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Direktversicherung unter die Lupe genommen

Wer muss bei einer Direktversicherung zahlen, und wie viel? Wir haben die wichtigsten Fakten, Gerichtsurteile und eine Beispielrechnung für Sie zusammengestellt!

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Direktversicherung: zweimal abkassiert!
Foto: © Andrey Popov/123RF.com
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Die Verunsicherung bei Verbrauchern ist groß: Lohnt sich eine Direktversicherung als Altersvorsorge überhaupt noch? Wie hoch sind die Sozialbeiträge, die man bei Auszahlung aufbringen muss? Wie stehen die Chancen vor Gericht? Hier die Fakten:

Wen betrifft es?
Die Interessengemeinschaft Geschädigte Direktversicherte (GMG) geht davon aus, dass etwa acht Millionen Verbraucher einen Direktversicherungsvertrag abgeschlossen haben.

Wer muss zahlen?
Wer beitragspflichtig oder freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) versichert ist, muss für seine Rentenleistungen und Kapitalabfindungen aus der betrieblichen Altersversorgung (bAV) den vollen Beitragssatz (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) für Kranken- und Pflegeversicherung zahlen. Das gilt auch für Verbraucher, die ihre Verträge vor Inkrafttreten des GKV-Modernisierungsgesetzes am 1. Januar 2004 abgeschlossen haben.

Wie viel?
Die Beitragshöhe ergibt sich aus dem vollen allgemeinen Beitragssatz zur GKV und dem zur sozialen Pflegeversicherung. Für 2015 sind das zur Krankenversicherung 14,6 Prozent und zur Pflegeversicherung 2,35 Prozent, für Kinderlose 2,6 Prozent. Insgesamt also 16,95 Prozent oder 17,2 Prozent, wenn man kinderlos ist. Bei einer monatlichen Rente von 250 Euro ergäbe das beispielsweise 42,38 Euro an Beiträgen. Erfolgt die Auszahlung nicht in Form einer monatlichen Rente, sondern als Kapitalabfindung, wird die Summe auf zehn Jahre oder 120 Monate verteilt und ein monatlicher Beitrag von 1/120 festgelegt. Bei einer Kapitalleistung von 60.000 Euro würde diese Summe durch 120 geteilt, was 500 Euro ergibt. Das Ergebnis dient als Bemessungsgrundlage für die monatlichen Beiträge. Bei einer vorausgesetzten monatlichen Rente von 500 Euro, fielen pro Monat ein GKV-Beitrag von 73 Euro an sowie ein Pflege-Beitrag von 11,75 Euro, insgesamt also 84,75 Euro im Monat. Nach Ablauf der zehn Jahre sind keine Beiträge mehr fällig, während bei einer Rente unbegrenzt gezahlt werden muss. Bei der vorliegenden Rechnung wurde der Zusatzbeitrag, der von einigen Krankenkassen erhoben wird, nicht berücksichtigt. Er liegt 2015 zwischen 0,9 und 1,3 Prozent – je nach Kasse – und muss noch hinzugerechnet werden.

Wer zahlt nicht?
Liegen die Einkünfte aus Rente und selbstständiger Arbeit unter 141,75 Euro im Monat, müssen keine Beiträge bezahlt werden, bei der Kapitalleistung sind es 17.010 Euro. Auch wer den Arbeitgeber gewechselt und den Vertrag unter eigenem Namen weitergeführt hat, wird für den Zeitraum, den er selbst übernommen hat, nicht zur Kasse gebeten. Gar nicht zahlen muss, wer privat krankenversichert ist.

Was sagen die Gerichte zur ­Rückwirkung?
In mehreren Fällen hat das Bundes­sozialgericht für rechtens erklärt, dass die mit dem GKV-­Modernisierungsgesetz (GMG) eingeführte ­Beitragspflicht für Kapitalleistungen auch für Verträge gilt, die vor ­Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Januar 2004 abgeschlossen wurden. (BSG-Urteil vom 13. September 2006 Az.: B 12 KR 106 R-1100584; BSG-Urteile vom 25. April 2007 Az.: B 12 KR/05 und Az.: B 12 KR 26/05)

Was sagen die Gerichte zur privat fortgeführten Direktversicherung?
Am 28. September 2010 hat das Bundesverfassungsgericht (1 BvR 1660/08) entschieden, dass ein Arbeitnehmer, der den Arbeitsplatz wechselt und seine Direktversicherung privat fortführt, für den von ihm finanzierten Anteil der Kapitalleistung keine Beiträge zahlen muss. Allerdings nur, wenn er sich bei Übernahme des Vertrags als Versicherungsnehmer eintragen lässt. Nur freiwillig Versicherte werden weiterhin zur Kasse gebeten (Az.: L 5 KR 65/13, L 5 KR 5/13), allerdings gilt für sie für den von ihnen finanzierten Anteil der ermäßigte Beitragssatz. 2015 beträgt der 14 Prozent. Aber auch hier gibt es wieder eine Ausnahme: Ehemals freiwillig Versicherte, die als Rentner Pflichtversicherte in der Krankenversicherung der Rentner sind, müssen nicht zahlen, weil sie wie gesetzlich Versicherte behandelt werden.

