Im Museum Monopoli versammelt Renato Monopoli mechanische Menschen und Automaten (Foto: © MT Condroz-Famenne)

Pssst …, interessiert an einem Geheimtipp?

Panorama

Die Wallonie ist nur einen Katzensprung von Deutschland entfernt. Mit Savoir-vivre und originellen Sehenswürdigkeiten hält die Region in Belgien zauberhafte Überraschungen bereit.

Jetzt bloß nicht anecken. In vier Häusern, darunter eine alte Mühle, hat Yvette Dardenne in jedem Winkel eine bunte Welt von lithografierten Weißblechdosen erbaut. Mit insgesamt 60.000 Dosen steht die Sammlerin sogar im Buch der Rekorde. Vorsichtig bewegen sich Besucher über knarzende Holzböden und hübsch geflieste Mosaikböden durch das farbenfrohe Wimmelbild von Madame Dardenne. "Yvette lebt hier – irgendwo", sagt eine der vielen ehrenamtlichen Helferinnen bei einer Führung durch das kleine Museum in Grand-Hallet.

Weißblechdosen mit Phrophezeiung

Foto: © DHBEhemals Behälter für Bonbons, Tee, Kaffee, Kekse oder Gewürze, erinnern die kleinen Kunstschätze jetzt an geschichtliche Ereignisse oder verweisen auf ihre Funktion als frühe Werbebotschafter. Stolz präsentiert Yvette Dardenne eine Dose aus dem 19. Jahrhundert. Auf dem Deckel und den Seiten der Dose fragen die Metallbaukünstler in bunten Bilder: wie sieht die Welt im Jahr 2000 aus? Die Abbildungen zeigen jubelnde Menschen, die in den Urlaub fliegen, sie werden von den Medien beschallt und ganz im Sinne der Umwelt werden Tote eingeäschert und dienen auf diese Weise zur Energiegewinnung. Verrückt! Oder?

Die Wunderkammer von Renato Monopoli

"Die Wallonie ist ein Trödelland", erklärt Barbara Buchholz von Wallonie Belgien Tourismus, warum hier so viele kleine Museen zu Hause sind. Die meisten werden von ambitionierten Hobby-Sammlern mit Hingabe geführt. So wie Renato Monopoli, im Erscheinungsbild durch und durch Italiener. Elegant gekleidet in den Farben Italiens, begrüßt er im Museé Monopoli seine Zuhörer. Früher als Pilot der Alitalia auf der ganzen Welt unterwegs, lässt er jetzt in Ciney in einer Wunderkammer die Puppen tanzen. "In meiner Familie gab es viel Sammler", führt er seine Obsession für Automaten und mechanischer Menschen auf diese genetische Veranlagung zurück.

Unikate. Faszinierend und unheimlich

Foto: © DHBEinst standen die Automaten in Schaufenstern und Vitrinen, um die Aufmerksamkeit vorbeigehender Passanten zu wecken. Ein Bäcker, der Brot knetet. Ein Metzger, der Fleisch hakt. Ein vornehm gekleideter Herr, der an die Fensterscheibe klopft. Dank guter Pflege beweisen die Automaten, dass sie es noch immer drauf haben. Die Maschinen in Menschengestalt verdrehen ihre Augen, singen, spielen Klavier, wackeln mit der Hüfte oder Husten. Wie Madame in ihrem Clubsessel. In einer Hand ein Gläschen Cognac, in der anderen die elegante Zigarettenspitze, erzählt sie hustend aus ihrem bewegten Leben: "Ich rauche und trinke. Ach, lasst mich doch in Ruhe", verteidigt sie ihr ungesundes Leben. In jeder Beziehung Unikate, die auf Knopfdruck ein Eigenleben führen. Faszinierend und unheimlich zugleich.

Jenseits abgetretener Touristenpfade

Kurioses, Erstaunliches, Ungewöhnliches: Jenseits abgetretener Pfade entpuppt sich die Wallonie als Ziel mit originellen Geheimtipps und einer überraschenden Lebensfreude. In Namur, der Hauptstadt der Wallonie, zelebrieren die Bewohner "die Kunst der Langsamkeit". Gelegen zwischen den Flüssen Maas und Sambre wurde die Stadt in ihrer 2.000-jährigen Geschichte immer wieder belagert und zerstört. Doch die Bewohner haben mit ihrer ganz eigenen Gelassenheit die Stadt immer wieder aufgebaut. In den hübschen, kleinen Gässchen herrscht das Savoir-vivre vor, so wie man es auch in Frankreich schätzt und liebt.

Namur für Genießer

Foto: © Simon SchmittBei den ersten warmen Sonnstrahlen werden Stühle und Tische der gemütlichen Cafés rausgestellt. Bei einem Aperol oder einem Bier aus den achtzehn Brauereien der Stadt verstehen es die Namurer, dem Leben die schönsten Seiten abzugewinnen. Manche Stimmen behaupten sogar, dass die Menschen hier einen Tick genussvoller leben, als im Rest der Wallonie. Knuspriges Brot, Ardenner Schinken, Schokolade und Schnecken sind einige der regionalen Produkte, die Feinschmecker bei einer Genusstour entdecken können.

Fröhlich auf der Peket-Route entlang

Namur ist aber auch die Stadt der wallonischen Spirituosen und Brände. Neben Wein und Bier darf der Peket auf keinem wallonischen Fest fehlen. Gegenüber dem ältesten Café der Stadt, dem Ratin-tot aus dem Jahr 1616, ist der Grenzstein 0 gleichzeitig Start der Geneverroute. Der erste Peket wird vor dem Traditionscafé verkostet. "Wir wissen, wo wir starten", strahlt Valérie Tryoen fröhlich über das ganze Gesicht. "Wo wir enden, wissen wir nicht", erklärt die deutschsprachige Stadtführerin augenzwinkernd mit dem liebenswerten Erkennungsmerkmal "herzerfrischendes Schlapplachen".

