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Geschädigte gründen Verein

Auf handwerksblatt.de treffen täglich wütende Kommentare der Betroffenen ein, jetzt haben die Betroffenen einen eigenen Verein der Direktversicherungsgeschädigten gegründet. 

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Direktversicherung: zweimal abkassiert!
Direktversicherung: Geschädigte gründen Verein
Foto: © grinvalds/123RF.com

So wollen sie ihre Interessen gegenüber den politischen Parteien und Sozialgerichten besser vertreten. Rund sechseinhalb Millionen Arbeitnehmer fühlen sich von der Politik getäuscht und um Teile ihrer Altersvorsorge betrogen. In Hofheim am Taunus gründeten nun mehr als vierzig dieser Betroffenen den Verein "Direktversicherungsgeschädigte e.V.". Zuvor waren sie in einer eher losen Interessengemeinschaft organisiert, die aufgrund der vielen hundert Neuzugänge in diesem Jahr auf über 750 Mitglieder angewachsen war und damit an ihre Grenzen gestoßen sei.
Zum Vorsitzenden des siebenköpfigen Vorstands wurde Gerhard Kieseheuer gewählt. In den vier Arbeitsgemeinschaften "Altersvorsorge", "Politik", "Klagen" sowie "Presse- und Medienarbeit" will der Verein zukünftig seine Kräfte bündeln und verstärkt Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Der Verein betreibt unter der Adresse www.dvg-ev.org eine eigene Website und informiert dort über Neuigkeiten und geplante Aktionen.

"Höchst fragwürdiges Gesetz"
"Sechseinhalb Millionen Direktversicherte potenzieren sich über Familienangehörige, Verwandte und Bekannte zu einem riesigen Wählerpotenzial. Wir wollen mit unseren Aktionen und Aktivitäten diese Menschen erreichen und mit ihnen zusammen für ihr Recht kämpfen", erklärte Vorstandsvorsitzender Kieseheuer: "Es kann nicht sein, dass die Politik durch ein höchst fragwürdiges Gesetz das Vertrauen in die betriebliche Altersvorsorge zerstört, nur um Engpässe in den Sozialversicherungskassen zu stopfen, die den Versicherten seit 2004 jedes Jahr rund 2,5 Milliarden Euro kosten."

Gleichzeitig würden Politiker aller Parteien nicht müde, die Menschen aufzufordern, fürs Alter vorzusorgen. Diesen Widerspruch verstünden viele nicht mehr, so Kieseheuer, denn angesichts sinkender Altersrenten würden zunehmend mehr Rentner im Alter vor großen finanziellen Herausforderungen stehen.

Hintergrund
"Zur Kasse, bitte": Unter dieser Überschrift schreibt das Deutsche Handwerksblatt vor drei Ausgaben erneut über den Ärger, der um das Thema Direktversicherung tobt. Die Reaktion ist überwältigend: Eine Welle von Leserkommentaren ergießt sich auf handwerksblatt.de, die meisten Schreiber haben eines gemeinsam: eine große Wut über das Unrecht, das ihnen widerfahren ist. Denn wer eine Direktversicherung zur Altersvorsorge abgeschlossen hat, muss bei der Ausschüttung Sozialbeiträge zahlen – Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil. Von der einst vereinbarten Auszahlungssumme bleibt so wenig übrig. Das entsprechende Gesetz trat 2004 in Kraft, zahlen müssen aber auch alle, die vor 2004 ihren Vertrag abgeschlossen haben. Sie haben dadurch teils Tausende von Euro verloren und sie machen ihrem Zorn darüber im Internet Luft. Da ist von "kalter Enteignung" die Rede, von einer "Sauerei", "Abzocke" und "Betrug". Kein zweites Thema wird derart häufig auf handwerksblatt.de angeklickt oder ist mit mehreren Hundert Kommentaren versehen.

