Die Digitalisierung hat sich als Krisenhelfer bewährt. Gleichzeitig hat der Lockdown aber auch schonungslos ausgeleuchtet, wo noch Nahholbedarf besteht.

Die Digitalisierung hat sich als Krisenhelfer bewährt. Gleichzeitig hat der Lockdown aber auch schonungslos ausgeleuchtet, wo noch Nahholbedarf besteht. (Foto: © everythingpossible/123RF.com)

Auf dem Weg zur digitalen Normalität

Politik

Mit dem Programm 'Mittelstand Innovativ & Digital“ will die NRW-Landesregierung KMU unterstützen, die eigenen Produkte, Dienstleistungen und Produktionsverfahren weiter- oder neu zu entwickeln.

Gerade in Zeiten, in denen uns die Gegenwart durch Umbrüche herausfordert, wie wir es momentan durch die Corona-Pandemie erleben, wird die Stärkung unternehmerischer Widerstandskräfte und damit eine klare Zukunftsorientierung wichtig. Die pandemiebedingte Krise hat den Blick wie durch ein Brennglas auf Stärken und Schwächen des Ist-Zustands gerichtet. Insbesondere die Digitalisierung hat sich als Krisenhelfer bewährt. Gleichzeitig hat der Lockdown aber auch schonungslos ausgeleuchtet, wo noch Nahholbedarf besteht.

Für die Unternehmen ist der eigene Digitalisierungsgrad als entscheidender Faktor deutlich geworden. Unternehmen, deren Digitalisierungsgrad bereits hoch ist, sind besser durch die erste Phase der Krise gekommen. Es ist zu erwarten, dass sie sich auch besser davon erholen werden. Den Schub, den digitale Verfahren während des Lockdowns bekommen haben, gilt es, auf eine dauerhafte Beschleunigungsspur zu überführen. Denn wie genau die "neue Normalität" aussehen wird, in jedem Fall wird sie digital(er) sein. Als Landesregierung wollen wir Unternehmen unterstützen, Potenziale zu erkennen und Strategien zu entwerfen, um bei der Digitalisierung aufzuholen und voranzugehen.

Nachholbedarf im Handwerk

Andreas Pinkwart Foto: © MWIDE NRW/E. LichtenscheidAndreas Pinkwart Foto: © MWIDE NRW/E. Lichtenscheid

Zum offengelegten Nachholbedarf gehört auch der Digitalisierungsgrad im Handwerk. Interne Prozesse wie die Vermarktung und der Vertrieb werden teilweise noch nicht digital gesteuert, analoge Geschäftsmodelle können so nicht flexibel an sich ändernde Kundenbedürfnisse angepasst werden. Nachholbedarf besteht auch dort, wo mittelständische Unternehmen Opfer ihres Erfolgs zu werden drohen: Aufgrund der guten Wirtschaftslage in den letzten Jahren waren viele mittelständische Unternehmen mit dem Alltagsgeschäft ausgelastet. Insbesondere kleinen Unternehmen fehlten häufig Zeit und Ressourcen, um sich umfassend digital aufzustellen.

Ungenutzte digitale Potenziale bergen zunehmend die Gefahr von Wettbewerbsnachteilen. Um kleine und mittlere Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen gezielt in ihrer Innovations- und Digitalisierungskraft zu unterstützen, startete Anfang Juni das Programm Mittelstand Innovativ & Digital (MID). Insgesamt stehen dafür 11,8 Millionen Euro Landesmittel zur Verfügung.

Eigene Produkte und Dienstleistungen entwickeln

Infos und AntragstellungWeiterführende Informationen, auch zur Antragstellung finden Sie hier: mittelstand-innovativ-digital.nrwDer Fokus des Programms richtet sich darauf, die eigenen Produkte, Dienstleistungen und Produktionsverfahren innovativ und intelligent weiter- oder neu zu entwickeln. Das Programm umfasst zwei Bereiche: Mit der Gutscheinförderung MID-Digitalisierung, MID-Analyse und MID-Innovation ermöglicht es den Unternehmen, externe Unterstützung für speziell zugeschnittene Beratungs-, Entwicklungs- und Umsetzungsdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Mit dem/der MID-Assistent/in kann ein konkreter Wissenstransfer von Hochschulen in den Betrieb hinein vollzogen und zugleich eine neue Fachkraft eingestellt werden.

Eine sinnvolle Ergänzung für den Mittelstand bietet das im September gestartete Bundesprogramm "Digital Jetzt", das Investitionen in digitale Technologien (insbesondere Hard- und Software) sowie in die Qualifizierung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unterstützt. Digitalkompetenz, die genutzt werden kann, findet sich zudem bei den Digital Hubs in Nordrhein-Westfalen. Neben den fünf DWNRW-Hubs in Aachen, Bonn, Düsseldorf sowie im Münsterland und dem Ruhrgebiet stehen beispielsweise die Founders Foundation in Bielefeld, die garage33 in Paderborn, startport in Duisburg, Startplatz und das InsurLab in Köln sowie der Logistics-Hub in Dortmund als Ansprech- und Netzwerkpartner zur Verfügung. Die Hubs bieten Unterstützungsmöglichkeiten für die Digitalisierung und Optimierung von Geschäftsmodellen und schaffen einen Zugang ins Start-up-Ökosystem, zum Beispiel über die gemeinsame Plattform startups.nrw.

Unternehmerisches Potenzial steigern

Mit diesen Programmen helfen wir kleinen und mittleren Unternehmen dabei, ihr digitales und damit insgesamt ihr unternehmerisches Potenzial zu steigern und sie für die hoffentlich durch weniger Krise und mehr Aufschwung geprägte, in jedem Fall aber digitale Zukunft zu stärken.

Der Autor ist Wirtschafts- und Digitalminister des Landes NRW.

Text: / handwerksblatt.de

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