Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (l.), Jörg Kemna, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr GmbH (2. v. r.), und Berthold Schröder (r.), Präsident der Handwerkskammer Dortmund, übergaben das Positionspapier an Ministerin Mona Neubaur.

Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund (l.), Jörg Kemna, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr GmbH (2. v. r.), und Berthold Schröder (r.), Präsident der Handwerkskammer Dortmund, übergaben das Positionspapier an Ministerin Mona Neubaur. (Foto: © IHK zu Dortmund/Stephan Schütze)

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Ohne Wirtschaftsflächen kein Wohlstand

Beim auch vom Handwerk organisierten Wirtschaftsflächengipfel Ruhr wurde deutlich, dass die Gewerbeflächennot die wirtschaftliche Zukunft des Ruhrgebiets gefährden kann. Mehr Tempo bei der Flächenaktivierung, verlässliche Förderstrukturen, bessere Erschließung und praxistauglichere Verfahren seien nötig.

Für die wirtschaftliche Entwicklung im Ruhrgebiet braucht es ausreichend Gewerbe- und Industrieflächen. Sie sind in der dicht besiedelten Metropolregion allerdings besonders knapp. Die zunehmenden Verknappung wirtschaftlich nutzbarer Flächen im Revier gefährdet den Wohlstand. Um auf das Problem aufmerksam zu machen und mögliche Lösungen aufzuzeigen, hat die Business Metropole Ruhr GmbH gemeinsam mit den regionalen Handwerkskammern, Kreishandwerkerschaften und den Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet zum Wirtschaftsflächengipfel Ruhr nach Dortmund eingeladen.

"Ohne Flächen gibt es natürlich keine Produktion. Ohne Flächen gibt es auch keine Innovation und Investition. Und ohne Flächen gibt es keine Arbeitsplätze. Und ohne Arbeitsplätze gibt es am Ende keinen Wohlstand. Und ohne Wohlstand gibt es keinen sozialen Frieden", brachte es der Dortmunder Oberbürgermeister Alexander Kalouti zum Auftakt auf den Punkt. Das Ruhrgebiet brauche Paltz für Unternehmen aus Industrie, Gewerbe und Handwerk. "Wie müssen unseren Unternehmern und Unternehmerinnen den roten Teppich ausrollen müssen und alles dafür tun müssen, dass sie hierher kommen."

Wirtschaftsflächen als Jobmotoren

Wirtschaftsflächen seien die Jobmotoren im Ruhrgebiet, sagte Jörg Kemna, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr GmbH. Fläche sei leider kein vermehrbares Gut, und die kurzzeitig verfügbaren Flächen reichten nur noch für die nächsten zweieinhalb Jahre aus. "Allen muss klar sein: Flächenentwicklung passiert nicht von heute auf morgen. Wenn wir heute die Weichen stellen, haben wir erst in einigen Jahren neue Flächenangebote für Unternehmen."

Für die Aufbereitung der wenigen Flächen die noch zur Verfügung steht, brauchten die finanziell klammen Kommunen Unterstüzung, ergänzte Thomas Kufen, stellvertretender Vorsitzender des Städtetages NRW und Oberbürgermeister der Stadt Essen. "Deshalb müssen wir daran arbeiten, dass wir die Flächenaufbereitung mit Hilfe des Landes, des Bundes und der Europäischen Union besser finanziell unterstützen, damit die Unternehmen nicht am Ende in die Bücher reingucken und sagen, ist nett hier, aber woanders ist alles einfacher als hier."

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Bedürfnisse des Handwerks einplanen

In ihrem Impulsvortrag betonte Wirtschaftsministerin Neubaur (Grüne): "Um industrielle Stärke zu sichern und technologischen Vorsprung zu ermöglichen, brauchen Unternehmen Platz – Platz, um zu investieren, zu produzieren und Innovationen umzusetzen." Sie riet den Kommunen, die Förderung im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" (GRW) für die Aktivierung und Sanierung von Brachflächen zu nutzen. "Wir wissen um die Not der Kommunen. Als Land fördern wir die Instandsetzung von Brachflächen – so entsteht wichtiger Raum für nachhaltige Ansiedlungen, gute Arbeitsplätze und neue Chancen."

Berthold Schröder, Präsident der Handwerkskammer Dortmund, betonte: "Die Verfügbarkeit von ausreichend und bezahlbaren Gewerbeflächen ist eine der zentralen Zukunftsfragen für das Handwerk." Er machte darauf aufmerksam, dass die Betriebe des Handwerks meist kleinere Flächen, möglichst in Innenstadtnähe, brauchen. Das müsse bei der Flächenausweisung zwingend mitgedacht werden. "Wenn wir wollen, dass das Handwerk weiterhin ein starker Motor für Beschäftigung, Ausbildung und die regionale Wertschöpfung bleibt, dann brauchen wir eine vorausschauende Flächenpolitik, die die Bedürfnisse des Handwerks fest einplant." Nur mit ausreichend Raum für Betriebe ließe sich Wachstum, Transformation und Beschäftigung nachhaltig sichern, erklärte Jürgen Kroos, Präsident der Handwerkskammer Münster. "Dafür braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und effizientere Verfahren."

Zahlen zur Flächennachfrage des Handwerks im Ruhrgebiet

Zahlen aus einer Umfrage unter Handwerksbetrieben mit Sitz im Ruhrgebiet aus dem Jahr 2024:

  • 11,1 Prozent gaben an, dass sie ihren Standort verlagern möchten oder müssen. Weitere 4,7 Prozent berichteten, dass sie einen zusätzlichen Standort suchen (Anteil Betriebe auf Standortsuche in Summe: 15,8 Prozent).
  • Der Hauptgrund für einen geplanten Standortwechsel war das Fehlen von Erweiterungsmöglichkeiten am aktuellen Standort. Dies wurde von 68,2 Prozent der Betriebe auf Standortsuche genannt.
  • Bei der Frage "Wo suchen Sie einen neuen Betriebsstandort" (Mehrfachauswahl möglich) gaben 85 Prozent an, dass sie in der jetzigen Kommune im Ruhrgebiet suchen. 37,1 Prozent suchten auch in einer benachbarten Kommune, nur 7,8 Prozent hingegen überregional. Das unterstreicht die starke lokale Verwurzelung des Handwerks und die Notwendigkeit, vor Ort ein entsprechendes Flächenangebot vorzuhalten.

PositionspapierBei der Veranstaltung übergaben die Business Metropole Ruhr GmbH, das Handwerk Region Ruhr und die Industrie- und Handelskammern im Ruhrgebiet ein Positionspapier an Wirtschaftsministerin Mona Neubaur. Darin enthalten sind verschiedene Forderungen. Kernanliegen sind eine strukturierte Förderung der Aufbereitung von Brachflächen, die Anbindung der Potenzialflächen an das übergeordnete und eine konsequente Entbürokratisierung kostentreibender Regelungen. Hier finden Sie das Positionspapier "Wirtschaftsflächen fördern, vereinfachen, erschließen".

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Text: / handwerksblatt.de

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