Jugendliche, die während ihres Praktikums viel selbst machen dürfen und gut betreut werden, bewerben sich später vielleicht auch um eine Ausbildungsstelle in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb.

Jugendliche, die während ihres Praktikums viel selbst machen dürfen und gut betreut werden, bewerben sich später vielleicht auch um eine Ausbildungsstelle in ihrem ehemaligen Praktikumsbetrieb. (Foto: © goodluz/123RF.com)

Heute Praktikant, morgen Leistungsträger

Jugendlichen einen Einblick in die Arbeitswelt zu geben, ist aufwändig. Damit der Schüler später auch zum Azubi wird, muss das Praktikum systematisch geplant werden.

Aufträge haben die meisten Handwerksbetriebe im Kammerbezirk Trier momentan genug. Was ihnen oft fehlt, sind Mitarbeiter, die sie ausführen. "Die Fachkräftesicherung entwickelt sich zum Engpassfaktor", beobachtet Günther Behr schon seit längerem. Kurzfristig wird sich das Problem für den Berufsbildungsexperten der Trierer Handwerkskammer kaum beheben lassen. Bei der Rekrutierung des Berufsnachwuchses ist ein langer Atem gefragt. Schülerpraktika anzubieten, systematisch zu organisieren und fähige Jugendliche an sich zu binden, wird immer wichtiger. Günther Behr und sein Team der Ausbildungsberatung geben dafür zehn Tipps.

 

Die Handwerkskammer Trier hat einige hilfreiche Dokumente für das Betriebspraktikum im Internet zusammengestellt. Dazu gehören die Vorlagen für einen Praktikumsvertrag und eine Bewertung der Praxisphase. Auch die zehn Tipps "Schüler-Praktikum – eine lohnende Investition für jeden Handwerksbetrieb" sind online zu finden.

Vom Praktikanten zum Leistungsträger

"Der Schülerpraktikant von heute kann für Ihr Unternehmen der Leistungsträger von morgen sein. Verschenken Sie also keine Chancen und bereiten Sie das Praktikum sorgfältig vor!" Klingt simpel, sieht in der Praxis nach Behrs Erfahrung mitunter anders aus. "Am schlimmsten ist es, wenn am Montagmorgen ein Schüler in der Tür steht und ihn der Chef 'Na, wer bist du denn?’ fragt." Damit das Praktikum von Erfolg gekrönt ist, spielt Kommunikation deshalb eine wesentliche Rolle. Das fängt bei der persönlichen Begrüßung durch den Chef an, geht über die Absprache mit den Gesellen, wer den Praktikanten betreut, bis hin zum Feedbackgespräch zur Hälfte und zum Abschluss des Praktikums.

 

Die Zentralstalle für die Weiterbildung im Handwerk und der Westdeutsche Handwerkskammertag haben den Leitfaden "Praxisphasen im Betrieb – Nachwuchsarbeit durch Berufsfelderkundungen und Betriebspraktika" entwickelt. An Praktikanten richtet sich das Begleitheft "Mein Praktikum" der Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern.

Begabte und motivierte Jugendliche nicht aus den Augen verlieren

Kontakt sollte auch zu den Eltern und zu den betreuenden Lehrkräften gehalten werden. "Wenn Sie sich als engagierter Praktikums- und Ausbildungsbetrieb präsentieren, werden die Schulen Sie auch ihren Schülern und Eltern sicherlich weiterempfehlen!", lautet der siebte Punkt auf der Checkliste. Nach dem Praktikum darf man gerade besonders begabte und motivierte Jugendliche nicht aus den Augen verlieren. Ihnen sollte gleich ein weiteres freiwilliges Praktikum angeboten oder sogar ein Ausbildungsvertrag in Aussicht gestellt werden. "Wer gute Leute einfach ziehen lässt, handelt fahrlässig", ist der Geschäftsführer der Handwerkskammer Trier überzeugt.

 

Wer die gesamte Personalplanung in den Blick nehmen möchte: Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung hat eine Handlungsempfehlung entwickelt, wie die eigene Arbeitgebermarke (Employer Branding) gestärkt werden kann. Der 29-seitige Ratgeber mit zahlreichen Checklisten kann kostenlos aus dem Internet heruntergeladen werden.

Strategische Personalplanung beginnt bei den Praktikanten

"Unsere Checkliste ist nichts sensationell Neues. Sie soll aber den Betrieben bewusst machen, dass die strategische Personalplanung schon beim Schülerpraktikanten beginnt." Aber da auch nicht endet. Jeder Chef müsse sich fragen, wie er als Arbeitgeber wahrgenommen wird, wie er nach einer guten Ausbildung seine Gesellen qualifiziere und motiviere, um sie dauerhaft an den Betrieb zu binden. Günther Behr rät: "Man muss seine Ausbildungs- und Arbeitsplätze wie die eigenen Produkte verkaufen und Praktikanten und Bewerber wie seine Kunden behandeln."

Text: / handwerksblatt.de

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