Finanz-Experte Michael Vetter gibt elf wichtige Tipps für Kunden im Umgang mit ihrer Bank.

Finanz-Experte Michael Vetter gibt elf wichtige Tipps für Kunden im Umgang mit ihrer Bank. (Foto: © Cathy Yeulet/123RF.com)

Elf Tipps für den Umgang mit Ihrer Bank

Haben die Banken im Hinblick auf ihre Kundennähe während der vergangenen Jahre tatsächlich dazu gelernt? Das können Handwerker mit Hilfe der folgenden elf Tipps überprüfen.

Banken werden meistens nicht von selbst darauf hinweisen, wie der Kunde seine Kosten senken kann. Darum müssen sich Handwerksunternehmer leider selbst kümmern. Auch bei den Kreditverträgen ist Kontrolle wichtig. Auf die folgenden Punkte sollten Sie bei Bankangeboten achten.

Checkliste Bankangebote!

  1. Handwerker sollten kein Kontoführungsmodell akzeptieren, das nicht auf ihre Bedürfnisse als Klein- und Mittelbetrieb zugeschnitten ist. Dazu gehört neben einem ausreichenden Überziehungskredit das Angebot einer Kostenpauschale, die im Gegensatz zu Gebühren für jede einzelne Buchung meist preiswerter ist. Wichtig: Jede Zusatzgebühr (zum Beispiel für Bank- oder Kreditkarten) sollte vorher ausdrücklich genannt werden.

  2. Der Überziehungskredit sollte hoch genug sein, um kurzfristige Zahlungsverpflichtungen zu begleichen (je nach Betrieb etwa zwei bis drei Monatseinnahmen). Außerdem sollte sich der Zinssatz an der Bonität des Handwerkers und nicht etwa an „den allgemeinen Erfahrungswerten bei Handwerksbetrieben“ orientieren – ein Argument, das Banken gerne benutzen. Es geht schließlich immer um die individuelle Bonität des einzelnen Handwerkers. Außerdem wichtig: Zusätzliche Kreditkosten wie eine Bereitstellungsgebühr sollten nicht akzeptiert werden.

  3. Handwerker sollten sich nicht von publikumswirksamen Bankangeboten in den Medien beeindrucken lassen. Solche Angebote gelten oft nur für Neukunden und setzen eine erstklassige Kreditwürdigkeit und umfangreiche Kreditsicherheiten voraus oder sie gelten nur für eine begrenzte Kredithöhe.

  4. Komplexe Anlageprodukte sind für Bankkunden oft nur schwer zu durchschauen. Deshalb sollten Sie nur Anlageformen wählen, die Sie ohne Wenn und Aber verstehen – das gilt besonders für die Verlustrisiken und riskante Geldanlagen!

  5. Neukunden scheinen der Finanzbranche oft wichtiger zu sein als langjährige Bestandskunden, besonders bei Anlageangeboten für Tages- oder Termingeldkonten. Da die Banken bei Beschwerden in aller Regel uneinsichtig sind, sollten Handwerker darauf reagieren und ihrerseits über ein, zwei neue Bankverbindungen nachdenken. Der damit verbundene Aufwand ist meist geringer als erwartet und führt oft zu deutlich besseren Zinssätzen.

  6. Überhaupt sollten Handwerker bei ihrer Hauptbank auf ihre meist ohnehin bestehende Zweit- und Drittbankverbindungen deutlicher als bisher hinweisen. Dass Konkurrenz das Geschäft belebt, gilt auch für den Wettbewerb der Bankinstitute untereinander. Um es noch deutlicher zu sagen: Das oft anzutreffende "Quasi-Monopol“ der Hauptbank sollte endgültig der Vergangenheit angehören.

  7. Wenn es um private Geldanlagen geht, spielt der so genannte "Drehfaktor“ eine große Rolle: Je öfter das Anlagevermögen des Kunden gedreht, also Wertpapiere immer wieder ge- und verkauft werden, umso höher sind die Gebühren, die die Bank dafür bekommt. Allzu forschen Anlage- oder Vermögensberatern sollte also deutlich gemacht werden, dass regelmäßige Umsätze nur willkommen sind, wenn auch der Handwerker durch Kursgewinne davon profitiert.

  8. Banken sind nach wie vor Finanzallrounder, die nicht nur reine Bankprodukte verkaufen – und das ist durchaus legitim. Aber dieser so genannte "Cross-Selling“-Ansatz sollte nicht dazu führen, gerade Versicherungsprodukte kritiklos zu akzeptieren. Häufig ist nämlich der separate Abschluss beispielsweise einer Restschuldversicherung bei einem Darlehen preiswerter, als wenn sie im Paket zum Darlehen angeboten wird.

  9. Wenn schon Cross-Selling, dann sollte dies für beide Geschäftspartner gelten. Sowohl bei Geldanlagen als auch bei Krediten, kann der Handwerker erwarten, dass seine Bank ihm auch Produkte anbietet, die von ihr nur vermittelt werden. Bei Wertpapieren wie den Investmentfonds gehört dies inzwischen zum Standard der meisten Geldinstitute. Bei der Vermittlung von externen Krediten - zum Beispiel von der Kreditanstalt für Wiederaufbau - ist dies dagegen oft nicht der Fall. Darauf sollten Handwerker deutlich hinweisen.

  10. Banken werden meistens nicht von selbst darauf hinweisen, wie der Kunde seine Kosten senken kann. Deshalb sollten sich Handwerker einmal im Jahr einen vollständigen Kostenüberblick bei ihren Banken verschaffen und gegebenenfalls darüber verhandeln. Auch hier hilft der Hinweis auf die andern Bankverbindungen des Handwerksunternehmer – denn Konkurrenz belebt halt das Geschäft ...

  11. Kontrolle ist ebenfalls wichtig, wenn es um Kreditverträge geht. Hier ist es möglich, einige nützliche zusätzliche Vereinbarungen zu treffen – zum Beispiel die Möglichkeit, außerplanmäßige und kostenlose Darlehensverträge zu tilgen oder der vorbehaltlose Ausschluss von Kreditverkäufen an einen oder mehrere andere Gläubiger. Auch Standardverträge können also durchaus verändert werden.



Foto: © Andreas Buck Foto: © Andreas Buck Michael Vetter
Nach Banklehre und betriebswirtschaftlichem Studium hat Michael Vetter bei verschiedenen Banken gearbeitet. Bis 1993 war er als leitender Angestellter bei einem überregional tätigen Kreditinstitut für die Beratung kleiner und mittlerer­ Betriebe verantwortlich. Seitdem ist Vetter als Fachautor und Wirtschaftsberater mit dem Schwerpunkt Finanzen und insbesondere Banken­ selbstständig tätig. Darüber hinaus hat er mehrere Fachtitel zum professionellen Umgang­ mit Banken geschrieben und hält Vorträge­ und Seminare zu Finanzthemen.

Text: / handwerksblatt.de