(Foto: © Hanna Neander)

Weltstar der Pop Art in Münster

Sonderschau: Das Picasso Museum zeigt zum Teil erstmalig Arbeiten von Andy Warhol. Darunter viele legendäre Motive.

"Ob Picasso je etwas von uns gehört hat?" Eine Frage, die Andy Warhol 1962 in einem Interview stellt. "Warhol bewunderte Picasso und Picasso ignorierte Warhol", erläuterte Markus Müller bei der Eröffnung der Ausstellung "Andy Warhol". "Ab jetzt kann Picasso ihn nicht mehr ignorieren, denn er ist Gast in seinem Haus", betonte der Leiter des Picasso-Museums in Münster.

Foto: © Hanna NeanderFoto: © Hanna NeanderBis zum 18. September sind rund 80 Druckgrafiken aus einer deutschen Privatsammlung und acht Experimentierfilme aus dem Andy-Warhol-Museum in Pittsburgh zu sehen. Darunter Probe- und Künstlerexemplare, die zum Teil erstmalig in Deutschland ausgestellt werden. Vertreten sind aber auch viele legendäre Motive, die weltweit zu Bildikonen avancierten. Darunter Marilyn Monroe. Ein Porträt ging gerade erst für umgerechnet 185 Millionen Euro bei einer Auktion an einen neuen Besitzer.

Zwei Leben, eine Gemeinsamkeit

Zu sehen ist auch die Campbell-Suppendose, die farbenfrohen Blütenbilder und Porträts Prominenter der 1950er- bis 80er-Jahre wie Grace Kelly oder Liz Taylor.

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Im gleichen Stil einzigartiger Farbkombinationen porträtierte Warhol auch Staatsoberhäupter wie Lenin, Mao Zedong und Königin Elizabeth II. Mit Johann Wolfgang von Goethe und Ludwig van Beethoven sind zudem historische Persönlichkeiten vertreten. "Die Werke stammen aus den Jahren 1954 bis 1987. Sie bieten einen Querschnitt durch Warhols gesamtes druckgrafisches Schaffen", erklärte Ann-Kathrin Hahn, Kuratorin der Warhol-Ausstellung.

Neben seinem bildkünstlerischen Werk rückt die Münsteraner Sonderschau auch "Screen-Tests" in den Mittelpunkt. "Sie zeigen, dass Andy Warhol auch ein leidenschaftlicher Filmemacher war", so die Kuratorin. Dabei handelt es sich um kurze, stumme Schwarzweiß-Filme, in denen Warhol die dargestellten Personen in schonungsloser Nahaufnahme zeigt. Ergänzt werden die Werke durch neue Interpretationen von Meisterwerken der Kunstgeschichte, wie etwa "Die Geburt der Venus" von Sandro Botticelli, "Die Verkündigung" von Leonardo da Vinci und den "Schrei" von Edvard Munch.

Einblick in das Spätwerk von Pablo Picasso

Ein klein wenig holt sich dann doch auch Picasso die Aufmerksamkeit der Besucher. Parallel zur Warhol-Präsentation präsentiert das Museum unter dem Titel "Kunst nach Kunst – Picassos Variationen nach Alten Meistern" das künstlerische Schaffen Pablo Picassos und gewährt so einen Einblick in eine faszinierende Phase seines Spätwerkes.

Auch Picasso setzte sich wie Warhol künstlerisch mit Werken der Kunstgeschichte auseinander. "Im Werk beider Künstler bildet die intensive Auseinandersetzung mit den Alten Meistern einen Schlüssel zu ihrem künstlerischen Selbstverständnis und schlägt eine Brücke zwischen den komplexen ästhetischen Strategien der Nachkriegskunst und der durch die Pop Art initiierten Postmoderne", erläutert Alexander Gaude, Kurator der Ausstellung "Kunst nach Kunst".

Weder Vergangenheit noch Zukunft

Picasso selbst äußerte sich bereits 1923 in einem Interview mit dem Galeristen Marius de Zayaas über die Frage nach der Zeitlosigkeit von Kunst und nach der Bedeutung der Antike und Alten Meister für die Moderne. Für ihn selbst gab es in der Kunst keine Vergangenheit oder Zukunft. So muss es wohl auch Warhol gesehen haben. Und so macht die Ausstellung deutlich, dass beide Künstler, auch wenn sie sich nie begegnet sind, doch mit Blick auf Kunst und ihr Verständnis dazu einiges gemeinsam hatten.

Weitere Infos Kunstmuseum Pablo Picasso Münster
Picassoplatz 1
48153 Münster
Telefon: 0251/ 41447-13
picassomuseum.de

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag und Feiertage: 10 bis 18 Uhr
Tickets: Zeitfenstertickets sind über den Onlineshop auf der Website des Picasso-Museums erhältlich.

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Text: / handwerksblatt.de

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