Zwischen Kelberg in Rheinland-Pfalz und Blankenheim in Nordrhein-Westfalen klafft eine 25 Kilometer lange Lücke in der Bundesautobahn 1.

Zwischen Kelberg in Rheinland-Pfalz und Blankenheim in Nordrhein-Westfalen klafft eine 25 Kilometer lange Lücke in der Bundesautobahn 1. (Foto: © Aleksandrs Tihonovs/123RF.com)

Vergessenes Großprojekt zwischen Saarbrücken und Köln

Politik

Die Handwerkskammer Trier mahnt, den A1-Lückenschluss nicht aus den Augen zu verlieren. Sie fordert die Landesregierung auf, jetzt einen konkreten Zeitplan vorzulegen.

Wenn man über die großen, zukunftsträchtigen Verkehrsprojekte im Land spricht, dominiert in den vergangenen Jahren meist die vom Handwerk sehnlich erhoffte Mittelrheinbrücke die Diskussion. Es gibt im nördlichen Rheinland-Pfalz aber noch ein weiteres verkehrspolitisches Großprojekt, das zwar seit Jahrzehnten in der Pipeline steckt, das aber doch immer wieder in Vergessenheit zu geraten scheint. Zwischen Kelberg in Rheinland-Pfalz und Blankenheim in Nordrhein-Westfalen klafft eine 25 Kilometer lange Lücke in der Bundesautobahn 1 (A1), die nicht nur dem Transitverkehr von der Ostsee nach Frankreich zu schaffen macht, sondern die auch das regionale Handwerk lähmt und die Betriebe Geld und Zeit kostet.

"Ohne leistungsfähige und moderne Infrastruktur kann das Handwerk nicht erfolgreich arbeiten. Gerade im eher ländlich geprägten Rheinland-Pfalz trägt die Straße die Hauptlast des Verkehrs. Mit der unterbrochenen A1 besteht schon viel zu lange eine gravierende Lücke, die endlich zügig geschlossen werden muss. Dafür brauchen wir jetzt einen gleichermaßen konkreten wie transparenten Zeitplan", fordert Dr. Matthias Schwalbach, Geschäftsführer und Chef-Volkswirt bei der Handwerkskammer Trier.

"Lückenschluss hätte viele Vorteile"

Schwalbach macht aus seinem Frust keinen Hehl. "Seit Jahren, im Grunde seit Jahrzehnten, bohren wir dicke Bretter für den Lückenschluss. Im Interesse unserer Betriebe machen wir uns bei jedem passenden Anlass dafür stark. In jedem Strategiepapier, in den Medien immer wieder und vor allem in unseren Gesprächen mit der Landesregierung treiben wir das Projekt voran." Der Lückenschluss in der Eifel hätte aus Sicht der Handwerkskammer viele Vorteile: Die Menschen wären überregional mobiler, der Güteraustausch würde "runder laufen" und mehr Unternehmen würden sich entlang der neuen Strecke niederlassen, hofft man.

Um die Lücke zu schließen, bauche es den gemeinsamen Willen der Landesregierungen in Mainz und Düsseldorf. Aber ob der tatsächlich vorhanden ist, darf nach all den Jahren getrost hinterfragt werden. "Wenn die Regierungen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz aufgrund unterschiedlicher politischer Einstellungen an gegenüberliegenden Strängen ziehen, so ist das eher ein Tauziehen. Politische Unstimmigkeiten, auch innerhalb von Landesregierungen, sind nicht hilfreich, um das Projekt erfolgreich auf den Weg zu bringen und abzuschließen", so Schwalbach.

Handwerker könnten Zeit sparen

Wie auch die Mittelrheinbrücke könnte der A1-Lückenschluss dem Handwerk in der Region neue Märkte eröffnen. Für ein Handwerksunternehmen aus Wittlich sei ein Auftrag in Köln derzeit wenig interessant, nennt Schwalbach ein Beispiel. Wer derzeit von Kelberg nach Blankenheim über Landes- und Bundesstraßen unterwegs ist, benötigt je nach Verkehrslage 40 bis 50 Minuten Fahrtzeit für den Abschnitt. Ein Handwerker aus Rheinland-Pfalz könnte mit dem Lückenschluss am Tag zirka 45 Minuten Fahrtzeit einsparen, wenn er seine Mitarbeiter ins Rheinland entsendet, glaubt Schwalbach.

In der Woche wären das fast vier Stunden. Die Umsetzung des Projekts würde also nicht nur dem Baugewerbe neue Perspektiven erschließen. "Auch für andere Handwerksbetriebe wären Geschäfte im Raum Köln/Bonn aufgrund kürzerer Wege erstmals attraktiv. Etwa für das Lebensmittelhandwerk, größere Fleischereien und Bäckereien oder auch für Kunsthandwerker, die ihre Produkte auf überregionalen Märkten verkaufen wollen."

Verkehrslärm und erhöhte Abgaswerte

Mit Blick auf den Umweltaspekt – die Trasse würde insgesamt sechs Schutzgebiete betreffen – erinnert Matthias Schwalbach daran, dass die Strecke auch heute bereits über Landes- und Bundesstraßen und durch Ortschaften befahren wird. Das führe zu Verkehrslärm und erhöhten Abgaswerten in den betroffenen Ortschaften. "Dieser Durchgangsverkehr schränkt die Lebensqualität der Bewohner stark ein", so Schwalbach.

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Text: / handwerksblatt.de

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