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Wollseifer: Mehr Eigenständigkeit für kleine und mittlere Betriebe!

Der überraschende Regenschauer mitten in den Kölner Hochsommer hinein passt zur politischen Analyse von Hans Peter Wollseifer. 

Ein soziales Pflichtjahr für Jugendliche findet Hans Peter Wollseifer gut. Der 63-jährige Rheinländer war selbst viele Jahre bei der Feuerwehr. Foto: © ZDH/Schuering
Ein soziales Pflichtjahr für Jugendliche findet Hans Peter Wollseifer gut. Der 63-jährige Rheinländer war selbst viele Jahre bei der Feuerwehr.

Im Gespräch mit dem Deutschen Handwerksblatt und dem Norddeutschen Handwerk zeigt sich der ZDH-Präsident enttäuscht und besorgt über die Entwicklungen in Berlin und Brüssel.

Hat Brüssel zu viel Macht? Ist Berlin zu bürokratisch? Leisten wir uns zu viele soziale Wohltaten? ZDH-Präsident Wollseifer sieht erheblichen Handlungsbedarf bei der Politik. Er fürchtet, dass das Handwerk für die Ausgabenpolitik der Regierung zahlen muss und wünscht sich hier den Schulterschluss der Sozialpartner.

Handwerksblatt: Herr Wollseifer, nächstes Jahr wählen wir ein neues Europaparlament. Die Europäische Union stand in der öffentlichen Betrachtung wohl schon besser da. In einem Satz: Wenn ich heute an Europa denke, dann … 
Wollseifer: … habe ich für die Zukunft große Sorgen, denn: Wir sind leider auf dem besten Weg zu einer Europaverdrossenheit.


Handwerksblatt: Was können wir dagegen tun?
Wollseifer: Wir müssen wieder die Werte nach vorne stellen. Wir leben seit über 70 Jahren in Frieden und Wohlstand, wir haben seit vielen Jahren Reisefreiheit. Der europäische Gedanke ist dem Handwerk sehr wichtig: Europa ist nicht das Problem, Europa ist die Lösung. Dazu gehört, dass Brüssel nicht immer mehr Macht zentrieren darf. Aktuell kümmert man sich dort um zu viele Details. Die großen Themen, wie das Flüchtlings- und Asylproblem oder der Schutz der Außengrenzen oder auch die großen Finanzprobleme wie mit Griechenland, gehören nach Brüssel. Die kleinen Probleme sollten die Nationalstaaten regeln und so die Vielfalt in Europa leben. Wir möchten uns nicht gängeln lassen und zum Beispiel eine Tachografenpflicht oder das Dienstleistungspaket aufoktro-yiert bekommen. Das regeln wir vor Ort in Deutschland schneller, besser und effizienter.

"DER EUROPÄISCHE GEDANKE IST DEM HANDWERK SEHR WICHTIG: EUROPA IST NICHT DAS PROBLEM, EUROPA IST DIE LÖSUNG."

Handwerksblatt: Was fordern Sie mit Blick auf die Europawahl im nächsten Jahr von den Parlamentariern?
Wollseifer: Vorfahrt für KMU, also kleine und mittlere Unternehmen. Alles, was entschieden wird, sollte erstmal einer KMU-Überprüfung unterliegen. Denn was für kleine und Kleinstbetriebe gut ist, kann für Großbetriebe nicht schlecht sein. Umgekehrt ist es nicht so. Die vielen kleinen und mittleren Betriebe, und das sind über 98 Prozent, dürfen nicht mit Bürokratie überfrachtet werden. Wir erwarten von unseren Parlamentariern, dass sie sich Gesetze und Richtlinien in dieser Hinsicht anschauen. Sie sollen sich in die Themen einarbeiten, zumal wenn sie darüber abstimmen müssen, das können wir als Bürger verlangen. Wir begleiten die Brüsseler und die Berliner Politik durchaus kritisch, aber stets auch konstruktiv. Dann lassen sich auch Erfolge erzielen, wie es uns etwa beim Mängelbeseitigungsrecht, beim Aufwerten geringfügiger Wirtschaftsgüter oder bei der Erbschaftsteuer und noch einigem mehr gelungen ist. Vor allem in der Bildungspolitik haben wir viel erfolgreiche Überzeugungsarbeit leisten können.

Text: / handwerksblatt.de

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