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HWK Trier | Mai 2026
Fachlich top, aber betriebswirtschaftlich unter Druck?
Die Betriebsberatung der Handwerkskammer Trier schafft Klarheit – beim kostenlosen und vertraulichen Beratungsgespräch.
Pläne oder Visualisierungen lassen sich direkt und großformatig bei Kunden präsentieren. (Foto: © artmagination/123RF.com)
Vorlesen:
Handwerk 4.0: vom Techniktrend zur Praxistauglichkeit – Mit großen Displays eröffnen faltbare Smartphones neue Möglichkeiten für die Planung, Dokumentation und Kommunikation. Doch worauf sollten Betriebe beim Kauf achten?
Mit faltbaren Smartphones (Foldables) profitieren Handwerker von zwei Geräteklassen in einem: Im geschlossenen Zustand fungieren sie als klassisches Smartphone mit vorderseitigem Display, aufgeklappt entfalten sie eine fast tabletgroße Touch-Arbeitsfläche mit über 8 Zoll.
Für Handwerksbetriebe bedeutet das eine deutliche Erweiterung der mobilen Arbeitsmöglichkeiten: Baupläne lassen sich größer darstellen, Aufmaße besser prüfen und Fotos komfortabler bearbeiten. Gerade Anwendungen wie digitale Bautagebücher, Projektmanagement-Tools oder Dokumentationssoftware profitieren vom größeren Bildschirm, da mehrere Apps gleichzeitig angezeigt werden können. Per Multitasking lassen sich so zum Beispiel E-Mails schreiben, während Pläne oder Fotos sichtbar bleiben.
Gerade diese Kombination aus Mobilität und Bildschirmgröße bietet im Arbeitsalltag einen spürbaren Mehrwert: So lassen sich komplexe Dokumentationen direkt vor Ort durchführen, ohne zusätzliche Geräte wie Tablet oder PC. Fotos von Schäden oder Baufortschritten können komfortabel bearbeitet und weitergeleitet werden. Auch die Kundenkommunikation profitiert: Pläne oder Visualisierungen lassen sich direkt und großformatig bei Kunden präsentieren.
Ein weiterer Vorteil ist die Integration von künstlicher Intelligenz: Die faltbaren Smartphones analysieren Bilder, erkennen Objekte oder unterstützen bei der Texterstellung. Auch Sprachaufnahmen lassen sich automatisch transkribieren und Notizen strukturieren. Für Handwerksbetriebe bedeutet das weniger manuelle Nacharbeit und eine effizientere Dokumentation.
Der größte Pluspunkt von Foldables ist allerdings gleichzeitig eine empfindliche Schwachstelle: das flexible Display, das sich entlang eines Scharniers falten lässt. Dieses Scharnier entscheidet über Stabilität und Langlebigkeit des Gerätes. Aktuelle Modelle wie das Samsung Galaxy Z Fold 7 oder das Google Pixel 10 Pro Fold setzen zwar auf verbesserte Mechaniken und widerstandsfähigere Materialien, trotzdem ist die Konstruktion anfällig. Es besteht immer die Gefahr, dass Staub in das Scharnier eindringt und langfristig Schäden verursacht – denn ein Schutz gegen feinen Baustellenstaub (IP6X) ist bei Foldables noch selten. Ein Wasserschutz ist hingegen oft vorhanden: Viele Geräte erreichen Schutzklassen wie IPX8 oder IPX9, was zeitweiliges Untertauchen ermöglicht.
Doch selbst beim Pixel 10 Pro Fold, einem der am besten geschützten faltbaren Geräte mit Schutzklasse IP68, gibt Hersteller Google keine dauerhafte Garantie: Die Wasser- und Staubbeständigkeit sei "kein dauerhafter Zustand" und könne im Laufe der Zeit durch normale Abnutzung und Verschleiß, Auseinanderbauen oder Schäden nachlassen oder ganz verloren gehen. Dies zeigt: Trotz aller Fortschritte sind faltbare Smartphones (noch) nicht geeignet für dauerhaft raue Umgebungen. Zudem sind die flexiblen Innendisplays systembedingt weicher als herkömmliches Glas, da sie sich biegen lassen müssen. Ein bewusster Umgang mit spitzen Werkzeugen in der Nähe des Bildschirms ist daher unerlässlich.
Deutlich besser sieht es beim Schutz sensibler Daten aus: Offiziell für den deutschen Markt verfügbare Modelle basieren auf dem Betriebssystem Android, das umfangreiche Sicherheitsfunktionen bietet. Dazu gehören verschlüsselte Datenspeicherung, biometrische Authentifizierung und regelmäßige Sicherheitsupdates.
Herausforderungen können sich allerdings bei Geräten chinesischer Hersteller ergeben, wie Oppo, Honor oder Xiaomi. Hier sollten Betriebe sicherstellen, dass die Datenverarbeitung und Cloud-Dienste den europäischen Datenschutzanforderungen entsprechen. Dabei ist entscheidend, auf lokale Datenspeicherung und datenschutzkonforme Sicherheitslösungen zu setzen. Zudem können Mobile-Device-Management-Systeme (MDM) helfen, Sicherheitsrichtlinien umzusetzen und die Geräte zu kontrollieren.
Die Entscheidung für ein faltbares Smartphone hängt stark vom Einsatzzweck ab. Als robuster Begleiter für harte Baustellenbedingungen eignen sich die Foldables aufgrund geringerer Schutzklassen noch nicht. Wer hingegen in staubfreieren Umgebungen regelmäßig Pläne und Präsentationen zeigt, Fotos und Dokumente bearbeitet oder mehrere Anwendungen parallel nutzt, profitiert besonders. Dabei sollten Betriebe abwägen, ob mögliche Mehrwerte den hohen Anschaffungspreis rechtfertigen.
Checkliste – Das optimale faltbare Smartphone für den BetriebEinsatzzweck & Nutzen
– Welche Aufgaben sollen mit dem Gerät erledigt werden (z. B. Dokumentation, Planung, Kommunikation, Aufmaß)?
– Ersetzt oder ergänzt das Foldable bestehende Geräte?
– Wie häufig wird im aufgeklappten Modus gearbeitet?
Display & Bedienbarkeit
– Reicht die Displaygröße im aufgeklappten Zustand für Baupläne oder Skizzen?
– Ist die Helligkeit ausreichend für Arbeiten im Freien?
– Ist die Falz (Knickstelle) im Alltag störend oder akzeptabel?
Robustheit & Baustellentauglichkeit
– Gibt es eine offizielle IP-Zertifizierung gegen Staub oder Wasser?
– Wie empfindlich ist das flexible Display gegenüber Schmutz oder Druck?
– Ist eine geeignete Schutzhülle verfügbar?
Kamera & Dokumentation
– Eignet sich die Kamera für Schadensdokumentation und Baustellenfotos?
– Ist die Qualität auch bei schlechten Lichtverhältnissen ausreichend?
Software & Kompatibilität
– Laufen branchentypische Apps stabil und optimiert auf dem großen Display?
– Wie viele Jahre gibt es Software- und Sicherheitsupdates?
Akkulaufzeit & Energie
– Reicht die Akkulaufzeit für einen gesamten Arbeitstag?
– Wie schnell lädt das Gerät im Notfall?
– Gibt es Optionen für kabelloses Laden?
– Wie stark wirkt sich intensives Multitasking auf den Akku aus?
Mobilität & Ergonomie
– Ist das Gerät im zusammengeklappten Zustand handlich genug?
– Passt es problemlos in Arbeitskleidung oder Werkzeugtaschen?
– Wie schwer ist das Gerät im Vergleich zu klassischen Smartphones?
– Ist die Einhandbedienung im Alltag möglich?
– Können E-Mails, Pläne und Fotos gleichzeitig angezeigt werden (Multitasking)?
Kosten & Wirtschaftlichkeit
– Steht der Kaufpreis im Verhältnis zum praktischen Mehrwert?
– Lassen sich durch das Gerät andere Hardware-Anschaffungen einsparen?
– Wie hoch sind Reparatur- und Versicherungskosten?
– Gibt es einen langfristigen Herstellersupport?
– Lohnt sich der Kauf jetzt? Oder ist es besser, auf die nächste Gerätegeneration zu warten (bessere Technik, längere Akkulaufzeiten, niedrigere Kosten)?
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