Anfang des Jahres wurde die Übernahme vollzogen. Alle Maschinen und Fahrzeuge sind weiterhin im Einsatz."

44 Prozent der Befragten wissen bislang nicht, an wen sie übergeben können. Innerhalb der Familie regeln 39 Prozent die Nachfolge. 7 Prozent fanden künftige Nachfolger im Mitarbeiterkreis. Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger stellt für die meisten (58 Prozent) die größte Herausforderung dar. Hierbei unterstützt die HWK durch einen kostenlosen Vermittlungsdienst ("Betriebsbörse"), ihr beratendes Übergabecenter und das vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt "Unternehmensnachfolge Schritt für Schritt".

 

Hintergrund Hintergrund Im Rahmen der neuen Aktion bekommen erfolgreich übergebene Handwerksunternehmen im Kammerbezirk ein Obstbaum-Pflanz-Starterpaket bereitgestellt. Sponsor ist die Signal Iduna Versicherung. Idee ist, dass der Baum auf dem Betriebsgelände Wurzeln schlägt. Sollte eine Pflanzung vor Ort nicht möglich sein, so kann der Baum auf einer Obstwiese eingepflanzt werden. Die Handwerkskammer Münster sucht derzeit eine geeignete Fläche. Eine Online-Fotogalerie soll die teilnehmenden Betriebe mit ihren Bäumen präsentieren.

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Text: / handwerksblatt.de

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