Mit zwei PS die Landschaft erleben

Das Land mit dem Bien-vivre, der feinen Lebensart, zeigt sich einmal mehr bei einer Fahrt mit der Fondue-Kutsche. Mit den robusten Ardennenpferden Marquis und Aragon geht es mit gemütlichen zwei PS ab Porcheresse durch die grüne Ardennenlandschaft. Auf einem speziell für Fondue- und Geschirr entwickelten Tisch serviert Laetitia Deprelle von "Ardenne Trait Gourmande - Le chariot á fondue" regionale Produkte "Made in Belgium". Auf der Speisekarte stehen Käse- und ein Fleischfondues. Auf Wunsch gibt es aber Gerichte der wallonischen Landküche. Lecker und ein weiterer Geheimtipp, um Land und Leute kennenzulernen.

Nach einer erlebnisreichen, unterhaltsamen und geschmackvollen Entdeckungsreise schließt man sich gleich gerne dem Lebensmotto der Wallonen an: "c’est bon, c‘ est walllon. Es ist wallonisch, also ist es gut!

(Die Redaktion hat auf Einladung von Belgien-Tourismus Wallonie an der Reise teilgenommen.)

 

Anreise:

Mit dem Zug:
Der Hochgeschwindigkeitszug Thalys fährt mehrmals täglich von Köln über Aachen und Lüttich nach Brüssel. Manche Verbindungen starten auch ab Dortmund und führen über Essen, Duisburg und Düsseldorf via Köln und Aachen nach Lüttich und Brüssel. Außerdem gibt es von Frankfurt über Köln mehrmals täglich Verbindungen mit dem ICE nach Brüssel sowie mehrere IC-Verbindungen aus Süddeutschland und der Schweiz.

Mit dem Flugzeug:
Der Flughafen Zaventem 12 km nördlich von Brüssel bietet zahlreiche Flüge in die ganze Welt.Der Brussels South Airport in Charleroi in der Wallonie liegt 46 km von Brüssel; von dort gehen Flüge zu 26 europäischen Zielen.Liège Airport in Lüttich, 1 Stunde von Brüssel entfernt, bedient ebenfalls zahlreiche touristische und Geschäftsdestinationen.

Mit dem Auto:
Einige der wichtigsten Autobahnverbindungen nach Belgien ist die Achse Frankreich/Großbritannien – DeutschlandE40: Ostende – Brüssel/Bruxelles - Lüttich/Liège – Köln;E42: London – Dünkirchen/Dunkerque – Lille – Namur – Lüttich/Liège – Trier/Trèves;
Entfernungen von Brüssel nach Köln 209 Kilometer.

Namur:
Unterkunft: Chateau de Namur, 4-Sterne-Haus auf dem Zitadellenhügel, DZ ohne Frühstück ab 120 Euro pro Nacht

Herzstück der Stadt ist die auf einem Hügel gelegene Zitadelle. Napoleon nannte sie einst den "Termitenbau Europas", wegen des imposanten Netzes unterirdischer Gänge. Verschiedene Gänge können besucht werden. Mit einem Spektakel aus Licht, Ton und 3-D-Animaitonen wird die Geschichte der Stadt und der Festung erzählt.

Unterwegs:
Die Wallonie verfügt über ein sehr gut ausgebautes Fahrradenetz. Namur ist auch ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren.

Geheimtipps Wallonie:
Bei Tournai befindet sich die "La Brasserie á Vapeur". Sie ist die letzte dampfbetriebene Bierbrauerei der Welt. Sie produziert traditionell handwerkliche und auf natürliche Weise in der Flasche gärende Biere.

Das Unesco-Weltkulturerbe SILEX'S in Spiennes bei Mons, einer jungsteinzeitlichen 6000 Jahre alten Feuersteinminen zählen zu den spektakulärsten historischen Stätten in Belgien. Gesicht mit Helm und Seil können Besucher in die Minen steigen.

Jedes Jahr an Mariä Himmelfahrt am 15. August veranstaltet die "Confrérie Mondiale de l’Omlette Géante" (weltweite Bruderschaft des Riesenomletts) auf dem Place de Rome in einer Pfanne mit vier Metern Durchmesser einen Omlett aus 10.000 Eiern zu.

Am gleichen Tag findet in Dinanz eine Badewannenregatta statt. Fantasievoll geschmückte Untersätze fahren einen Kilometer auf der Maas. Auch die Passagiere sind kostümiert.

Das ganze Jahr über finden Trödelmärkte statt. So zum Beispiel in Ciney Puces (März und Oktober), Temploux (August), Antica Namur (10. Bis 18.11.2018).

Crupet gehört zu den schönsten Dörfern der Wallonie. Hier ist auch die künstlich angelegte Antonius-von-Padua-Grotte. Sie wurde zwischen 1900 und 1903 von den Dorfbewohnern erbaut. In der schön kitschigen Grotte finden sich Szenen aus dem Leben des Heiligen Antonius in Gips- und gegossenen Skulpturen. Auch der Teufel treibt hier sein Unwesen.

Viele weitere Geheimtipps finden Touristen auf den Seiten von Belgien-Tourismus Wallonie

Text: / handwerksblatt.de

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