Rundet das Nutzfahrzeugprogramm bei Renault nach unten ab: der Express.

Rundet das Nutzfahrzeugprogramm bei Renault nach unten ab: der Express. (Foto: © Martin Bärtges)

Französischer Stadtlaster – Renault Express

Der französische Autobauer Renault hat sich von der Tochterfirma den Dacia Dokker Express geschnappt und rundet damit sein Transporter-Programm nach unten ab.

Wir hatten es schon gemeldet: Die Renault-Tochter Dacia nimmt ihren Dokker Express, Deutschlands günstigsten Kompaktlieferwagen, aus dem Programm, weil sich die Marke komplett aus dem Segment der Nutzfahrzeuge zurückzieht. Den Express bietet jetzt die Konzernmutter Renault an, wobei das Stichwort "günstig" sich relativiert. Denn für den Express werden unter dem Renault-Label doch einige Tausender mehr fällig als für den Dacia-Vorgänger.

Den gegenüber dem Vorgänger deutlich höheren Basispreis von netto 14.190 Euro rechtfertigt Renault mit den zahlreichen neuen Assistenzsystemen wie Einparkhilfe, Traktionskontrolle, einem Totwinkel-Assistenten oder dem Rear View Assist mit Kamerarückspiegel. Gegenüber dem Dacia Dokker Express ist auch die Liste der verfügbaren Sonderausstattungen erheblich länger geworden.

Wahlweise Benziner oder Diesel

Angetrieben wird der Kleintransporter, wie bereits der Dokker Express, wahlweise von einem 1,3 Liter Benziner mit Turbolader und 102 PS oder einem 1,5 Liter großen Turbodiesel. Den Diesel gibt es wahlweise mit der Einstiegsmotorisierung und mit 75 oder 95 PS Leistung, wie er im Testwagen verbaut ist. Damit reißt der vier Meter vierzig lange Express zwar keine Löcher in den Asphalt, ist aber ausreichend motorisiert und bringt es auf eine Spitze von rund 160 km/h. Dafür geht er sparsam mit dem Kraftstoff um. Das ist auch gut so, denn in den Tank des Fronttrieblers passen gerade mal 50 Liter Diesel.

Zwar schafft der mit Sechsgang-Handschaltung ausgestattete Express im Test nicht den angegebenen kombinierten Kraftstoffverbrauch von 4,4 Liter auf 100 Kilometer Fahrstrecke. Aber auch mit dem Testverbrauch von nicht ganz sechs Litern kann man im Arbeitsalltag durchaus leben. Der Zugang zum Motorraum ist etwas hakelig, zum Öffnen der Motorhaube haben wir schon ergonomisch bessere Lösungen als den von Renault verbauten Öffnungshaken gesehen.

Express und Kangoo – wie Zwillinge

Optisch ähnelt der Express dem neuen Kangoo beinahe wie ein Ei dem anderen. Der Express baut allerdings auf der Global Access Plattform auf. Ansonsten wirkt der Express optisch beinahe wie ein Duplikat des Kangoo Rapid. Allerdings fällt sein Laderaum etwas kleiner aus. Er hat eine Länge von 191 bis 236 Zentimeter und bietet serienmäßige Verzurrösen sowie bis zu 3.700 Liter Ladevolumen. Wenn sich der Beifahrersitz nicht nach vorne klappen lässt und keine Vario-Trennwand verbaut ist, liegt das Ladevolumen bei 3.300 Liter. Je nach Modell und Ausstattung können in den Express bis zu 625 Kilogramm zugeladen werden.

Die im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel geteilten Heckflügeltüren des Express lassen sich per Knopfdruck über den Schlüssel oder vom Cockpit aus per Tastendruck verriegeln. Die beiden asymmetrischen Hecktüren lassen sich bis zu einem Winkel von 180 Grad öffnen. Die seitliche Schiebetür – eine zweite gibt es optional – gibt zusätzlich eine große Ladeöffnung von 716 mm Breite frei.

Zwei Personen finden im Fahrgastabteil Platz. Sollten diese über 180 cm groß sein, wird es eng im Renault. Denn dann fehlt es nach hinten an Raum für die beiden Sitze. Bedauerlich ist auch, dass der Airbag für den Beifahrer extra bezahlt werden muss. Der gehört eigentlich serienmäßig an Bord.

Nützliche Assistenten mit an Bord

Im Fahrerhaus selbst finden sich zahlreiche Ablagemöglichkeiten im Dachbereich, auf dem Armaturenbrett und in den Türen. Sie helfen an Bord Ordnung zu halten. Und auch das Smartphone lässt sich natürlich vernetzen. Auf dem acht Zoll großen Display lassen sich alle relevanten Inhalte eines kompatiblen Telefons wiedergeben. Das gilt für die Navigation, das Versenden von Nachrichten, Verwalten von Kontakten und natürlich auch fürs Telefonieren. Ein Induktions-Ladegerät sorgt dafür, dass das Smartphone einsatzbereit bleibt. Nicht besonders praxistauglich ist die Lautstärkeregelung des Radios, die über eine Art Satelliten und zwei unterschiedliche Tasten erfolgt. Vielleicht geht den Innenraumdesignern bei Renault irgendwann doch auf, dass ein herkömmlicher, runder Lautstärkeregler keine dumme Idee war – oder ist.

Ebenfalls mit an Bord sind Fahrerassistenzsysteme, die den Fahrzeuglenker in vielen Situationen unterstützen. Dazu zählt etwa die Rückfahrüberwachung Rear View Assist. Beim Express in der Version mit verblechten Hecktüren ersetzt ein Monitor den Rückspiegel. Auf dem fünf Zoll großen Display wird das Bild der Kamera am Heck angezeigt, so hat der Fahrer die Situation hinter dem Fahrzeug immer im Blick.

Kein ganz günstiger Fahrspaß

Der Tote-Winkel-Warner ist bei Geschwindigkeiten zwischen 30 km/h und 140 km/h aktiv und macht das Abbiegen sicherer. Taucht ein anderes Fahrzeug im toten Winkel auf, warnt er per Leuchtsignal im Außenspiegel. Die Rückfahrkamera überträgt eine deutliche Darstellung der Umgebung hinter dem Fahrzeug, sobald der Rückwärtsgang eingelegt wird. Das Bild erscheint entweder auf dem elektronischen Rückspiegel oder im zentralen Easy Link Display. Dynamische Linien unterstützen beim Rückwärts-Manövrieren.

Der Grundpreis des Express mit dem 95 PS leistenden Diesel in der Ausstattungsvariante Extra liegt bei netto 16.490 Euro. Mit den im Testwagen verbauten Extras liegt der Endpreis bei immerhin 21.375 Euro netto. Da war der Dokker dann doch günstiger. Schön für Renault – weniger erfreulich für den Handwerker.

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Text: / handwerksblatt.de

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