Wer heute einen qualifizierten Mitarbeiter findet, kann sich glücklich schätzen. Foto: © Andriy Popov/123RF.com

Fachkräftemangel killt Umsatz und Wachstum

Der Fachkräftemangel lähmt Handwerk und Mittelstand. Immer mehr Unternehmen müssen auf Aufträge und Umsatz verzichten, weil sie nicht genügend Personal haben.

Der Fachkräftemangel lähmt Handwerk und Mittelstand. Die Konjunktur brummt, die Auftragsbücher sind dick gefüllt und im Bauhandwerk erreicht die Auftragsreichweite mit elf Wochen einen Höchststand. Kehrseite der Medaille: Die Betriebe suchen händeringend geeignetes Personal, um die Aufträge abzuarbeiten. Kunden wiederum warten oft wochenlang auf einen Handwerker. In Berlin mussten jetzt sogar Kita-Kinder auf einen Container ausweichen, weil über zehn Wochen kein Elektriker für die laufende Sanierung der alten Räumlichkeiten gefunden wurde.

"Der Fachkräftemangel hemmt das Wachstum deutscher Mittelständler", heißt es in der aktuellen Mittelstandsumfrage der DZ Bank unter 800 Unternehmern. er Fachkräftemangel lähmt Handwerk und Mittelstand. Die Konjunktur brummt, die Auftragsbücher sind dick gefüllt und im Bauhandwerk erreicht die Auftragsreichweite mit elf Wochen einen Höchststand.

Bremsklotz bei Investitionen

Der Personalmangel ist ein Bremsklotz bei Investitionen: Jedes dritte der befragten Unternehmen würde gerne in den nächsten drei Jahren seine Investitionen steigern, doch weil sie nicht genug qualifizierte Mitarbeiter finden, geht das bei sechs von zehn Unternehmen nicht. Damit ist der Fachkräftemangel inzwischen das größte Investitionshindernis im Mittelstand. Rund ein Sechstel der Firmen, die den Personalnotstand schon spüren, kann deshalb schon heute wichtige IT- und Digitalisierungsprojekte nicht realisieren. 

Und der Arbeitskräftemangel hat noch mehr Auswirkungen: Die betroffenen Unternehmen müssen einen deutlich höheren Aufwand als bisher betreiben, um neue Leute zu finden (85 Prozent), die vorhandenen Mitarbeiter leisten erhebliche Mehrarbeit, um den Arbeitskräftemangel zu kompensieren (75 Prozent) und fast die Hälfte der befragten Firmen muss sogar auf Umsatz verzichten. Der Verzicht auf Umsatz trifft vor allem die Mittelständler mit einem Jahresumsatz bis zu 50 Millionen Euro. Größere Unternehmen können die Situation in dieser Hinsicht besser meistern. Sie verändern ihre Betriebsabläufe und beschäftigen mehr Leiharbeiter. Kleinere Firmen passen sich an, indem sie Abstriche machen bei der Qualifikation (etwa 60 Prozent) oder sogar Aufträge ablehnen; dies war bereits bei 56 Prozent der Betroffenen der Fall.

Für Stefan Zeidler, Firmenkundenvorstand der DZ Bank, ist das ein Alarmsignal: "Wenn der Fachkräftemangel das Geschäft der Unternehmen bremst und Zukunftsinvestitionen verhindert, ist der Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet." Der Kampf um die guten Köpfe treibe auch die Preise der Spezialisten in die Höhe. Darunter leiden vor allem die größeren Mittelständler. Von den kleineren Unternehmen sagt jedes zweite mit Problemen bei der Mitarbeitersuche, dass es die geforderten oder von anderen Betrieben gezahlten Löhne nicht bezahlen kann. Die andere Hälfte ist bereit, finanzielle Anreize zu bieten.

Zeidler kritisiert angesichts dieser Zahlen die Verantwortlichen in der Politik: "Die mittelständischen Unternehmen warten bislang vergeblich darauf, dass eine zielgerichtete Zuwanderungspolitik oder Bildungsinvestitionen der öffentlichen Hand die Situation verbessern." Er rät den Firmen, eigene Strukturen zu schaffen und auch mit Wettbewerbern zu kooperieren – etwa beim Aufbau eigener Qualifizierungsstrukturen.

Kirsten Freund, Foto: © Andriy Popov/123RF.com

Kommentar: 

Ohne Zuwanderung geht es nicht

Deutschland durchlebt in wirtschaftlicher Hinsicht offenbar goldene Zeiten. Die Konjunktur läuft und läuft, die Börsen klettern immer weiter nach oben, die Unternehmen freuen sich über gut bis prall gefüllte Auftragsbücher. Und auch am Arbeitsmarkt ist die Lage entspannter denn je. Zumindest scheinbar.  Bei all der guten Stimmung wird mancherorts eine ernste Gefahr übersehen, die das schöne Wachstum schnell und unerbittlich bremsen könnte: Den Unternehmen gehen die Fachkräfte aus. Selbstständige und angestellte Handwerkerinnen und Handwerker und ihre Organisationen kennen die Situation seit Jahren – und mahnen die stetig steigende Gefahr ebenso lange an. Schon jeder vierte Mittelständler gibt an, auf Umsätze verzichten zu müssen. Weil ihm für das Abarbeiten die Mitarbeiter fehlen. Sogar Investitionen werden mangels befähigter Mitarbeiter zurückgestellt. So wird Deutschland kaum an der Spitze stehen können. Die künftige Regierung wird sich in den nächsten Jahren daran messen lassen müssen, ob sie dem Fachkräftemangel genügend Bedeutung und Gehör geschenkt hat. Möge niemand sagen, das Handwerk hätte nicht lange und laut genug gerufen! Allein mit eigenen Ressourcen wird Deutschland die absehbare Notlage kaum in den Griff bekommen und so auch nicht im globalen Wettbewerb mithalten können. Deutschland braucht dringend klug gesteuerte Zuwanderung. So, wie sie Kanada mit einem Punktesystem regelt, das Fachkräften nach Bedarf und Eignung die Türen öffnet. Für die Konjunkturaussichten der Wirtschaft wird das entscheidend sein. 

von Michael Block

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: