Spektakulär: Der Grand Éléphant, ein mechanisches Fabelwesen aus Holz und Stahl, ist Teil der Machines de l’île. Die Île de Nantes ist ein ehemaliges Werftgelände mitten im Fluss, auf dem heute Cafés, Clubs und Galerien zu finden sind.

Spektakulär: Der Grand Éléphant, ein mechanisches Fabelwesen aus Holz und Stahl, ist Teil der Machines de l’île. Die Île de Nantes ist ein ehemaliges Werftgelände mitten im Fluss, auf dem heute Cafés, Clubs und Galerien zu finden sind. (Foto: © David Gallard / LVAN)

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Nantes: Kunstschaffende als Wirtschaftsfaktor

Wie die französische Stadt Nantes ihr fragwürdiges historisches Image in eine nachhaltige Kunststadt verwandelt hat.

Nantes ist die derzeit coolste Stadt im Westen Frankreichs. Der Niedergang der Werftenindustrie in den 80er Jahren hat die Hafenstadt erfinderisch gemacht. Ein Bürgermeister hat gezeigt, wie eine Kommune zu einer Kunstmetropole werden kann. Le Voyage à Nantes heißt die große Kunstschau im Juli und August. artifex hat sich im Vorfeld der diesjährigen Schau umgeschaut.

Über den Beginn einer neuen Ära

Das spektakuläre Aufblühen verdankt die Stadt dem visionären sozialistischen Politiker Jean-Marc Ayrault. Er übernahm 1989 das Amt des Bürgermeisters und setzte konsequent auf Kultur als Motor für den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandel. Gemeinsam mit dem Kulturmanager Jean Blaise rief er Projekte ins Leben, die das Fundament für das heutige Kulturkonzept Le Voyage à Nantes legten. Die Industriestadt zeigt sich heute als begehbare Galerie  – mal vereinfacht gesprochen.

Das Château des ducs (Schloss der Herzöge) de Bretagne in Nantes Foto: © Philippe PIRON / LVANDas Château des ducs (Schloss der Herzöge) de Bretagne in Nantes Foto: © Philippe PIRON / LVAN

Nur wenige Zentimeter ist die Richtschnur auf dem Trottoir breit, sie ist grün und schlängelt sich durch die 340.000-Einwohner-Stadt an der Loire. Wer dieser Spur folgt, benötigt weder Stadtplan noch Navigationssystem, sondern wird intuitiv zu mehr als 60 permanenten Kunstwerken, historischen Denkmälern und versteckten architektonischen Schätzen geleitet. Die Route verknüpft das historische Erbe der einstigen bretonischen Hauptstadt wie das majestätische Schloss der Herzöge der Bretagne und die elegante, dreistöckige Einkaufspassage Pommeraye mit zeitgenössischen Installationen.

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Zu den spektakulärsten Stationen gehört die Île de Nantes, ein ehemaliges Werftgelände mitten im Fluss, auf dem heute Cafés, Clubs und Galerien zu finden sind. Im ehemaligen Gebäude einer Seifenfabrik wird heute Bier gebraut. Die Küche ist dank des südamerikanischen Koches wahrlich bemerkenswert. Ein ideales Umfeld für die Hochschulen für Design, Architektur und bildende Kunst, das sogenannte Quartier de la Création – der größte Kreationskomplex dieser Art in Frankreich. Mit dem Mediacampus und der Grafiksektion bieten die Hochschulen 5.000 Studenten Plätze an. Eine perfekte Fortentwicklung der Ideen des Bürgermeisters, der zunächst Künstler und Künstlerinnen eingeladen hatte, die dann in den damaligen Industriebrachen arbeiteten und gestalteten.

Ein Highlight des touristischen Angebotes auf der früheren Werftinsel sind die berühmten Les Machines de l’île. Der Grand Éléphant überragt mit seinen zwölf Metern alles. Ein hohes, mechanisches Fabelwesen aus Holz und Stahl, das Passagiere über das Gelände der früheren Werft trägt und kräftig Wasser aus seinem Rüssel speit. Direkt daneben lädt das Carrousel des Mondes Marins zu einer Fahrt auf fantastischen Tiefseewesen ein, die ganz im Geiste des in Nantes geborenen Visionärs Jules Verne gestaltet wurden.

Impressionen in Bildern

Bildergalerie

Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Nantes aus der Sicht von Fotograf Patrick Messina. (Foto: © Patrick Messina / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Die dreistöckige Einkaufspassage Pommeraye mit zeitgenössischen Installationen. (Foto: © Fanny Retailleau / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Mehr als 60 permanente Kunstwerke, historische Denkmäler und versteckte architektonische Schätze zählen zu Le Voyage à Nantes und machen die Stadt zu einer begehbaren Galerie. Im Bild: Le Grand Éléphant, Les Machines de l'île. (Foto: © Romain Peneau / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Das Château des ducs de Bretagne in Nantes. (Foto: © Philippe PIRON / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Die Ozeanschlange (Serpent d'océan) von Huang Yong Ping, Saint-Brevin-les-Pins, Werk des Kunstparcours 'Estuaire Nantes <> Saint-Nazaire'. (Foto: © Franck Tomps / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Les Anneaux von Daniel Buren und Patrick Bouchain, Quai des Antilles. (Foto: © Martin Argyroglo / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Le Train fantôme von Florentine et Alexandre Lamarche-Ovize. (Foto: © Philippe PIRON / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Unterwegs im Quartier de la Création (bâtiment Manny): Air von Rolf Julius, TETRARC Architectes, Nantes, création Estuaire 2009. (Foto: © Martin Argyroglo / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Belvédère de l'hermitage von Tadashi Kawamata. (Foto: © Martin Argyroglo / LVAN )
Kunstschau: Le Voyage à Nantes 2026
Rückblick auf die Nacht von Le Voyage à Nantes 2025, Square Daviais. Les Tables de Nantes bietet zahlreiche kulinarische Angebote. (Foto: © Tangi Le Bigot - Clack / LVAN )

Im Zeichen der vier Elemente

Im Sommer 2026 erfindet sich das Kulturfestival neu und läutet vom 4. Juli bis zum 6. September eine neue Ära ein. Die fünfzehnte Ausgabe des Sommerfestivals Le Voyage Estival markiert den Beginn eines ambitionierten, vierjährigen Zyklus, der sich den vier Naturelementen widmet und im Jahr 2026 ganz im Zeichen des Elements Erde steht.

