"Die telefonische Krankschreibung war ein kluges Kriseninstrument der Pandemie, um persönliche Kontakte und Ansteckungen zu minimieren. Da es diese Krise nicht mehr gibt, ist auch die Abschaffung dieses Kriseninstruments überfällig", sagt das Gebäudereinigerhandwerk.

"Die telefonische Krankschreibung war ein kluges Kriseninstrument der Pandemie, um persönliche Kontakte und Ansteckungen zu minimieren. Da es diese Krise nicht mehr gibt, ist auch die Abschaffung dieses Kriseninstruments überfällig", sagt das Gebäudereinigerhandwerk. (Foto: © pejo/123RF.com)

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Gebäudereinigerhandwerk für Abschaffung der telefonischen Krankschreibung

Handwerkspolitik

Angesichts des hohen Krankenstands in Deutschland ist eine Diskussion um die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung entbrannt. Aus Sicht des Gebäudereinigerhandwerks ist die Abschaffung überfällig.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) übte jüngst Kritik am hohen Krankenstand in Deutschland und machte dafür die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen, als Ursache aus. Sie wurde während der Corona-Pandemie temporär eingeführt und von der Ampelregierung als dauerhaftes Instrument eingesetzt.

Daraufhin kündigte Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) an, die telefonische Krankschreibung überprüfen zu wollen. Inzwischen gab es viele Stimmen innerhalb der Diskussion, die telefonische Krankschreibung entweder verteidigen oder eine Abschaffung fordern.

Hausärzteverband warnt vor Abschaffung

Politiker der SPD und der Grünen verteidigten die telefonische Krankschreibung und warnten vor negativen Folgen im Falle einer Abschaffung. Anders der Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, Rainer Dulger: Er forderte die Abschaffung und außerdem eine Neugestaltung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Der Vorsitzende des Hausärzteverbandes, Markus Beier, warnte die Bundesregierung davor, die Maßnahme abzuschaffen. Untersuchungen hätten ergeben, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankmeldungen führe. Auch ein Missbrauch sei nicht zu erkennen. Das sei ein "Arbeitgebermärchen". Außerdem werde mit ihr Bürokratie abgebaut, das entlaste die Arztpraxen.

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Gebäudereinigerhandwerk fordert Überprüfung

Das Gebäudereinigerhandwerk unterstützt die Position des Bundeskanzlers und des Arbeitgeberpräsidenten und verlangt eine kritische Überprüfung. Schon eine Umfrage aus dem Herbst 2024 habe eine Negativentwicklung in den Betrieben aufgezeigt, die weiterhin aktuell sei.

Bei 71,3 Prozent der befragten Unternehmen habe sich der Krankenstand nach Entfristung der telefonischen Krankschreibung Ende 2023 erhöht. Ein Drittel der betroffenen Betriebe gäbe an, der Krankenstand habe sich um bis zu zehn Prozent erhöht. "22,4 Prozent nennen eine Größenordnung von bis zu 20 Prozent, 7,5 Prozent geben eine Erhöhung um bis zu 30 Prozent an."

Gebäudereinigerhandwerk: "Abschaffung überfällig"

"Die telefonische Krankschreibung war ein kluges Kriseninstrument der Pandemie, um persönliche Kontakte und Ansteckungen zu minimieren. Da es diese Krise nicht mehr gibt, ist auch die Abschaffung dieses Kriseninstruments überfällig", erklärt. Thomas Dietrich, Vorsitzender des Bundesinnungsverbands des Gebäudereiniger-Handwerks.

Den Gesundheitszustand präzise am Telefon festzustellen, sei nicht möglich. "Insofern wird die telefonische Krankschreibung zum Ersten den Patienten nicht gerecht. Zum Zweiten war die telefonische Krankschreibung nie als Bürokratieabbau-Instrument innerhalb des Gesundheitssystems konzipiert, wie der Hausärztechef behauptet."

Die Branchenzahlen belegten, dass die telefonische Krankschreibung die Krankenstände erhöhe. Dietrich: "Insofern sind das wichtige Erkenntnisse aus der Betriebspraxis und keine Arbeitgebermärchen. Mit Blick auf beide Seiten – die Beschäftigten und die Unternehmen – ist die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung längst überfällig."

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Text: / handwerksblatt.de

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