Meister darf sich nicht einfach Bachelor nennen

Das Handwerk hat einen wichtigen politischen Erfolg im Ringen um die Gleichwertigkeit von beruflichen und akademischen Bildungsabschlüssen erzielt.

Handwerk
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Der "Deutsche Qualifizierungsrahmen“ (DQR) billigt seither dem Meistertitel und dem ersten akademischen Abschluss, dem Bachelortitel, den gleichen Rang zu. Die öffentliche Berichterstattung über diesen Verhandlungserfolg des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) hat unter Handwerkern gelegentlich ein Missverständnis ausgelöst. Die irrige Annahme: Handwerksmeister könnten ihrem Titel nun einen Bachelorgrad hinzufügen, beziehungsweise den Bachelortitel im Briefkopf und auf Visitenkarten führen.

Die Unsicherheit entsteht auch, weil im Handwerk selbst gemäß Handwerksordnung (HwO) zum Beispiel durch Ablegen einer Vergleichsprüfung die Gleichwertigkeit eines anderen Abschlusses mit der Meisterqualifikation festgestellt werden kann – mit entsprechenden tariflichen Konsequenzen und gewerberechtlicher Gleichstellung (Erlaubnis zur selbstständigen Berufsausübung).

Nicht mit Gleichartigkeit verwechseln

Die Handwerkskammer Düsseldorf stellt klar: Die Gleichwertigkeit der Abschlüsse Meister und Bachelor bezieht sich lediglich auf eine generelle, alle beruflich verwendbaren Qualifikationen umfassende Stufen-Hierarchie, ähnlich einer Güteklasse.

Diese Skala dient dazu, in Deutschland und europaweit ein einheitliches Signal für die Wertigkeit von berufsqualifizierenden und akademischen Abschlüssen zu geben. Dieses im Wesentlichen an der Komplexität des erlangten Wissens- und Fertigkeitsumfangs ausgerichtete Ranking ist nicht mit einer "Gleichartigkeit" oder gar mit einer vom Absolventen frei wählbaren Führung beider Qualifikationen zu verwechseln.

"Zwei zu Eins für den Meister"

Übrigens: Ein Meister kann mit einem überschaubaren Fortbildungsschritt durchaus bald Bachelor werden. Etwa durch den Studiengang Bachelor of Science Wirtschaftsingenieur (B.Sc.), den die Fachhochschule des Mittelstandes in Bielefeld anbietet. 

Umgekehrt bleibt der Weg mühevoller: Für einen Akademiker, der nicht Diplom-Ingenieur ist, führt der Weg zur Meisterschaft im Handwerk regelmäßig über die Lehre (oder ein duales Hochschulstudium) und eine anschließende, erfolgreich abzulegende Meisterfortbildung. Bei aller förmlichen Gleichwertigkeit: Eigentlich heißt die neue Gleichgewichts-Formel also sogar "Zwei zu Eins für den Meister“.

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Leserkommentare

07.12.2017 12:48:10 Uhr
Redaktion

Ihr Kommentar: "Meister mit Fortbildung"

zitiere Georg Brieden:

Das der Handwerksmeister mit dem Bachelor gleichgestellt wird ist ja nichts Neues,
aber wo wird ein Handwerksmeister mit Fortbildungen eingestuft?

Ich habe folgende Abschlüsse:

Tischlermeister
mit Fortbildungen als

Betriebswirt des Handwerks
Gebäude-Energieberater
Zert. Brandschutztechniker
Energie-Effizienz-Experte


Sehr geehrter Herr Brieden,

vielen Dank für Ihren Kommentar und Ihre Frage.

Einen guten Überblick, wie die verschiedenen Abschlüsse in den Deutschen Qualifikationsrahmen eingestuft worden sind, bietet die Qualifikationssuche unter www.dqr.de/content/2316.php. Dort sind der Meister auf der Stufe 6 (gleichwertig mit dem akademischen Bachelor-Abschluss) und der Betriebswirt nach der Handwerksordnung auf der Stufe 7 (gleichwertig mit den akademischen Master-Abschlüssen) zu finden.