Das Logo der Kunstschau. Foto: © LVANDas Logo der Kunstschau. Foto: © LVAN

Unter der künstlerischen Leitung von Sophie Lévy bricht die diesjährige Route gezielt mit Sehgewohnheiten und rückt vierzehn völlig neue Kunstwerke internationaler Kulturschaffender in den Fokus. Erstmalig öffnen sich dafür auch tiefere, geheimnisvollere Stadträume, wie die historischen Krypten der Kathedrale von Nantes oder der üppig grüne Jardin Extraordinaire.

Das Thema Erde spiegelt sich nicht nur in den skulpturalen Beiträgen wider, sondern durchdringt auch die kulinarische Identität der Region. Passend zum Jahresthema präsentiert das Festival eine exklusive, biologisch erzeugte Eigenkreation, den Muscadet du Voyage. Dieser Wein vereint die Charakteristika der wichtigsten Böden des umliegenden Anbaugebiets und wird feierlich zur Eröffnungsnacht am 4. Juli entkorkt.

Das Schloss der Herzöge der Bretagne begleitet den Kultursommer mit der großen kulturhistorischen Ausstellung Sorcières bis zum 28. Juni, die historische Mythen und moderne Rollenbilder beleuchtet, während die vierte Ausgabe von Expression(s) décoloniale(s) bis zum 8. November koloniale Narrative hinterfragt. Letzteres knüpft direkt an das Erbe von Jean-Marc Ayrault an, der in seiner Amtszeit auch die kritische Aufarbeitung der städtischen Geschichte als ehemaliger Sklavenhafen vorantrieb. Autor Timothée Demeillers berichtet, dass Nantes der größte Hafen Frankreich war und die schicke Architektur der Stadt nicht nur durch Zucker und Baumwolle finanziert wurde, sondern durch den Handel mit Menschen. Nantes war der größte Sklavenumschlagsplatz nach Amerika und Großbritannien – Arbeiter für die Plantagen. Nicht alle in der Stadt konnten mit der mutigen Aufarbeitung der Geschichte umgehen. Das erste Mahnmal zum Sklavenhandel wurde nach der Enthüllung in den 90er Jahren schnell zerstört. Heutzutage ist Aufgeschlossenheit angesagt. Ein großes Mahnmal erstreckt sich am Ufer der Loire und klärt über die Schatten der Vergangenheit auf.

Kunst und Natur im Einklang

Bootsfahrt von Nantes nach Saint-Nazaire. Auf dem Foto zu sehen: La Maison dans la Loire von Jean-Luc Courcoult, Couëron. Foto: © Adrien Pasquier / LVANBootsfahrt von Nantes nach Saint-Nazaire. Auf dem Foto zu sehen: La Maison dans la Loire von Jean-Luc Courcoult, Couëron. Foto: © Adrien Pasquier / LVAN

Zurück zur Kunst und Kulinarik. Wer die Kunstpfade der Innenstadt verlässt, kann der Kreativität entlang des Wassers folgen. Eine Radtour führt hinein in das Rebenmeer des Umlands, wo das Château de la Frémoire in Vertou zu Weinproben unter freiem Himmel einlädt. In westlicher Richtung folgt der sechzig Kilometer lange Kunstparcours Estuaire der Loire bis zu ihrer Mündung in den Atlantik bei Saint-Nazaire. Entlang des Flussufers überraschen 33 monumentale Freiluft-Kunstwerke die Reisenden, darunter ein scheinbar in den Fluten versinkendes Haus oder eine gigantische Seeschlange aus Metall direkt im Meer.

Dieses dichte Geflecht aus Kunst und Natur lässt sich dank des umweltfreundlichen Konzepts der Stadt mühelos erschließen. Das Auto bleibt einfach stehen, das gesamte Streckennetz der Straßenbahnen und Busse ist an jedem Wochenende für alle Gäste komplett kostenfrei nutzbar. Wer auch unter der Woche flexibel bleiben und freien Eintritt in die Museen sowie zu den Festivalattraktionen genießen möchte, nutzt den Nantes-Pass, der für verschiedene Zeiträume erhältlich ist. Für dieses konsequente Engagement für sanften Tourismus trägt die Loire-Metropole das staatliche Nachhaltigkeitssiegel Destination Innovante Durable.

Nantes hat es Bilbao gleich gemacht und wie die spanische Schwester mit dem Guggenheim Museum die Kunst als Touristenmagnet geschaffen. Um die 800.000 Touristen besuchen die Kunststadt an der Loire allein in den zwei Ausstellungsmonaten. Ein nachhaltiger Wirtschaftsfaktor.

Impressionen in Bewegtbild

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Weitere Infos🌐 Hier geht es zur Website von Le Voyage à Nantes.
📲 Zum Instagram-Auftritt des Kulturkonzepts geht es hier entlang.

🍽️ Übrigens: Wer in Nantes auf der Suche nach kulinarischen Angeboten ist, wird auf der Website Les Tables de Nantes fündig.
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Text: / handwerksblatt.de

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