Ehemalige Zeitsoldaten können dem Fachkräftemangel vor allem in kleinen Betrieben wirksam entgegenwirken.

Ehemalige Zeitsoldaten können dem Fachkräftemangel vor allem in kleinen Betrieben wirksam entgegenwirken. (Foto: © Bundeswehr)

Von der Bundeswehr ins Handwerk

Immer mehr Handwerksbetriebe können ihre freien Stellen nicht besetzen. Das Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft in ­Koblenz hilft, Fachkräfte fürs Handwerk zu gewinnen und zu halten.

Der Fachkräftemangel macht sich in Handwerksbetrieben zunehmend bemerkbar. In Kleinstbetrieben bleibt inzwischen jeder zweite Ausbildungsplatz unbesetzt. Die gute Konjunktur verstärkt das Problem. Laut der Studie Fachkräftemangel 2015 der Manpowergroup hat das für viele Unternehmen schwerwiegende Konsequenzen. Etwa 20 Prozent der Betriebe haben derzeit noch keine Maßnahmen ergriffen, um wirksam gegen den Bewerbermangel anzugehen. Eine Möglichkeit ist, Bewerber aus den Reihen von ehemaligen Soldatinnen und Soldaten auf Zeit (SaZ) zu rekrutieren. Das gilt nicht nur für Fach-, sondern auch für Führungskräfte.

Soldaten auf Zeit erhalten von der Bundeswehr eine zeitliche und finanzielle Berufsförderung. Damit wird die Integration in einen Zivilberuf erleichtert. Das bundesweit tätige Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft unter dem Dach der Handwerkskammer Koblenz spielt dabei eine große Rolle. "Wir haben unser Ohr am Markt und wissen, was aktuell im Handwerk verlangt wird und wohin der Trend in Zukunft geht", erklärt Hans­ Joachim Benner, Oberst der Reserve, Leiter des Beratungszentrums und Mitarbeiter der Handwerkskammer Koblenz.

3.000 Soldaten informierten sich


Aus der Studie der Manpowergroup ­"Fachkräftemangel 2015":
- 46 Prozent der deutschen Unternehmen leiden an Fachkräftemangel (2014 waren es 40 Prozent)
- Personallücke führt zur Ablehnung von Aufträgen

Fachkräftemangel führt bei

- 42 Prozent der befragten Unternehmen zu weniger Wettbewerbsfähigkeit und Innovationen
- 30 Prozent der befragten ­Unternehmen zu einer erhöhten Mitarbeiterfluktuation
- 26 Prozent der befragten­ Firmen zu geringer Mitarbeiterloyalität und ­Arbeitsmoral
Dementsprechend kann das Zentrum die Soldaten auf Zeit informieren. Dabei kann es um Erstausbildungen, Umschulungen, Meister-Fachkurse oder Zusatzqualifikationen nach einem Studium gehen, die die Leitung eines Betriebs ermöglichen: "Wir wissen genau, was unsere Handwerksbetriebe brauchen", betont Benner. Allein im letzten Jahr nahmen rund 3.000 Soldaten auf Zeit das Angebot wahr, sich in bundesweit 60 Veranstaltungen über die Möglichkeiten im Handwerk nach ihrer Dienstzeit zu informieren. 

Eine betriebsgebundene Ausbildung in einem Unternehmen ist in vielen Fällen bereits zum Ende oder nach der Dienstzeit möglich. Die Ausbildungskosten, abhängig von der Verpflichtungszeit, übernimmt die Bundeswehr. Und auch in Bezug auf die Sozialversicherungsträger hat der auszubildende Betrieb viele Vorteile – hier gibt es eine Übersicht zum Download. Soldaten, die bereits über eine qualifizierte Berufsausbildung oder ein Studium verfügen, können zum Ende der Dienstzeit in leitende Funktionen eingearbeitet werden.

Und was sagen Unternehmen, die eine ehemalige Wehrkraft auf Zeit eingestellt haben? Uwe Müller, Geschäftsführer der Modellbau Müller Prototyping GmbH in Koblenz: "Der neue Kollege hat sich fachlich und menschlich sehr gut in die Belegschaft eingegliedert. Durch seine Bundeswehrzeit waren sein Teamgeist und seine Persönlichkeit gut ausgebildet. Aufgrund der guten Erfahrung werden wir jetzt einen weiteren ehemaligen Soldat auf Zeit einstellen."

Beratungszentrum Bundeswehr-Wirtschaft

"Aus der Wirtschaft zur Bundeswehr und durch die Bundeswehr höher qualifiziert zurück in die Wirtschaft" ist das Motto des Beratungszentrums in Koblenz, das seine Dienstleistungen seit August 1999 anbietet. Es will qualifizierte Fach- und Führungskräfte fürs Handwerk gewinnen und halten. Dafür unterstützt es Betriebe mit dem ­Projekt ­"Fachkräftesicherung Soldat" für Gesellen, Meister, Betriebswirte, Bachelor oder Master.

Arbeit­geber, Organisationen und Kammern ­erhalten aktuelle Informationen über Möglichkeiten und Perspektiven der Zusammenarbeit mit der Bundes­wehr und den damit ­verbundenen Möglichkeiten. Dazu zählt die Beratung von Unternehmen über Kooperationsformen mit der Bundes­wehr, eine gemeinsame Personalgewinnung und Personalsicherung, die Unterstützung der Soldaten auf Zeit in allen Fragen der Berufsbildung bis zur ­Selbstständigkeit. Weitere Beratungszentren Bundeswehr-Wirtschaft bieten beispielsweise die HWK für München und ­Oberbayern, die HWK Niederbayern, die HWK Hannover, die HWK zu Leipzig, die HWK Ostmecklenburg-Vorpommern, die HWK Halle-Dessau oder die HWK Südthüringen.

Text: / handwerksblatt.de

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