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Neue Möbel: So passen ­sie sich unserem Leben an

Flexibel sollen Möbel heute sein – das war ein ­wesentlicher Gedanke auf der Internationalen Möbelmesse im Januar in Köln. Das Handwerk gestaltet kräftig mit.

Mit einem Handgriff lässt sich die Arbeitsfläche des ­minimalistischen Wand­sekretärs "Workout" der Müller ­Möbelwerkstätten nach oben ­klappen: Ein Stehpult entsteht. Foto: © Müller Möbelwerkstätten
Mit einem Handgriff lässt sich die Arbeitsfläche des ­minimalistischen Wand­sekretärs "Workout" der Müller ­Möbelwerkstätten nach oben ­klappen: Ein Stehpult entsteht.

"Das Haus", seit acht Jahren ein zentrales Ereignis der Internationalen Möbelmesse in Köln, bot in diesem Jahr Räume für Stimmungen. Dazu sind sie flexibel genug, um sich verändernde Lebensrhythmen aufzunehmen. Eine neue Art des Wohnens, in der die Räume mehr Freiraum als Festlegung bedeuten. Spülbecken einer in den Wohnraum integrierten Küche, die nicht nur zum Geschirr spülen dienen können, ein Tisch, der sich als Arbeitstisch, Esstisch oder Spieltisch anbietet. Die Grenzen zwischen den einzelnen Wohnbereichen werden fließend.

Von den ausstellenden Unternehmen – zumal den kleinen Manufakturen – wurde dieser Gedanke aufgegriffen und vielfältig umgesetzt. So etwa von der Schweizer Manufaktur Mox. Sie präsentierte einen endlos verlängerbaren Tisch mit verschieden langen Elementen, der auf einer ebenfalls andockbaren Unterkonstruktion aus Metallrohren aufliegt. Aus einem Esstisch kann so leicht ein Konferenztisch werden.

Beistelltische immer neu kombiniert

Foto: © Monika Nonnenmacher Foto: © Monika Nonnenmacher Gleichermaßen variable Tische, aber für einen ganz anderen Zweck stellte Valentin Li, Student an der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster, vor. Der 26-jährige Tischler entwarf und fertigte kleine hölzerne Beistelltische mit einer Oberfläche aus Linoleum in drei verschiedenen Höhen, die – ganz unterschiedlich kombiniert – immer wieder eine optisch ganz neue Wirkung entfalten. In der Akademie-Kollektion der Bildungsstätte und auch in einem Münsteraner Geschäft wurden die Tische bereits ausgestellt. Der Handwerker und angehende Gestalter freut sich über das Interesse.

Ebenfalls aus der Werkstatt eines Tischlers stammt der "Schrank als Büro" von Vater Gregor und Sohn Franz Sommer aus der gleichnamigen Tischlerei in Breitscheid. Der Schrank ist aus dem Kern von Esche mit geseifter Oberfläche und außen gebürstet, also ganz rau. "Dieser Schreibtisch kann getrost im Wohnzimmer stehen", beschreibt Gregor Sommer seine Intention. "Unordnung auf dem Schreibtisch verschwindet, wenn man den Schrank – der viel Stauraum bietet – zumacht."

Möbel aus Beton

Auf besondere Variabilität setzen auch die vielfach ausgezeichneten Müller Möbel­werkstätten aus dem niedersächsischen Bockhorn. Neu im Programm ist etwa "Workout", ein kleiner Wandsekretär, der mit einem Handgriff vom Sitzmöbel zum Stehpult wird. "Der Sekretär stößt auf der Messe auf großes Interesse", freut sich Katja Müller, mit ihrem Ehemann Jochen Inhaberin der Müller Möbelwerkstätten. "Bisher musste man sich bei unserem Wandsekretär Flatbox mit der Arbeitshöhe entscheiden. Jetzt bieten wir mit Workout zwei Möbel in einem an."

Foto: © Monika Nonnenmacher Foto: © Monika Nonnenmacher Tischler mit einem besonderen Geschäftsfeld führen die Betonschreinerei efecto im bayerischen Weitramsdorf. "Wir fertigen Möbel aus Betonplatten", erklärt Geschäftsführer Nico Schäfer. "Und zwar mit Holzmaschinen, bestückt mit Steinmetzwerkzeugen." Die neueste Entwicklung im Betrieb ist "myfirebox", ein flexibles Feuermöbel mit Feuer aus Nebel und Licht und einem Corpus aus Beton. Ein Ultraschall-Vernebler zerstäubt Wasser, während ein Heizmodul die umgebende Luft erwärmt und feinen und keimfreien Nebel aufsteigen lässt. Die von speziellen Leuchtmitteln angestrahlten Nebelschwaden reflektieren dieses Licht und schaffen so die Illusion von lebendigem Flammenspiel.

Möbel aus der Kürschnerwerkstatt

Dem Naturstein verschrieben hat sich hingegen das Marmor-Center in Römhild in Thüringen. Auf der Möbelmesse präsentierte die Manufaktur einen Küchenblock aus brasilianischem Patagonia-Quarzit. "Bisher haben wir solche Möbel nur auf Kundenwunsch gefertigt", erzählt Mitarbeiter Stan Rusch, "aus meiner jahrelangen Erfahrung in einem Küchenstudio in München bin ich aber überzeugt, dass solche nicht gerade preiswerten Naturstein-Möbel einen Markt haben."

Als Exot auf der Möbelmesse kann hingegen die Thomas Albrecht Pelzmanufaktur aus Gladbeck gelten. Als Handwerksbetrieb verarbeiten die Kürschner Felle zu Sitzmöbeln, Kissen, Teppichen und Decken. Ihr besonderes Highlight auf der Möbelmesse waren Objekte aus Merinolamm, verschieden stark geschoren und gänzlich verschieden in der Wirkung.

Text: / handwerksblatt.de
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