In einer E-Mail bedankt sich Leser Egbert Lohrmann für die Berichterstattung, die der Interessengemeinschaft der Geschädigten wirklich geholfen habe: "Wir konnten den ignoranten Politikern die zahlreichen Kommentare Betroffener vielfach weiterleiten." An die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und ihren Nachfolger Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) schreibt er: "Das Handwerksblatt wird von hart arbeitenden Bürgern gelesen und die Erfahrungen, die Altgesellen an ihre Azubis und jungen Kollegen weitergeben, werden beachtet." Lohrmann geht noch weiter: Er hat jetzt Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Dortmund gestellt.   ulo

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Leserkommentare

19.02.2017 12:11:11 Uhr
Volker Spranger

Richter sind eben auch Beamte

Das Richter solche Urteile fällen ist doch klar. Diese betrifft es nun einmal nicht. Sie sind Beamte und auch dort einmal wieder fein raus. Beamte schreiben diese Gesetze und so lange es sie nicht selbst betrifft ist ihnen der Vertrauensschutz völlig egal. Für den Werte schaffenden Steuersklaven, aber besonders für den freiwillig Versicherten, wird das Recht nach Gutsherrenart gebogen.
Also Leute, wählt weiter die etablierten Parteien und ihr werdet weiter geschröpft, besonders nach der Bundestagswahl 2017!

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04.01.2017 08:50:08 Uhr
Werner Bürgel

Direkte Einbussen 10 Jahre direkt = Direktversicherung abgeschlossen 1990

Hallo zusammen,
ein weiterer enttäuschter mit finanziellen Auswirkungen die sehr spürbar sind.
Da spart man ca. 25 Jahre, es kommt zur Auszahlung und bürokratisch innerhalb von 2 Wochen funktioniert die Mitteilung ...Sie müssen 1/200 usw. sprich 94,- jetzt für 10 Jahre monatlich zahlen. Es ist unabhängig von der Gesetzesänderung einfach zu hoch und ich jedenfalls verstehe solche Machenschaften egal welche Partei nicht. Für mich ein Beweis für Auswege den Bürgern was aufzulasten wenn's Probleme ins Minus gibt - ansonsten nicht.
Habe seit 6 Jahren Sohn mit hohem Querschnitt, keine Rente, kein Einkommen, Selbst Beruf dadurch aufgeben müssen wegen Pflege und Betreuung, dann letztes Jahr Frau Chemo usw.
Ich freue mich wenn alles in 100 Jahren vorbei ist, so vieles ist unwichtig und unnütz für immer wieder immer Vordergrundstehende Geldthemen.

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14.12.2016 09:03:43 Uhr
Die Redaktion

Ihr Kommentar: "GMG!"

zitiere Kirsch:

Habe in 2009 meine Altersteilzeit unterschrieben, von einem GMGesetz hatte ich da noch nichts gehört. 2014 bekam ich eine erste Rate von meinem persönlichen Vorsorgekapital (PVK wird wie eine Direktversicherung angespart) und prombt eine Rechnung von meiner Krankenkasse über zu zahlende Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
Habe mich dann im Internet über dieses GMGesetz informiert und kann es nicht glauben.
Da wurden bestehende Verträge im Nachhinein , zum Nachteil der Versicherten, geändert.
In der Griechenlandkrise stellte die Bundeskanzlerin fest, das bestehende Verträge unbedingt ein zu halten sind. Warum gilt das nicht für den Deutschen Arbeitnehmer? Was ist das für ein Rechtsstaat und wer spricht hier noch von Demokratie. Ein CSU-Seehofer spricht von einem Unrechtsstaat in dem wir leben, er und Ulla Schmidt haben ihn erschaffen.


Sehr geehrte Frau Kirsch,

vielen Dank für Ihren Kommentar!

Mit freundlichen Grüßen,
Ihre Redaktion handwerksblatt.de

Unsere Redaktion können Sie auch per Telefon oder E-Mail erreichen: www.handwerksblatt.de/kontakt.html

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09.11.2016 04:10:46 Uhr
Kirsch

GMG !

Habe in 2009 meine Altersteilzeit unterschrieben, von einem GMGesetz hatte ich da noch nichts gehört. 2014 bekam ich eine erste Rate von meinem persönlichen Vorsorgekapital (PVK wird wie eine Direktversicherung angespart) und prombt eine Rechnung von meiner Krankenkasse über zu zahlende Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
Habe mich dann im Internet über dieses GMGesetz informiert und kann es nicht glauben.
Da wurden bestehende Verträge im Nachhinein , zum Nachteil der Versicherten, geändert.
In der Griechenlandkrise stellte die Bundeskanzlerin fest, das bestehende Verträge unbedingt ein zu halten sind. Warum gilt das nicht für den Deutschen Arbeitnehmer? Was ist das für ein Rechtsstaat und wer spricht hier noch von Demokratie. Ein CSU-Seehofer spricht von einem Unrechtsstaat in dem wir leben, er und Ulla Schmidt haben ihn erschaffen.

