Fast 30 Meter hoch, von Robotern gefertigt und für den Wiederaufbau konstruiert: Der Tor Alva in Mulegns zeigt, wie 3D-Druck Architektur, Handwerk und Kultur verbinden kann.
Mulegns, eines der kleinsten Dörfer der Schweiz, erlebt eine bemerkenswerte Transformation. In dem malerischen, kaum noch besiedelten Bergdorf am Fuße des Julierpasses, bekannt für seine Zuckerbäckervillen und Bauernhäuser, wurde ein außergewöhnliches Bauprojekt realisiert. Die historische Kutschenremise wurde zum architektonischen Herzstück des historischen Viertels und dient als Fundament für den Weißen Turm, rätoromanisch "Tor Alva".
Mit einer Höhe von 30 Metern ist es das weltweit höchste digital gedruckte Gebäude, realisiert in enger Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Kulturstiftung Origen. Diese Stiftung hatte bereits mit dem Roten Turm auf dem Julierpass internationale Aufmerksamkeit erregt.
Innovative Bauweise des Weißen Turms
Der Weiße Turm ist als vielfältiger kultureller Ort, der Raum für Kunstinstallationen, Hörspieltouren und Theateraufführungen bietet. Die Säulen des sogenannten Zuckerbäckerturms werden von Geschoss zu Geschoss filigraner und stärker verzweigt. Digital gedruckte Strukturen, die organisch verdreht wirken und an die Fantasiewelten von Gaudí erinnern, wurden mithilfe eines Krans Stockwerk für Stockwerk aufeinandergesetzt.
Der Turm wird dabei zunehmend lichter und leichter, am Ende krönt eine Kuppel das Bauwerk. Der 3D-Druck sparte Material, machte Schalungen überflüssig, ermöglichte modulare Designs und senkte die Transportkosten. 124 einzelne Bauteile entstanden innerhalb von fünf Monaten im Robotiklabor der ETH Zürich, wurden im etwa 10 Kilometer entfernten Savognin zusammengesetzt und schließlich nach Mulegns transportiert. Sockel, Kapitelle, Treppen und weitere Bauteile wurden konventionell gefertigt. Der Turm ist so konstruiert, dass er einfach abgebaut und an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden kann. Die Fertigstellung war zunächst für Juni 2024 geplant, eröffnet wurde er am 20. Mai 2025 und er soll ungefähr fünf Jahre in Mulegns stehen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir alle externen Inhalte angezeigt werden und meine Cookie-Einstellung auf 'Alle Cookies zulassen' geändert wird. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Von der Veranda des Post Hotel Löwe aus lässt sich der Turm bewundern. Das Hotelensemble, bestehend aus zwei Schmieden, Pferdeställen, einer Wagenremise, einem Elektrizitätswerk und einem Telegrafenamt, stand lange Zeit vor einer ungewissen Zukunft und schien dem Verfall preisgegeben.
Historisches Post Hotel Löwe in Mulegns restauriert
Doch vor fünf Jahren erwarb die Kulturstiftung Origen das historische Haus und begann sofort mit umfassenden Sanierungsmaßnahmen. Heute verfügt das renovierte Hotel über sieben individuell gestaltete Zimmer und Suiten.
Seine Blütezeit erlebte das Hotel während des Bädertourismus im Engadin. Vor über 100 Jahren reisten die Besucher noch mit der Kutsche ins Engadin und übernachteten selbstverständlich im "Löwen". Mulegns war neben Churwalden und Tiefencastel einer der drei Orte, an denen die Pferdegespanne gewechselt wurden. Zu den bekanntesten Gästen dieser Zeit gehörten Albert Schweitzer, Wilhelm Conrad Röntgen und Prinzessin Mary – die spätere Queen Mary und Großmutter von Elisabeth II.
Weiße Villa: Bald Zuckerbäckermuseum und Café
Während der Fassadenrenovierung verhüllte ein Planenkleid die Weiße Villa in Mulegns, nachdem sie im August 2020 um mehrere Meter verschoben wurde. Die spätklassizistische Villa, 1856 von dem renommierten Architekten Jean Baptiste Lafargue für den berühmten Zuckerbäcker Jean Jegher, entworfen, wird künftig ein Zuckerbäckermuseum, ein Café und eine Bäckerei beherbergen, die das Zuckerbäckerhandwerk der einstigen Bündner Emigranten zelebrieren.
Ich bin damit einverstanden, dass mir alle externen Inhalte angezeigt werden und meine Cookie-Einstellung auf 'Alle Cookies zulassen' geändert wird. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Die Zuckerbäckervillen in Mulegns erzählen von der jahrhundertealten Emigrationsgeschichte der Bündner. Die Familien Jegher und Poltera wanderten nach Bordeaux aus und eröffneten dort erfolgreiche Cafés und Konditoreien.
Mit dem in Frankreich erwirtschafteten Vermögen bauten sie prächtige Villen in ihrem Heimatdorf Mulegns, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. Dank der Kulturstiftung Origen wird diese faszinierende Geschichte nun wieder lebendig und für Besucher erlebbar.
TransparenzhinweisDieser Beitrag ist erstmals zu einem früheren Zeitpunkt erschienen. Aufgrund seiner anhaltenden Aktualität und Relevanz wurde er redaktionell bearbeitet und neu veröffentlicht.
Kommentar schreiben