Mit freundlichen Grüßen
Ihre Redaktion handwerksblatt.de

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07.12.2017 10:32:58 Uhr
Georg Brieden

Meister mit Fortbildung

Das der Handwerksmeister mit dem Bachelor gleichgestellt wird ist ja nichts Neues,
aber wo wird ein Handwerksmeister mit Fortbildungen eingestuft?

Ich habe folgende Abschlüsse:

Tischlermeister
mit Fortbildungen als

Betriebswirt des Handwerks
Gebäude-Energieberater
Zert. Brandschutztechniker
Energie-Effizienz-Experte

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08.05.2017 02:11:29 Uhr
Redaktion

Ihr Kommentar: "Meister-Bachelor"

zitiere Joachim Schroeder:

Meister darf sich nicht einfach Bachelor nennen:

Bei der Wertigkeit des Meistertitel ist letztendlich die verbundene formelle Berechtigung maßgebend.

Der Meister ist laufbahnrechtlich dem Fachschulabschluss SgTechniker gleichgestellt. Von Interesse ist im Bereich Seeschifffahrt die patentbezogene (gewerbliche) Gleichwertigkeit der Schulabschlüsse Fachschule (SgSchiffstechnik) und Hochschule (Bacheor) lt internationalen STCW-Übereinkommen. Versäumt wurde m.E. der nationale deutsche Nachvollzug auch ähnliche innländische Qualifikationen, wie dem Meister.

Aktuell wurde für die Luftfahrt die 12-18 monatige Ausbildung zum Lizenz Verkehrspilot im Bundeslaufbahnsystem (BLV) dem behördlichen gehobenen Dienst zugeordnet (mit Fachhochschulreife).
Ähnliches ist m.E. auch für den Meister (mit FHR) anzustreben.


Sehr geehrter Herr Schroeder,

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08.05.2017 11:16:46 Uhr
Joachim Schroeder

Meister-Bachelor

Meister darf sich nicht einfach Bachelor nennen:

Bei der Wertigkeit des Meistertitel ist letztendlich die verbundene formelle Berechtigung maßgebend.

Der Meister ist laufbahnrechtlich dem Fachschulabschluss SgTechniker gleichgestellt. Von Interesse ist im Bereich Seeschifffahrt die patentbezogene (gewerbliche) Gleichwertigkeit der Schulabschlüsse Fachschule (SgSchiffstechnik) und Hochschule (Bacheor) lt internationalen STCW-Übereinkommen. Versäumt wurde m.E. der nationale deutsche Nachvollzug auch ähnliche innländische Qualifikationen, wie dem Meister.

Aktuell wurde für die Luftfahrt die 12-18 monatige Ausbildung zum Lizenz Verkehrspilot im Bundeslaufbahnsystem (BLV) dem behördlichen gehobenen Dienst zugeordnet (mit Fachhochschulreife).
Ähnliches ist m.E. auch für den Meister (mit FHR) anzustreben.

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05.05.2017 04:50:59 Uhr
Redaktion

Ihr Kommentar: "Kleinstgewerbe wie Ich-AG schaden dem Handwerk"

zitiere Andreas Tietsch:

Prima, dass es positive Entwicklungen
bei der Anerkennung und Wertigkeit des Meistertitels gibt!
Ein Wunder, dass das Interesse am Meistertitel zurück geht ist es allerdings nicht!
Wenn man Gewerbetreibenden, wie z.B. Reifenservice und Ersatzteilhandel im Kfz-Gewerbe,
die Chance einräumt ein Gewerbe ohne Meistertitel zu führen
und diese dann ihre Arbeiten für einen geringeren Arbeitslohn verkaufen können,
dann sinkt gleichzeitig das Interesse an eine Eintragung in die Handwerksrolle.


