Maurergeselle Ilias Agiannidis (im Bild links) und sein ehemaliger SES-Mentor Erich Nessen

Maurergeselle Ilias Agiannidis (im Bild links) und sein ehemaliger SES-Mentor Erich Nessen (Foto: © HWK Saarland)

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"Perfektes Match" in der Ausbildung

Wenige Wochen vor seiner theoretischen Abschlussprüfung merkte Maurerazubi Ilias Agiannidis, dass das Bestehen im Theorieteil für ihn knapp ausgehen könnte.

Kurzentschlossen nutzte Maurerazubi Ilias Agiannidis die Unterstützung von Senior Experte Erich Nessen. Das Zeitfenster war für Mentor und Mentee sportlich: Innerhalb von nur sieben Wochen Vorbereitungszeit gelang es Nessen, seinen Mentee fit für die Abschlussprüfung zu machen. Jetzt hat Agiannidis seinen Gesellenbrief in der Tasche.

DHB: Herr Nessen, weshalb engagagieren Sie sich als Senior Experte?
Nessen:
Ich habe selbst das große Glück, auf ein interessantes und erfolgreiches Berufsleben zurückblicken zu können. Deshalb wollte ich etwas zurückgeben. Der Senior Experten Service (SES) bietet mir – nicht nur im Rahmen des VerA-Programms – die Gelegenheit dazu.

DHB: Herr Agiannidis, wie sind Sie auf das Coaching aufmerksam geworden?
Agiannidis:
Im Unterricht habe ich gemerkt, dass es für mich eng wird, einige der Prüfungen zu bestehen. Meine Berufsschullehrerin sah das genauso und hat mir empfohlen, das kostenlose Coaching eines Senior Experten zu nutzen. Erst wollte ich es selbst schaffen, dachte mir aber dann, dass es auch nicht schaden kann, sich auch mal helfen zu lassen.

DHB: In welchen Bereichen brauchen die Mentees am häufigsten Unterstützung, Herr Nessen?
Nessen:
Ganz grob gesprochen kristallisieren sich in den Mentorings in der Regel drei Bereiche heraus. So können zum Beispiel zwischen Ausbildungsbetrieb und Auszubildendem Unstimmigkeiten entstehen, wenn Erwartungen nicht klar kommuniziert werden oder der Betrieb seinen Pflichten im Rahmen der dualen Ausbildung nicht oder nur unzureichend nachkommt. Ein zweiter Bereich, in dem es Probleme geben kann, ist die Berufsschule. Über-/Unterforderung oder Prüfungsangst sind hier ganz typische Hindernisse für den Ausbildungserfolg. Der dritte Bereich ist die Familie und das soziale Umfeld. Beide üben sehr oft großen Einfluss auf die jungen Leute aus. Dass viele Jugendliche sich für einen bestimmten Beruf entscheiden, weil die Eltern sich das so gewünscht haben oder dass junge Leute aus bildungsfernen Umfeldern es in vielen Bereichen schwerer haben als Akademikerkids, sind offene Geheimnisse. Falsche Vorstellungen vom Beruf oder mangelndes Interesse stellen eine große Herausforderung dar. Bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund kommen zusätzlich die Dimensionen Sprache und Kultur dazu.

DHB: Wie unterstützen die Senior-Experten ihre Mentees konkret?
Nessen:
In der Regel sind die Coachings für eine Dauer von zwölf Monaten angelegt. Bei meinem Coaching mit Ilias Agiannidis musste es ausnahmsweise schneller gehen. Der Mentor versucht in Gesprächen mit dem Mentee zunächst herauszufinden, wo genau der Schuh drückt. Wenn es sich zum Beispiel um eine Unstimmigkeit mit dem Ausbildungsbetrieb handelt, ist für uns als SES die Rücksprache mit den Ausbildungsberatern der HWK essentiell, über die dann alles Weitere in die Wege geleitet wird.  Als Mentoren treffen wir uns regelmäßig mit unseren Mentees und zeigen ihnen unter anderem Wege auf, effizienter zu lernen und sich individuelle Ziele zu setzen, die sie wirklich motivieren und die ihnen Lust aufs Lernen machen.

DHB: Denken Sie, dass Sie Ihre Ausbildung ohne das Coaching durch Herrn Nessen abgebrochen hätten, Herr Agiannidis?
Agiannidis:
Nein, soweit würde ich nicht gehen. Dann hätte ich ja ganze drei Jahre verloren.

DHB: Was konnten Sie aus dem Coaching mitnehmen?
Agiannidis:
Der größte Erfolg war für mich natürlich, meine Prüfung zu bestehen. Außerdem habe ich im Coaching den Spaß daran entdeckt, mir für meinen Berufsweg neue Ziele zu setzen. Ich habe zum Beispiel vor, mich weiterzubilden und die Polierschule zu besuchen.

DHB: Herr Nessen, auf Grundlage welcher Kriterien entstehen „Matches“ zwischen Experten und Mentees?
Nessen:
Der Azubi fordert eine Ausbildungsbegleitung online auf www.vera.ses-bonn.de an. VerA vermittelt dann den Kontakt zu einem geeigneten Experten im Umkreis von maximal 20 km.
Der Jugendliche lernt in einem persönlichen Gespräch seinen Coach kennen. Wenn beide einverstanden sind, startet das Tandem!                        

DHB: Wie hat sich Ihr Mentee seit dem Coaching weiterentwickelt?
Nessen:
Ich habe wahrgenommen, dass Herr Agiannidis in der Zeit selbstbewusster geworden ist. Irgendwann hat er ohne zu Zögern gesagt: „Ich kann das“. Richtig klasse fand ich außerdem, dass er jede Menge Disziplin aufgebracht hat, um sein Ziel zu erreichen. Wir haben uns sogar zwischen Weihnachten und Neujahr getroffen, um für die Prüfungen Bau I und Bau II zu pauken, die Herr Agiannidis bestehen wollte. Am Ende hat es sich gelohnt.

 

Hintergrund Initiative VerAHintergrund Mit der Initiative VerA verfolgt der Senior Experten Service (SES) das Ziel, Ausbildungsabbrüche zu verhindern. VerA-Begleitungen sind für Auszubildende, Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen kostenlos. Sie laufen zunächst über zwölf Monate, können aber bis zum Abschluss der Ausbildung verlängert werden.
Tagung Am 2. November 2023 findet die Regionaltagung des SES in den Räumlichkeiten der Handwerkskammer des Saarlandes statt. Beide Institutionen wollen künftig im Rahmen des VerA-Programms ihre Kräfte bündeln, um künftig auch im Saarland dafür zu sorgen, dass es zu vielen frühzeitigen Ausbildungsabbrüchen erst gar nicht kommt.
Kontakt Senior Experten Service (SES)

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Text: / handwerksblatt.de

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