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22.05.2016 11:07:05 Uhr
Elfriede Strobel

Direktversicherung

zitiere Elfriede Strobel:

Auch ich bin von dieser Regelung betroffen. Ich dachte mich trifft der Schlag als das Schreiben der Krankenkasse kam. 1 Jahre lang Monat für Monat. Wie kann man dich diesem Verein anschließen und unterstützen Denn gegeben diese Sauerei muß man sich wehren.

Sorry muß heißen 10 Jahre lang.....

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22.05.2016 11:05:55 Uhr
Elfriede Strobel

Direktversicherung

Auch ich bin von dieser Regelung betroffen. Ich dachte mich trifft der Schlag als das Schreiben der Krankenkasse kam. 1 Jahre lang Monat für Monat. Wie kann man dich diesem Verein anschließen und unterstützen Denn gegeben diese Sauerei muß man sich wehren.

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24.01.2016 05:51:36 Uhr
Peter Lummerich

gerade letzten Beitrag überwiesen

Guten Tag, gerade habe ich den letzten Beitrag bezahlt-10 J. Monat für Monat-nicht richtig wissend wofür!!Habe eine schriftlich. Bestätigung der Dak das die Zahlung per 31.12.15 endet - da kommt,man ahnt nichts Schlechtes ein Schreiben der Dak -"sie müssen weitere 6 Mon. zahlen.Habe Einspruch erhoben-siehe da,es kommt Entschuldigung-Beitragszahlung endet. 31.12.15!!Wo sind wir eigentlich??
mfG. Lu

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17.11.2015 04:41:55 Uhr
Manfred Petry

Soziale Gerechtigkeit Teil III:

Das entspricht dann der Definition der „Leistungsfähigkeit“ und der "sozialen Gerechtigkeit" der Partei mit dem „S“ im Parteinamen!

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17.11.2015 04:40:09 Uhr
Manfred Petry

Soziale Gerechtigkeit Teil II:
Zu der ordentlichen Rente kommt dann die ordentliche Betriebsrente. Der/die privat vorsorgende Direktversicherte hatte ein mittleres Einkommen, mit einer mittelmäßigen Rentenerwartung. Er/sie hat wie von der Politik gewünscht, privat vorgesorgt. Er/sie hat eine „Direktversicherung“ abgeschlossen, deren Beiträge pauschal versteuert waren da er/sie über der Beitragsbemessungsgrenze lag, war das Einkommen auch bereits mit den Höchstbeiträgen zu den Sozialabgaben belastet. Die Beiträge wurden vom Nettoeinkommen aufgebracht! Der Arbeitgeber hat hierzu keinen Pfennig Beitrag geleistet. Der Mann/die Frau hat auf Konsum verzichtet um später die erwartete mittelmäßige Rente mit der ersparten Kapitalzahlung aus der Direktversicherung aufzubessern oder damit seine Hypothek aufs Häuschen abzubezahlen. Nach der Aussagen der SPD kann sich der/die „Direktversicherte“ nun freuen, dass er/sie ja nur 10 Jahre zahlen braucht!

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17.11.2015 04:36:19 Uhr
Manfred Petry

Soziale Gerechtigkeit Teil I:
Das Infopapier der SPD Bundestagsfraktion vom 2.2.2004 sagt dazu, Seite 4, letzter Absatz:
„Die in Rede stehende Rechtsänderung überfordert die von ihr betroffenen Beschäftigten nicht. Nach § 229 Abs. 1 Satz 3 SGB V gilt 1/120 der Einmalzahlung als Beitragsbemessungsgrundlage. Ein Rentner, dem eine Kapitalabfindung von 60.000 Euro ausgezahlt wird, muss mithin monatlich auf 500 Euro Krankenkassenbeiträge bezahlen. Sofern seine beitragspflichtigen Einkünfte die Beitragsbemessungsgrenze (2004: 3.487,50) Euro) nicht überschreiten, wird er bei einem Beitragssatz von 14 Prozent mit monatlich 70 Euro belastet. Die Beitragspflicht auf Direktversicherungen mit Einmalzahlungen ist überdies auf zehn Jahre begrenzt. Auf betriebliche Altersrenten sind hingegen Beiträge zu entrichten, so lange diese Versorgungsbezüge gezahlt werden“ Also, der Betriebsrentner, der nie einen Pfennig eingezahlt hat, hat, wenn er es erlebt, nach 30 Jahren 155 T Euro netto bezogen.

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