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Umkleiden gehört zur Arbeitszeit

Schreibt der Chef das Tragen einer bestimmten Arbeitskleidung vor und muss sich der Mitarbeiter im Betrieb umziehen, so ist das Umkleiden Teil der Arbeitszeit und muss bezahlt werden. 

Umkleiden, Arbeitszeit
Schutzkleidung anzuziehen wird als Arbeitszeit bezahlt (Foto: © ilze79/123RF.com)

Das An- und Ausziehen von Berufskleidung ist vergütungspflichtige Arbeitszeit, wenn der Arbeitgeber das Tragen einer bestimmten Kleidung anordnet und das Umkleiden im Betrieb erfolgen muss. So hat es das Bundesarbeitsgericht entschieden. 

Auch der Weg zur Umkleidekabine ist Arbeitszeit

Beginnt die Arbeit mit dem Kleidungswechsel, sind auch die Wege, die der Mitarbeiter dafür im Betrieb zurücklegen muss als Arbeitszeit zu vergüten. Jedenfalls dann, wenn der Chef das Umkleiden nicht am Arbeitsplatz ermöglicht, sondern dafür eine Umkleidestelle einrichtet, die der Arbeitnehmer zwingend benutzen muss.

Lediglich der Weg von der Wohnung des Arbeitnehmers bis zu der Stelle, an der die Arbeit beginnt, gehört nicht zur Arbeitszeit.

Fazit: „Generell lässt sich feststellen: Kann die Arbeitskleidung wie etwa Sicherheitskleidung, nicht zu Hause angelegt werden und ist ein Tragen auf dem Weg zur Arbeitsstätte ausgeschlossen, liegt Fremdnützigkeit und damit vergütungspflichtige Arbeit vor", erklärt Fachanwalt für Arbeitsrecht Klaus-Dieter Franzen.

„Gleiches gilt für die Wegezeit, wenn der Arbeitgeber vorschreibt, dass sich der Arbeitnehmer an der Arbeitsstelle umzuziehen hat und es verbietet, die Arbeitskleidung mit nach Hause zu nehmen. Schließlich sind auch Waschzeiten zu vergüten, wenn sie aus Hygienegründen zwingend vorgeschrieben sind."

Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19. September 2012, Az.: 5 AZR 678/11

Auch andere Gerichte haben sich mit dem Thema beschäftigt:
Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 6. Juli 2015; Az. 8 Sa 53/14
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Vergleich vom 3. August 2015, Az. 9 Sa 425/15 
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 23. November 2015, Az. 6 Sa 494/15

Foto: © ilze79/123RF.com

Leserkommentare

04.07.2016 07:07:22 Uhr
Armin bei cd-mission

Umkleidesituation und auch Sanitäreinrichtungen

Es ist nun schon etliches her, als ich diesen Kommentar/Frage/Hinweis verfasst hatte.
Jedoch danke für die Antwort und Hinweise.

Unerträglich gebaren sich viele Arbeitgeber im Einzelhandel, die letztlich selbst einfachste sittliche Benimmregeln missachten oder schlichtweg sich ihr Personal als Art von niederen Tieren gleich halten. Drastisch ausgedrückt.
Wie so oft gehen Gesetzesnormen auf einfachste Geschlechtsbedürfnisse nicht explizit ein, sondern dumpern in allgemeinen Facetten.
Wie übel ist das denn, daß sehr oft anzutreffen, auch einfachste Hygiene in Sanitäreinrichtungen kurz nach dem Mittelalter "fast" zu vergleichen ist. Toiletten hinter den Kulissen, die letztlich stinkende unhygienische Zustände darstellen und im Kundenbereich gar nicht sichtbar sind. Wie erbärmlich muß doch eine Aufsicht und Normung sein, die diesbezüglich Beschäftigte diese Risiken überlässt, aber gesellschaftlich allen Tür und Tor öffnet. - Da schmeckt doch Öko und sonstiges recht kernig, wenn das Personal sich im Süff erholt und infiziert.
Rundherum ist Deutschland ein Machwerk an erbärmlichem Regel Mamut ohne realem Bezug zu wahren Gefährdungen; schließlich profitieren die sozialgesundheitliche Fürsorge schön brav, man erträgt es ja gut pillengläubig.
Unsere deutschen Sozialräume besonders im Einzelhandel - sind, die Kunden interessiert es scheinbar schön bunt ausgeblendet gar nicht, der Rückschritt an Profitstaat - Hauptsache die Angebote prangen reichlich und das Personal hält alle Herabwürdigung aus.
Mich wundert schon lange nicht mehr, daß die Lebensmittel-Einzelhandel massive Personalnot hat, denn er hält sie "Schweinen gleich" - er schlachtet sie finanziell und gesundheitlich.
Schröder sei Dank ! und den nachkommenden, den dieses Machwerk bis heute gelegen bleibt.

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04.07.2016 09:43:02 Uhr
Die Redaktion

Pausenraum

Sehr geehrter Leser,
in § 6 der Arbeitsstättenverordnung finden Sie die grundsätzlichen Regelungen über Pausenräume. Außerdem finden Sie bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) die Technischen Regeln für Arbeitsstätten (ASR), hier ist die ASR A4.2 für Sie sicher interessant.
http://www.baua.de/de/Themen-von-A-Z/Arbeitsstaetten/ASR/ASR-A4-2_content.html
Zu dieser Frage zu allen arbeitsrechtlichen Themen helfen die Berater in Ihrer Handwerkskammer gerne weiter.

Mit freundlichen Grüßen,
Anne Kieserling
Redaktion

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03.07.2016 12:44:55 Uhr
Walzock

Arbeitsrecht

zitiere Armin bei cd-mission:

Darf ein Arbeitgeber im selben Raum sein Büro worin die Beschäftigten sich umziehen, unmittelbar neben den Spinden, offen einsehbar und während dem Umziehen seiner weiblichen Beschäftigten anwesend sein, seltsame "Bildchen" am PC dabei anschauen?


Wir haben das selbe problem aber bei uns ist der Raum auch noch Pausenraum das heißt Umkleidekabine Pausenraum und Büro des Vorarbeiters alles zusammen. gibt es einen Paragraf der das regelt?

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10.09.2015 03:56:26 Uhr
Anne Kieserling

Sehr geehrter Leser,

bei dieser Frage zu einem arbeitsrechtlichen Thema helfen die Berater in Ihrer Handwerkskammer gerne weiter. Meine ganz persönliche Meinung ist, dass dieses Verhalten zumindest sehr zweifelhaft ist.

Mit freundlichen Grüßen,
Anne Kieserling
Redaktion

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09.09.2015 09:57:42 Uhr
Armin bei cd-mission

Darf ein Arbeitgeber im selben Raum sein Büro worin die Beschäftigten sich umziehen, unmittelbar neben den Spinden, offen einsehbar und während dem Umziehen seiner weiblichen Beschäftigten anwesend sein, seltsame "Bildchen" am PC dabei anschauen?

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