Mit welchen Hilfsmitteln kann das Digitalisierungspotenzial von Handwerksbetrieben gesteigert werden? Diese Frage lag dem Forschungsprojekt Athene 4.0 zugrunde.

Mit welchen Hilfsmitteln kann das Digitalisierungspotenzial von Handwerksbetrieben gesteigert werden? Diese Frage lag dem Forschungsprojekt Athene 4.0 zugrunde. (Foto: © ginasanders/123RF.com)

Forschungsprojekt analysiert das Digitalisierungspotenzial von Handwerksbetrieben

Betriebsführung

In dem Forschungsprojekt "Athene 4.0" wurde mit Beteiligung von Wissenschaft, Handwerk und Softwareentwicklern untersucht, wie Handwerksbetriebe digitale Anwendungen für sich nutzen können.

Mit welchen Hilfsmitteln kann das Digitalisierungspotenzial von Handwerksbetrieben gesteigert werden? Diese Frage war Ausgangspunkt für das Forschungsprojekt "Athene 4.0", das vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik und der Sozialforschungsstelle Dortmund der Technischen Universität Dortmund durchgeführt wurde. Handwerk.NRW hat die Ergebnisse des Projekts jetzt im Rahmen seiner Reihe "Dialog Handwerk" herausgegeben. Der Ergebnisbericht trägt den Titel "Personenzentrierte Digitalisierung zur Zukunftssicherung des Handwerks". Es sei unbestritten, dass es im Handwerk viele kleine, etablierte Unternehmen gibt, die bei der Anwendung digitaler Technologien zögern und hinter industriellen Vorreitern zurückbleiben, so Andreas Ehlert und Hans Jörg Hennecke, Präsident und Hauptgeschäftsführer des Handwerksverbands in ihrem Vorwort. Diesen "Digitalisierungsrückstand" im Mittelstand gelte es, mit im Betriebsalltag praktikablen Lösungen aufzuholen.

Hintergrund- Hier finden Sie weitere Hintergrundinformationen zum Forschungsprojekt Athene 4.0.
- Lesen Sie hier den ausführlichen Ergebnisbericht zum Projekt.
Verschiedene Autoren analysieren in fünf Texten die Situation im Handwerk und untersuchen, wie Handwerksbetriebe digitale Anwendungen für sich nutzen können. Digitale Lösungen könnten Arbeitsprozesse vereinfachen, die Kommunikation innerhalb des Unternehmens und mit Kunden verbessern und ein Wettbewerbsvorteil im Fachkräftemangel sein. Im Mittelpunkt des Projekts stand die Entwicklung einer Software für Marketing, Vertrieb, Netzwerkmanagement und Unternehmensprozesse des Handwerks. Konkret ging es um "eine im Arbeitsalltag erprobte digitale Serviceplattform mit Web-Zugang und mobilem Zugang, die Handwerksbetriebe, Kundinnen und Kunden digital zusammenbringt und vernetzt". Hierzu wurden mit Beteiligung von Wissenschaft, Handwerk und Softwareentwicklern "Wege zur Digitalisierung der Arbeitsprozesse erprobt und Potenziale wie auch Widerstände ermittelt".

Digitalisierung braucht Vorbereitung und Geduld

Digitalisierung erfordere gute Vorbereitung und Geduld vor und während des Umstellungsprozesses, lohne sich aber unbedingt. "Zur Erschließung dieses Digitalisierungspotenzials in den Betrieben müssen entsprechende Kompetenzen und Knowhow ausgebaut (…) werden." Die Betriebe müssten ihre Beschäftigten deswegen rechtzeitig "passgenau und personenzentriert" schulen. Denn bei der Fülle an Möglichkeiten in Verbindung mit digitalen Anwendungen komme es gerade in Kleinbetrieben auf Zielgenauigkeit der Einführung in neue Arbeitsmittel und die entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter an. Nicht jeder müsse alles können, deswegen schlagen die Autoren eine Bestandsaufnahme der Aufgabenfelder von Beschäftigten vor, bevor Weiterbildungen durchgeführt und neue, digitale Aufgaben zugeteilt werden. "Ziel muss sein, zwar alle Beschäftigten in der Digitalisierung mitzunehmen, dabei aber niemanden grundlegend zu über- oder unterfordern."