Foto: © Andrey Popov/123RF.com

Text: Melanie Dorda
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Leserkommentare

23.01.2017 06:24:38 Uhr
Edgar Krieger

Direktversicherung, Hinweis Kommentar

Herr brändle, siehe unter www.dvg-ev.org/
erhaltemn sie Info und Ansprechpartner, auch wegen Anmeldung im Verein.
Edgar Krieger
DVG Mitglied

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22.01.2017 01:48:32 Uhr
Brändle Ludwig

Direktversicherung abgeschlossen 1991

Ich habe alle Kommentare gelesen, jedoch nicht klären können, ob die KV Beiträge bei jeder Veränderung angepasst werden dürfen. Für mich wäre logisch, dass ich in 120 gleich hohen Beträgen an die KV abtreten muss und die KV bei den eh Geschädigten auch noch jährlich ihren Beitrag anpassen dürfen.
Zudem wäre doch zu klären, ob Beiträge bis zur Veränderung 2004 beitragsfrei sind.
Kann man eigentlich noch klagen, oder ist das alles zwecklos und muss auf politische Veränderungen warten. Außer der Linken gibt es derzeit keine Partei, die sich um dieses Thema kümmert.
Gerne würde ich eine Antwort zu meinen Fragen erhalten und evtl. dem Verein beitreten.

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11.01.2017 10:59:22 Uhr
Dr. Schwerdtner, W-J

Direktversicherung

Es hat sich Frau Christine Domokos über die Erhöhung der Abzocke durch die Beitragserhöhungen beschwert. Sie hat vollkommen Recht.
Es kommt aber noch schlimmer. Wenn sie stirbt, hoffentlich nicht so bald, dann zahlt ihr Mann solange für ihre Behandlungskosten im Grab, bis die 10 JAhre abgedrückt sind. Perverser geht es gar nicht. Bitte die ZDFZoom-Sendung zum Rentendebakel ansehen, dann weiß man, welches intellektuelle Niveau unsere Politiker haben.
Mit freundlichen Grüßen Dr. Wolf-Jürgen Schwerdtner

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01.11.2016 09:55:01 Uhr
Günter Held

Beitragspflicht für Direktversicherung

Wer hat festgelegt, dass der Auszahlungsbetrag einer Direktversicherung auf 120 Monate verteilt wird und dieser Betrag dann als Grundlage für die Beitragsberechnung hergenommen wird. Der Auszahlungsbetrag könnte doch beispielsweise auch auf 240 Monate verteilt werden.

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29.06.2016 10:14:37 Uhr
Elke Görtz

Beitragszahlung Direktversicherung bei Privatinsolvenz

zitiere Jürgen Böning:

Ich habe 1978 eine Direktversicherung abgeschlossen. 2011 kam sie zur Auszahlung.
Seit 2011 zahle ich jetzt weit über 100 Euro mtl. An die Krankenkasse zurück.
Im Jahr 2013 bin ich in die Privatinsolvenz gefallen. Trotzdem muß ich weiterhin zahlen obwohl alle anderen Schulden in meiner Insolvenz erfaßt sind.
Mich würde schon interessieren, ob ich verpflichtet bin, weiterhin zu zahlen.


Die Krankenkassen werden freiwillig nicht auf einen weiteren Beitrag verzichten. Sie verlangen generell die Zahlung bis 10 Jahre, auch wenn die ausgezahlte Summe z. B. für die Tilgung eines Darlehens genommen wurde, auch Erben zahlen müssen die Restsumme bis 10 Jahren als Einmalbeitrag zahlen! Da man keinen Rechtsanwalt benötigt, um beim Sozialgericht zu klagen, und dies auch nicht mit Kosten verbunden ist, wäre der 1. Schritt Widerspruch bei der Krankenkasse einlegen, wenn nicht schon erfolgt, und deren Antwort als Grundlage für eine Klage beim zuständigen Sozialgericht einreichen. Auf keinen Fall sollte man sich dies seitens der Krankenkasse gefallen lassen. Verlieren können Sie nicht noch mehr, sondern nur gewinnen!

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29.06.2016 08:58:32 Uhr
Jürgen Böning

Direktversicherung

Ich habe 1978 eine Direktversicherung abgeschlossen. 2011 kam sie zur Auszahlung.
Seit 2011 zahle ich jetzt weit über 100 Euro mtl. An die Krankenkasse zurück.
Im Jahr 2013 bin ich in die Privatinsolvenz gefallen. Trotzdem muß ich weiterhin zahlen obwohl alle anderen Schulden in meiner Insolvenz erfaßt sind.
Mich würde schon interessieren, ob ich verpflichtet bin, weiterhin zu zahlen.

