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Neptuns schwarze Perlen

Wer auf ein Rendezvous mit zauberhaften Meeresschönheiten aus ist, wird in der Weite des Pazifiks fündig: Tahiti-Perlen schillern in allen Regenbogenfarben.

Austern
Perlen können ganz unterschiedliche Formen und Farben haben. Hier sieht man einen Teil der Ernte einer Perlenfarm auf dem Atoll Fakarava. Foto: © Helge Bendl

Weißer Korallensand pudert die feuchten Füße. In der Lagune, in der in aller Stille Millionen von Meerschönheiten heranwachsen, ändert sich die Farbe des Wassers von zartem Türkis in glasklares Smaragdgrün. Es dunkelt über Indigotöne ab zu einem satten Kobalt. Und geht jenseits der Brandung über ins makellose Lapislazuliblau des weiten Ozeans. Französisch-Polynesien ist eben vor allem Meer, vier Millionen Quadratkilometer Südsee, eine Fläche so groß wie ganz Westeuropa. 118 vulkanische Inseln und flache Atolle aus Korallenstein erheben sich aus dem Wasser. Im Meer aber wachsen echte Juwelen.


Es sind Perlen, wie Robert Wan sie in seinem Büro in Papeete gerade vor sich ausbreitet, wie Mosaikteilchen eines Regen­bogens. Hier die Tahitian Gold mit ockerfarbenen Schimmer, dort einige wie Pfauenfedern blitzende Peacocks, eine seltene himmelblaue Sky, rote Cherrys, dunkel leuchtende violette Perlen und blitzende silberne. Der alte Mann greift mit beiden Händen in die Pracht wie ein kleiner Junge in einen Murmelhaufen. "Perlen", sinniert Robert Wan, "sind schon bei der Geburt perfekt. Man muss ihretwegen kein Gestein sprengen, keinen Schotter sieben und keinen Stollen ins Gestein treiben. Man muss sie nicht schleifen, um sie in etwas Schönes zu verwandeln. Man muss nur warten."

Robert Wan gilt als größter Perlenproduzent der Südsee

Robert WanRobert Wan, der Perlenkönig, zeigt ein besonderes Exemplar; Foto: © Helge BendlRobert Wan, inzwischen über 80 Jahre alt, hat das Warten perfektioniert. Mal dauert es zwei Jahre, mal vier, mal acht, bis er weiß, ob es sich gelohnt hat. Er herrscht über ein unsichtbares Volk: Millionen von Austern, die ihm Millionen von Meeresschönheiten schenken. Wan gilt als der größte Perlenproduzent der Südsee und verkauft jedes Jahr Perlen mit einem Gewicht von drei Tonnen.


Die Masse der Meeresdiamanten geht zwar bei Versteigerungen an Großhändler. Doch auch in der Markthalle von Papeete auf Tahiti, wo geeiste Kokosnüsse und Duftöle mit Essenzen aus Tiareblüten, Vanilleschoten und Ylang-Ylang angeboten werden, kann man Perlen kaufen. Um zu sehen, wie sie entstehen, muss man aber auf die Atolle der Umgebung reisen.

Ein Nukleus für die Auster

Perlenfarmen gibt es auf vielen Inseln Französisch-Polynesiens, auf Tahaa und Raiatea, auf Huahine und Rangiroa. Hier zeigen die Mitarbeiter bei Führungen, wie "Pinctada margaritifera" gehegt und gepflegt wird. Die magische Auster mit den schwarzen Lippen hungert nach Plankton und filtert das Meerwasser. Nur äußerst selten, bei vielleicht einer von 15.000 Muscheln, entsteht dabei auf natürliche Weise eine Perle. Deshalb hilft man inzwischen etwas nach.


Es ist ein Job für Spezialisten. Die Auster wird mit einem Bolzen geöffnet. Dann schneidet der "greffeur", der Veredler, mit dem Skalpell einen Schlitz in den Perlensack, in dem das Perlmutt produziert wird, und legt ein erbsengroßes Kügelchen hinein. Nach der Operation kommt die Auster zurück ins Wasser. Zwei Jahre bleibt sie auf Tauchstation. Ob sie dabei eine Perle bildet, erfährt man erst hinterher. Und dann geht der Prozess wieder von vorne los.

Farbe und Glanz entscheiden

Auster mit PerleVon 1.000 Austern, denen ein Nukleus eingesetzt wurde, spenden 500 zwei Jahre später eine Perle. Foto: © Helge BendlVon 1.000 Austern, denen ein Nukleus eingesetzt wurde, spenden 500 zwei Jahre später eine Perle. Nur die Hälfte ist für den Verkauf geeignet. Nur 100 werden an Juweliere weitergegeben. Dafür müssen sie eine außergewöhnliche Farbe haben, einen brillanten Glanz, und das Licht nicht nur an der Oberfläche, sondern aus der Tiefe der Perlmuttschichten reflektieren. Perfekt rund sind nur wenige.


Mit etwas Glück kommt man trotzdem zu einer derart seltenen Perle. Joachim Dariel stammt aus Frankreich und lebt mit seiner einheimischen Frau Havaiki auf Fakarava, dem zweitgrößten Atoll Französisch-Polynesiens, eine Flugstunde entfernt von Tahiti. Mit 8.000 Austern im Wasser ist die Zucht für Joachim nur ein Nebenerwerb. Für die Gäste seiner Lodge hat er indes eine Perlenlotterie entwickelt. "Für 30 Euro kannst du dir eine Auster aussuchen und öffnen. Die Perle gehört dann dir, egal, wie wertvoll sie ist." So schwimmt man hinaus, holt tief Luft, taucht ab, sucht aus – und angelt sich eine von Neptuns Murmeln.

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