Projektziel Ziel des Projektes Athene 4.0 ist die Konzipierung von niederschwelligen Lösungen zur Digitalisierung im Handwerk, um die Durchdringung mit digitalen Lösungen anzuschieben. Daher fokussiert das Projekt Athene 4.0 zum einen die digitalisierte Unterstützung der Abläufe im betrieblichen Alltag (interne Auftragsabwicklung), insbesondere auch die Kommunikation zu den mobilen Mitarbeitergruppen solcher Handwerksbetriebe. Zum anderen wird eine digitale Serviceplattform auf Netzwerkebene entwickelt, mit der beispielsweise Architekten beziehungsweise Bauleiter, die Kunden und die verschiedenen Gewerke unter- und miteinander kommunizieren und Daten austauschen können. (…) Aus wissenschaftlicher Sicht gilt es zudem Erkenntnisse über den umfassenden täglichen Einsatz solcher Systeme zu erlangen mit dem Ziel einer Übertragbarkeit auf andere Branchen sowie Hindernisse und Barrieren zu identifizieren, die einer Durchdringung im Wege stehen. Ausgehend von den identifizierten Zutrittsbarrieren können dann adäquate Maßnahmen zur Überwindung dieser beschrieben werden. Außerdem steht die Entwicklung geeigneter Betreiber- und Geschäftsmodelle für die Serviceplattform im Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung.
Quelle: athene40.de

Ein großer Teil der Unternehmen im Handwerk stünde der Digitalisierung offen gegenüber, umgesetzt würde sie allerdings in einzelnen Anwendungsfeldern. "Damit sich Digitalisierung als Nutzen erweist, müssen Barrieren abgebaut werden", betonen die Autoren. Dazu gehörten die oben beschriebene Qualifizierung der eigenen Mitarbeiter. Alternativ seien den Betrieben qualifizierte Berater zur Seite zu stellen. Für die Implementierung digitaler Anwendungen seien neue Anwendungsfelder zur Ausweitung der Serviceleistungen oder Effizienzsteigerung bei bestehenden Leistungen zu identifizieren. Dabei seien sowohl die IT-Sicherheit und die Verfügbarkeit der technischen Infrastruktur durch kostengünstige Netznutzung sicherzustellen. Schließlich wurde im Rahmen des Projekts eine Softwarelösung erarbeitet, die "einen niederschwelligen Einstieg in eine durchgehende Digitalisierung des Auftragsabwicklungsprozesses der Betriebe bietet eine umfangreiche Planungsunterstützung" schaffe, die Bearbeitung von Arbeitsaufträgen und den Informationsaustausch mit den Mitarbeitenden vor Ort auf der Baustelle erleichtere.

Neue Technologien gewinnbringend einsetzen

Um nun das volle Potenzial eines solchen Produkts am Markt zu entfalten, bedürfe es geeigneter, auf die Produkte und Zielgruppen zugeschnittener Geschäftsmodelle. Nachhaltigen Erfolg könne das Produkt im Handwerk branchenübergreifend nur dann haben, wenn eine umfangrieche Auswahl analoger und digitaler Angebote (…) installiert werden kann. "Die Ergebnisse des Projekts geben wichtige Einsichten dazu, unter welchen Voraussetzungen Handwerksunternehmen neue Technologien und Prozesse für sich gewinnbringend nutzen können", so das Fazit von Ehlert und Hennecke. "Es wäre sehr zu wünschen, wenn Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Mittelstand und Handwerk häufiger in solchen Kontexten wie in Athene 4.0 zusammenwirken würden." Mit Hilfe solcher Projekte könne nicht nur die Innovationsdynamik gesteigert werden, sie könnten auch ein realistisches Bild der unternehmerischen Innovationspotenziale zeichnen, das als Orientierung für die Innovationspolitik dienen könne.

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Text: / handwerksblatt.de

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