Foto: viewingmalta.com

Seepferdchen, Wracks und 7.000 Jahre Geschichte

Panorama - Reise

Nur ein paar Flossenlängen von Deutschland entfernt, liegt die Insel Malta mit Gozo und Comino. Die Inselgruppe gehört zu den schönsten Taucherparadiesen Europas, wenn nicht sogar der Welt.

Thomas Zurawski ist ein echter Kumpel. Als Betriebsschlosser malocht der Essener auf Zeche Zollverein unter Tage. Als sein Vater Ende der 80er Jahre als letzter Bergmann die Türen der Zeche schließt, ist klar, dass jetzt auch für Thomas Schicht im Schacht ist. Er arbeitet weiter als Betriebsschlosser über Tage, später sogar auch mal als Gebäudereiniger. "In meinen jungen Jahren habe ich einfach das gemacht, worauf ich Bock hatte." Mit sechzehn Jahren entdeckt Thomas das Schnorcheln. Irgendwie zog es ihn wohl wieder in die Tiefe. Vom Pott nach Holland war es nicht weit. "Dort habe ich einen ersten Tauchkurs absolviert. Tauchen. Pommes essen. Bierchen trinken. Irgendwann wieder zurück ins Revier", beschreibt er seinen Weg zum Tauchlehrer in Deutschland.

HandwerkBei einem Urlaub auf Malta lernt der damals 32-Jährige einen Tauchlehrer kennen. Bleibt für drei Monate, arbeitet in der Tauchschule und qualifiziert sich zum Kursdirektor CMAS/IAC TEC sowie zum Spezialisten für technisches und Höhlentauchen weiter. Hier begegnet er auch seiner großen Liebe Heike. Heike Merz-Zurawski ist mindestens genauso begeistert vom Tauchen wie Thomas. Besitzt Tauchlizenzen der CMAS, dem weltweiten Tauchverband. Macht eine Zusatzausbildung zur Tauchlehrerin für Menschen mit Behinderungen und ist so ganz nebenbei auch noch eine sehr gute Unterwasserfotografin.

HandwerkFast automatisch entsteht der Wunsch, mit einer eigenen Tauchschule auf Malta eine wasserdichte Zukunft aufzubauen. Den richtigen Ort für ihr "Nautic Team Gozo" entdecken sie 1994 auf der Nachbarinsel Gozo. "Wir hier auf Gozo haben einen ganz großen Schatz", zeigen sich die heimisch gewordenen Gozitaner nach wie vor begeistert von dem Inselchen zwischen Sizilien und Afrika. "Gozo ist klein, fein, individuell. Gozo ist wie das Mittelmeer vor 40 Jahren. Die Zeit läuft langsamer", schwärmen beide von dem 14x7 Kilometer Fleckchen Erde, das mit Malta und Comino von einem Tauchermagazin jüngst unter die Top Ten der schönsten Taucherparadiese der Welt gewählt wurde.

Handwerk"Die Strömung ist gering. Wir haben keine Gezeiten. Und in dem tintenblauen Wasser gibt es sogar bis 50 Meter Tiefe klare Sicht", führt Thomas ein paar gute Gründe auf. Dazu geschützte Buchten, bis zu 200 Meter tiefe Klippen, Felsenriffe, labyrinthische Grotten oder Höhlen: An dem sagenumwobenen Ort, wo die Meernymphe Kalypso sieben Jahre lang den heldenhaften Odysseus festhielt, finden erfahrene Taucher wie Anfänger optimale Bedingungen. Vierzig Tauchbasen gibt es auf Malta. Gozo alleine bietet etwa 60 Tauchplätze, die direkt vom Ufer aus oder mit dem Boot erreicht werden können. "Dwejra Point" mit dem "Azure Window" und dem nahe gelegenen "Blue Hole" gilt unter Tauchern als der schönste Tauchplatz Gozos.


 

HandwerkEinmal abgetaucht, überrascht das Mittelmeer mit einer farbenprächtigen Unterwasserfauna und -flora. Leuchtend rote Papageienfische fühlen sich in dem warmen Gewässer wohl. Ebenso farbenfrohe Meerjunker. Barrakudaschwärme, Knurrhähne, Papageienfische oder das wunderhübsche Langschnauzen-Seepferdchen finden einen idealen, wenngleich ungewöhnlichen Lebensraum vor. "Schiffe versenken", sagt Thomas, "ist in Malta fast so etwas wie ein Nationalsport."

