Ein Beratungsgespräch kann  telefonisch, bei den KAUSA- Landesstellen (wie hier in Trier) und/oder in den Betrieben erfolgen.

Ein Beratungsgespräch kann telefonisch, bei der KAUSA- Landesstelle (wie hier in Trier) und/oder in den Betrieben erfolgen. (Foto: © HWK Trier)

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KAUSA hilft bei Integration durch Ausbildung

Die KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz unterst√ľtzt Jugendliche mit Flucht- oder Migrationshintergrund sowie Betriebe bei Fragen rund um die Ausbildung. Der Beratungsbedarf ist gro√ü, das Angebot beliebt.

Seit sechs Jahren unterstützt die KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz Jugendliche mit Flucht- oder Migrationshintergrund, deren Eltern, Betriebe und auch Selbstständige Migranten beim Thema Ausbildung. Das Beratungsangebot ist sehr gefragt und beliebt.

"Zu uns kommen Migranten aus Drittstaaten, die nach Deutschland einreisen oder Geflüchtete, die bereits hier wohnen und die Schule hinter sich haben. Sie lernen Deutsch und möchten eine Berufsausbildung starten oder sich mit ihrem Berufswunsch bewerben, suchen passende Ausbildungsbetriebe. Sie haben viele persönliche Fragen rund um das Thema Ausbildung", berichtet Aurita Jankauskaite-Lepage, KAUSA-Landesstellen-Beraterin am Standort Trier.

Insgesamt arbeiten für die KAUSA-Landesstelle RLP acht Beraterinnen und Berater bei den Handwerkskammern Koblenz, Trier, Kaiserslautern und Rheinhessen. "Der Beratungsbedarf ist groß", betont Ulrich Meinhard, Projektleiter der KAUSA-Landesstelle Rheinland-Pfalz bei der HwK Koblenz. Das Projekt wird zu 90 Prozent gefördert vom Bundesbildungsministerium und dem Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz.

Unterstützt werden auch die Betriebe, die ausbilden möchten

Die KAUSA-Berater sind gut vernetzt unter anderem mit den Ausländerbehörden, den Agenturen für Arbeit, mit Migrantenorganisationen und ehrenamtlichen Helfern. Sie unterstützen nicht nur die Jugendlichen, sondern auch Ausbildungsbetriebe, die Migranten und Geflüchtete in die Ausbildung einstellen möchten, etwa bei individuellen Fragen zum Aufenthaltsstatus ihrer Bewerber.

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So meldete sich Mitte Juli Gas- und Wasserinstallateurmeister Uwe Friedrich, Geschäftsführer der Firma Friedrich Heizungsbau und Sanitärinstallation in Katzweiler bei KAUSA-Landesstellen-Berater Moritz Wunderlich (HWK der Pfalz). Er wollte seinen Praktikanten Aman Rahim Zadeh aus dem Iran zum 1. August als Auszubildenden einstellen. Nachdem der Aufenthaltsstatus bereits telefonisch geklärt werden konnte, informierte Wunderlich den Unternehmer und seinen Kandidaten in einem persönlichen Gespräch im Betrieb über die sprachlichen Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Ausbildung erforderlich sind, und über weitere Unterstützungsangebote, etwa die Assistierte Ausbildung "AsA flex" der Bundesagentur für Arbeit.

Im Nachgang konnte Wunderlich erreichen, dass die Verbandsgemeinde Rahim Zadeh und dessen Frau während der Ausbildung mit Sozialleistungen und Freibeträgen unterstützt. "Es ist sehr erfüllend, den jungen Menschen die vielen Facetten der dualen Berufsausbildung näherzubringen und sie bei der passenden Wahl eines Ausbildungsberufes zu unterstützen", so der Berater.

Ein Schwerpunkt ist die Vermittlung weiblicher Jugendlicher ins Handwerk

Ein Schwerpunkt in diesem Jahr ist die Vermittlung weiblicher Jugendlicher ins Handwerk. "Junge Migrantinnen ins Handwerk zu bringen, ist eher schwierig", weiß Ulrich Meinhard. "Doch wenn man die jungen Leute an die Hand nimmt, kann man gute Erfolge erzielen."

So sieht das auch Aurita Jankauskaite-Lepage: "Wer für die gewählte Ausbildung gut vorbereitet ist, sich für das Ausbildungsziel bewusst entschieden hat und wenn der Betrieb auch anhand guter Erfahrungen ausgesucht ist, wird diese Ausbildung meist zielführend und erfolgreich absolviert."

Die Beraterinnen und Berater der KAUSA-Landesstelle konnten allein zwischen Januar und Juni 77 Jugendliche in eine Ausbildung oder eine Einstiegsqualifizierung vermitteln. "Davon sind 25 weiblich", erzählt Ulrich Meinhard. "Ein für das Handwerk sehr hoher Anteil."

Beratung von Selbständigen mit Migrationshintergrund

Neben der Vermittlung von Jugendlichen und jungen Erwachsen in eine duale Ausbildung gehört die Beratung von Selbstständigen mit Migrationsgeschichte zum Schwerpunkt der KAUSA-Landesstelle. Auch hier wachse angesichts des Fachkräftemangels die Bereitschaft, auszubilden. 

Von insgesamt etwa 3,6 Millionen Selbständigen in Deutschland haben über 830.000 einen Migrationshintergrund, darunter sind fast 400.000 Unternehmen mit Beschäftigten. 635.000 der Selbständigen haben eigene Migrationserfahrungen (Quelle: BMBF; Mikrozensus 2021). "Wir informieren die Unternehmerinnen und Unternehmer, was man für die Ausbildung im Handwerk braucht und vermitteln beispielsweise Vorbereitungskurse für die Ausbildereignungsprüfung", sagt Meinhard.

Hintergrund: KAUSA steht für die bundesweite Koordinierungsstelle Ausbildung und Migration, die seit Dezember 2018 in die Initiative Bildungsketten eingebunden ist. Ziel von KAUSA ist es, die Ausbildungsbeteiligung von Geflüchteten, Migrantinnen und Migranten zu erhöhen. KAUSA-Projekte unterstützen junge Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund sowie deren Eltern rund um das Thema Ausbildung. In mehreren Bundesländern gibt es KAUSA-Landesstellen. Die ersten landesweiten KAUSA-Projekte starteten 2017 in Rheinland-Pfalz, Thüringen und Brandenburg. Quelle: BMBF

KAUSA-Botschafter und Botschafterinnen gehen in Schulen und Unternehmen

Das Projekt wird zudem unterstützt von KAUSA-Botschaftern und Botschafterinnen, die selbst beraten wurden und jetzt in Schulen oder bei Workshops von ihren Erfahrungen auf Augenhöhe berichten.

"Es gibt triftige Gründe, die einer raschen Ausbildungsaufnahme unserer jungen Klienten entgegenstehen", sagt Susanne Müller, KAUSA-Landesstelle Rheinhessen am Standort Mainz. Jedoch gebe es viel mehr gewichtige Argumente für gute Bildung, berufliche Perspektiven und dauerhafte Integration, so Müller. "Wir werden weiter alles dafür tun, um junge Migrantinnen und Migranten individuell darin zu begleiten, damit ihre Zukunft gelingt." 

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Text: / handwerksblatt.de

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