Bei der Veranstaltung in der Bayerischen Vertretung: Christine Singer, MdEP, WHKT-Präsident Berthold Schröder, Sabrina Repp, MdEP, Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt, Unternehmerin Claudia Wackerbauer, Dr. Armin Hartmuth, Leiter EU-Vertretung Freistaat Bayern (vorne v. l. n. r.), BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers, Unternehmer Peter Küpper, BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl, Ralph Schmitt-Nilson, Referatsleiter Europäische Kommission (hinten v. l. n. r.)

Bei der Veranstaltung in der Bayerischen Vertretung: Christine Singer, MdEP, WHKT-Präsident Berthold Schröder, Sabrina Repp, MdEP, Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt, Unternehmerin Claudia Wackerbauer, Dr. Armin Hartmuth, Leiter EU-Vertretung Freistaat Bayern (vorne v. l. n. r.), BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüpers, Unternehmer Peter Küpper, BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl, Ralph Schmitt-Nilson, Referatsleiter Europäische Kommission (hinten v. l. n. r.) (Foto: © Dani Oshi)

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Handwerk und Mittelstand: Dringender Handlungsbedarf auf EU-Ebene

In der Vertretung des Freistaats Bayern in Brüssel hatten der Bayerische Handwerkstag und der Westdeutsche Handwerkskammertag zu einer gemeinsamen Veranstaltung geladen. Es ging um die Sichtbarkeit von Mittelstand und Handwerk auf EU-Ebene.

Die Vertretung des Freistaats Bayern bei der Europäischen Union in Brüssel ist gut gefüllt, als die gemeinsame Veranstaltung von West und Süd, von Westdeutschem Handwerkskammertag (WHKT) und Bayerischem Handwerkstag (BHT), beginnt. Es geht um die Rolle und die Sichtbarkeit von Handwerk und Mittelstand auf EU-Ebene.

Ein fraglos wichtiges Thema, was besonders bei den durchaus flammenden Beiträgen von Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Tobias Gotthardt deutlich wird, der sich zum einen als "überzeugten Europäer" sieht, gleichzeitig scharfe Kritik daran übt, dass KMU und Handwerk "Luft zum Atmen" brauchen, damit "der Mittelstand uns aus der gegenwärtigen Krise bringen kann". Die Veranstaltung, die unter dem sicherlich provokanten Titel "Wird die Schlüsselrolle von Handwerk und KMU unterschätzt?" steht, wartet mit Praxisberichten aus Bayern und NRW ebenso auf, wie mit einem durchaus divers besetzten Panel, das sich in der Diskussion dem Thema "Think big vs. Think small first" widmet.

Wettbewerbsfähigkeit: Handwerk und Mittelstand stärken

Etwa 130 Gäste sind gekommen. Ihnen wird sehr schnell deutlich gemacht, dass ein Zusammenhang zwischen der Wettbewerbsfähigkeit Europas und einem starken Mittelstand und Handwerk besteht. Und dass es hier dringenden Handlungsbedarf gibt. Bürokratie ist sicherlich eines der ersten Themen, die einem im Zusammenhang mit Europa und den Problemen im Mittelstand in den Sinn kommen. Gotthardt bringt es in seinem kurzen Impuls so auf den Punkt – und macht klar, woher die nötigen Impulse für eine spürbare Verbesserung kommen. "Wenn wir politische Handwerker in Europa sind und haben – dann wird Europa auch besser funktionieren." Er wünsche sich, dass "wir mit ganz viel Hirn und Menschenverstand daran arbeiten, dass Handwerk und Mittelstand in Brüssel eine Heimat haben".

Mehr als 2,1 Millionen Menschen in Bayern und NRW würden im Handwerk in rund 410.000 Betrieben arbeiten. "Unsere Betriebe sind elementar für die Grundversorgung", betont BHT-Präsident Franz Xaver Peteranderl. Sein WHKT-Kollege Berthold Schröder ergänzt: "Wir brauchen Instrumente, die es der großen Mehrheit von Betrieben in Europa ermöglichen, ihre Potenziale zu heben – und so die Wettbewerbsfähigkeit der EU nachhaltig zu steigern." In diesem Sinne stehe auch die gemeinsame Veranstaltung in Brüssel, sagt BHT-Hauptgeschäftsführer Dr. Frank Hüppers und kündigt gleichzeitig Fortsetzungen an. "Veranstaltungen wie diese sind wichtig, weil wir so auf EU-Ebene unsere Themen artikulieren können."

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Erfolgsfaktoren traditioneller Handwerksbetriebe

Aus der Praxis berichten die beiden Betriebsinhaber Claudia Wackerbauer aus Ampfing in Oberbayern und Peter Küpper aus Bonn. Beide leiten heute handwerkliche Familienunternehmen mit langer Tradition, die Wackerbauer Maschinenbau GmbH gibt es seit 1938, den SHK-Betrieb Josef Küpper Söhne GmbH bereits seit 1919. Beide berichten davon, was das Handwerk seit jeher ausmacht – Innovationen nicht nur zu überlegen, sondern auch umzusetzen, das Wohl des Unternehmens über das eigene Fortkommen zu stellen und auch einmal Wege zu gehen, die vielleicht nicht direkt im Erfolg münden, aber durch das Vorwärtsgehen großen Erkenntnisgewinn und Erfahrung bringen. Davon weiß etwa Peter Küpper zu berichten. "Wir haben uns 2021 vollständig autark mit grünem Wasserstoff aufgestellt, als wir in Meckenheim das erste Gewerbegebäude dieser Art eröffnet haben", sagt er.

Fünf Jahre später muss man einsehen, dass das Projekt gescheitert ist. "Aus technischen Gründen funktioniert die Autarkie im Alltag nicht. Aber wir waren Pioniere, haben viel gelernt, Preise bekommen und spielen als Treiber der Energiewende heute in der Champions League", sagt er. Durch den Betrieb sei mit dem Projekt ein Ruck gegangen – und man habe auch viel über Fördermittel und Bürokratie gelernt. Davon wiederum kann auch Wackerbauer ein Lied singen. "Wir arbeiten lagebedingt viel im österreichischen und italienischen Ausland, die Grenzen sind nah. Warum müssen wir in Bozen eine Arbeitssicherheitsschulung für Leitern machen? Es ist doch egal, ob man in Bozen oder Passau auf eine Leiter steigt", sagt sie. Diese Bürokratie mache die Arbeit um einiges schwerer und komplizierter, so Wackerbauer weiter.

Bürokratieabbau für Handwerk und Mittelstand

Das ist dann auch das Kernthema, mit dem man sich an die Brüsseler Politik wendet. Nicht nur Gotthardt spricht sich vehement für eine bürokratische Erleichterung aus, auch Schröder macht das deutlich. "Ein gutes Gesetz macht aus, dass es verständlich ist", sagt der WHKT-Präsident. Ebenso müsse es praxistauglich sein. Er spricht sich zudem gegen eine absolute Vereinheitlichung aller Dinge auf EU-Ebene aus. "Ein großes Plus von Europa ist doch die Vielfalt", so Schröder. Etwas alleine mit ihrer Meinung steht da MdEP Sabrina Repp, die sich dahingehend äußert, dass Regularien dafür sorgen würden, dass nichts passiere. Aber auch betont, dass eine Vereinfachung von Regularien geboten sei.

Es ist eine spannende Diskussion, die klar macht, dass Handwerk und Mittelstand bereit sind – wenn Europa sie nur lässt. Und im eigenen Interesse sollte es genau das auch machen.

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Text: / handwerksblatt.de

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