HandwerkUm die sechzig Wracks liegen rund um den kleinsten EU-Staat. "So entstehen quasi künstliche Riffe." Zudem ist das Wracktauchen etwas ganz Spezielles und weckt bei Tauchern aller Ausbildungsniveaus den Abenteuer- und Entdeckergeist wie auch das Interesse für die historischen Fakten der Schiffe. Wie zum Beispiel für das U-Boot "Stubborn", den Passagierdampfer SS Margit", den Minensucher "Drifter Eddy" oder den 114 Metern langen lybischen Öltanker "Um el Faroud". Nur 15 Meter unter der Wasseroberfläche, ist der imposante Öltanker sogar von Land aus zu sehen. Ideal für Tauchanfänger.

Als ausgebildeter Wracktaucher wird Thomas Zurawski deshalb auch immer wieder von Filmteams gebucht. Zuletzt von dem bekannten französischen Regisseur Luc Besson, der auf Malta seinen neuesten Film dreht. "Malta verfügt über einen der größten Unterwasserfilmtanks Europas", berichtet er von seiner Arbeit als Sicherungstaucher und Stunttaucher bei internationalen Filmproduktionen.

HandwerkDoch bei aller Leidenschaft für den Tauchsport ist Thomas und Heike ein Aspekt sehr wichtig. "Es kann nicht sein, dass du auf so eine schöne Insel kommst und dann nur tauchen gehst. Wir sagen unseren Gästen deshalb: "‚Schau dir auch die Insel selber an‘", fordern beide ihre Gäste auf, die 7.000-jährige Geschichte Maltas zu erkunden. Ein Muss: der über 5.600 Jahre alte Ggantija-Tempel. "Das hat natürlich auch einen Nebeneffekt", räumt Thomas fröhlich ein. "In der Hauptsaison haben wir trotz ausgebuchter Kurse sonntags frei und dann gehen wir zu unseren Spaßtauchgängen. So bekloppt sind wir!"

Fotos: viewing malta/privat/Text: Brigitte Klefisch

Heike Merz-Zurawski und Thomas Zurawski sind vom 21. bis 29. Januar auf der "boot" in Düsseldorf am IAC Stand, gegenüber dem Tauchmagazin "Unterwasser. Ein einwöchiger Tauchkurs in der Tauchschule Nautic Team Gozo kostet etwa 365 Euro.

Es gibt rund 40 Tauchschulen auf den Inseln Malta, Gozo und Comino. Wichtig für Anfänger ist es, dass in kleinen Gruppen getaucht wird. Informationen finden Sie unter pdsa-org oder visitmalta.com/de/dive-centres

Ü
bernachtung: Direkt gegenüber dem Nautic Team Gozo liegt das "Maria Giovanna Guest House". Doppelzimmer inklusive Frühstück ab 60 Euro pro Nacht.

Eine weitere schöne Unterkunftsmöglichkeit sind die bis 400 Jahre alten sanierten und renovierten Farmhäuser. Ebenfalls auf Gozo, das 5-Sterne-Hotel "Kempinski".

Essen: Genießen Sie den Blick auf's Wasser und probieren Sie dabei gute, maltesiche Küche. Das Restaurant IL-Kartell liegt in der malerischen Bucht Marsalforn Bay, dort wo Heike Merz-Zurawski und Thomas Zurawski ihre Tauchschule haben.

Vom Hafen Chirkewwa auf Malta dauert die Überfahrt mit der Fähre bis zum Fährhafen Mgarr auf Gozo circa 20 Minuten.

Anreise Malta: Air Malta fliegt regelmäßig von verschiedenen deutschen Flughäfen. Hin- und Rückflug ab 100 Euro.

Weitere Informationen über Malta und die Schwesterninseln Gozo und Comino finden Sie in deutschsprachigen Broschüren. Hier geht es direkt zum Download. Informationen finden Sie auch auf der Website von Visitmalta oder Gozo.

Text: / handwerksblatt.de

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