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05.05.2017 11:36:43 Uhr
Andreas Tietsch

Kleinstgewerbe wie Ich-AG schaden dem Handwerk

Prima, dass es positive Entwicklungen
bei der Anerkennung und Wertigkeit des Meistertitels gibt!
Ein Wunder, dass das Interesse am Meistertitel zurück geht ist es allerdings nicht!
Wenn man Gewerbetreibenden, wie z.B. Reifenservice und Ersatzteilhandel im Kfz-Gewerbe,
die Chance einräumt ein Gewerbe ohne Meistertitel zu führen
und diese dann ihre Arbeiten für einen geringeren Arbeitslohn verkaufen können,
dann sinkt gleichzeitig das Interesse an eine Eintragung in die Handwerksrolle.

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14.12.2016 08:52:29 Uhr
Die Redaktion

Ihr Kommentar: "Christopher Schnacker"

zitiere Stefan Br.:

Ich möchte mein Kommentar mit einem Zitat beginnen von dem ich leider nicht weiß von wem es stammt. ''Verachtet mir die Meister nich und ehret ihren Stand, als das Deutsche Handwerk blühte, blühte auch das Land''. Für mich persönlich ist ein Handwerksmeister einer der, der sich nicht nur im Büro Beweise muss.!
Ein Handwerksmeister muss auch draußen seinen ''Meister'' stehen...! Es würde mich persönlich mit größtem stolz erfüllen, wenn ich eines der ältesten und angesehensten Titel die wir haben bald auch tragen dürft..!!
Wo würden wir heute stehen wenn es diesen Titel, diesen stand an Fertigkeiten nicht gegeben hätte..?!
Ich finde es sehr einfältig und sehr dumm sowas als Arbeiterpöbel zu bezeichnen...



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15.11.2016 09:02:32 Uhr
Stefan Br.

Christopher Schnacker

Ich möchte mein Kommentar mit einem Zitat beginnen von dem ich leider nicht weiß von wem es stammt. ''Verachtet mir die Meister nich und ehret ihren Stand, als das Deutsche Handwerk blühte, blühte auch das Land''. Für mich persönlich ist ein Handwerksmeister einer der, der sich nicht nur im Büro Beweise muss.!
Ein Handwerksmeister muss auch draußen seinen ''Meister'' stehen...! Es würde mich persönlich mit größtem stolz erfüllen, wenn ich eines der ältesten und angesehensten Titel die wir haben bald auch tragen dürft..!!
Wo würden wir heute stehen wenn es diesen Titel, diesen stand an Fertigkeiten nicht gegeben hätte..?!
Ich finde es sehr einfältig und sehr dumm sowas als Arbeiterpöbel zu bezeichnen...

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12.08.2016 02:07:03 Uhr
Uwe

"Güteklassen", "unglaubliche Degradierung von Akademikern" - ich hör' wohl nicht recht!

zitiere July:

Wenn man bedenkt, dass eine Ausbildung 3 Jahre dauert, ein Meisterlehrgang on Vollzieht ein Jahr und ein Abitur mit anschließendem Bachelor studium insgesamt 6 Jahre, ist es ein Unding und unglaubliche Degradierung für Akademiker die beiden Abschlüsse als gleichwertig zu betrachten. Mit Nichten kann der Wissensumfang miteinander verglichen werden.

Wer hier eine Rechnung aufmachen muss wegen einzelner Jährchen, um über Grad oder "Degradierung" urteilen zu wollen, hat u.U. noch nicht viel mehr erlebt und "erfahren", als diese paar Jährchen...
Das Durchschnittsalter von MeisterschülerInnen liegt je nach Statistik zwischen 22 und 27 Jahren und damit vergleichbar mit HochschulabsolventInnen. Die einen haben mehr praktische Berufs- und Lebenserfahrung, die anderen mehr theoretisches, akademisches Wissen, so what?
Tut Euch doch einfach zusammen und macht das Beste draus! ;-)

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02.08.2016 12:53:03 Uhr
Conny

Kenne einen mit Abi und halben Bauingenieurstudium - Meisterprüfung durchgefallen

Tja das gibts auch, weil der Maurer - u. Betonbauermeister schwerer ist als nur das Abi.
Gibt genug Ingenieure, die Hilfe des Meisters benötigen.

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