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17.06.2016 11:26:04 Uhr
Klaus Reischmann

Direktversicherung

Auch ich bin ein Betroffener und aus allen Wolken gefallen, als ich erfuhr, bei Auszahlung der Direktversicherung nochmals Krankenkassenbeiträge abführen zu müssen. Ich kanns einfach nicht fassen, dass dies in unserem Land möglich ist. Den braven Bürger, der die Notwendigkeit einer zusätzlichen Altersvorsorge ernst nimmt und eine Direktversicherung abschließt, so arglistig zu täuschen ist eine Riesenschweinerei.
Wenn die SPD jetzt das Thema Gerechtigkeit pünktlich zur Wahl wieder auf ihre Fahnen schreibt, empfinde ich dies als bitteren Hohn. Gerechtigkeit war mal das Ur-Thema dieser Partei. Warum ist sie bzgl. dieses Skandals nicht längst aktiv geworden? Staune vor so viel Ignoranz und auch Arroganz! Aber auch Gerichte sind keine Wächter für den kleinen Mann/Frau. Und dies stimmt mich noch trauriger und macht wütend!

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05.06.2016 12:47:38 Uhr
Else Uterhardt

Direktversicherung §40

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich finde es grundweg eine Unverschämtheit von unserer Regierung und unseren Rechtsvertretern, was die mit dem einfachen Volk machen. Die sollten mal überlegen wer die Steuern zahlt, die diese so einfach verteilen. Erst macht man die Arbeitnehmer für die Altersversorgung selbstverpflichtend und dann nimmt man Ihnen wieder alles weg. Meine Meinung ist: Wenn schon Steuern vom Auszahlungsbetrag genommen werden, dann aber nur von dem Gewinnanteil, den von der monatlichen Zahlung (Entgeltumwandlung) ist bei den meisten auch bereits die pauschale Steuer vom Arbeitnehmer bezahlt worden.
Genauso sollte es mit der Sozialversicherung sein: Denn wenn ein Arbeitnehmer die Entgeltumwandlung vom laufenden Bezug bezahlt hat, hat er hier bereits KV / PV / RV und ALV Beiträge geleistet. Nur wenn die Entgeltumwandlung vom EZ Bezug gezahlt wurde, ist diese bis zur Höhe des EZ Bezuges steuer und sozialversicherungsfrei und dann könnte ich die nachgelagerte Steuer und Sozialversicherung noch hinnehmen. Jede Versicherung weiß, wann der Beitragseingang ist und kann somit nachvollziehen ob es monatlich vom lfd. Geld oder vom EZ Bezug bezahlt wurde. Das gleiche ist auch die Versteuerung der Rente. Jeder der Rentenbeiträge leistet kann sich (auch die BFA hat hier die Zeiten vor 2006 und nach 2006) ausrechnen über einen Dreisatz was an Steuerbelastung auf ihn zukommt. 50% Arbeitergeberanteil würde ich noch hinnehmen, aber die restlichen % sollten nicht einfach einheitlich sein, sondern richtig berechnet werden: Wieviele Jahre einbezahlt und wieviele hiervon ohne Steuerberücksichtigung (2006) dann wäre es gerecht und viele würden nicht so einen hohen Steueranteil von der Rente zahlen müssen.
Die Richter sind Beamte und haben natürlich dafür gestimmt 100% Steuern, nur die haben nie in die Rente einbezahlt. Unverschämtheit. Das Volk ist immer der in den Arsch getretene. Darum ist in Deutschland Frust auf den Staat.

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31.01.2016 08:21:36 Uhr
Lauxtermann,Helmut

Pensionsdirektversicherung

da wird uns diese Versicherung angepriesen um Vorsorge im Alter anzulegen mit dem Hinweis dass keine Steuern und Sozialversicherung zu zahlen sind.Diese Aussage mit schriftlicher Bestätigung des VGH Treuhänders entpuppte sich als Trugschluss. Wenige Jahre später wurde das Gesetz geändert und Steuern und Sozialvers.Beiträge müssen zurückgezahlt werden.Welch ein Betrug !Wo bleibt die Verläßlichkeit,dies ist Bauernfängerei und politischer Irrsinn.Hätte ich das Geld bloß angelegt.So wird man von der Politik betrogen.

Helmut Lauxtermann

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08.01.2016 10:26:44 Uhr
Elke Görtz

Das GKV-Modernisierungsgesetz widerspricht unserem Grundgesetz, da nicht alle Arbeitnehmer den zwangsweise auferlegten Beitrag zahlen müssen. Das Bundessozialgericht hat festgeschrieben, dass eine Direktversicherung als Altersvorsorge gesehen werden kann, wenn sie nach dem 60. Lebensjahr ausgezahlt wird! Ich habe meine im Jahre 1992 abgeschlossen und vor meinem 60. Lebensjahr ausgezahlt bekommen, bin noch berufstätig und pflichtversichert, muss aber zahlen, dankenswerterweise hat die Krankenkasse darauf hingewiesen, dass ich den Zusatzbeitrag ja steuerlich absetzen kann! Wo bleibt da die Rechtsprechung? Habe zwei Prozesse verloren. Fazit: Nur keine Altersvorsorge abschließen, da man nicht weiß, was man von seinem Geld später noch erhält.

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