Manchmal stimmt die Berufsbezeichnung nicht, manchmal ist der Name des Handwerkskammerpräsidenten falsch, oft ist der falsche Meisterbrief aber täuschend echt. Im Zweifel kann man ihn bei der Handwerkskammern prüfen lassen. (Foto: © Volker Schlichting/123RF.com)

Vorlesen:

Gefälschte Meisterbriefe: Kriminalpolizei deckt Netzwerk auf

Betriebsführung

Die Erlanger Kriminalpolizei hat ein bundesweites Netzwerk aufgedeckt: Jahrelang wurden Meisterbriefe und andere Urkunden gefälscht und teuer verkauft. Der Hauptverdächtige hat sich als Mitarbeiter der Handwerkskammer ausgegeben.

Die Zahl gefälschter Meisterbriefe, Zertifikate und Urkunden nimmt stark zu. Die Kriminalpolizei Erlangen ermittelt seit 2024 gegen ein Netzwerk professioneller Urkundenfälscher. Die Täter sollen in großem Stil mit gefälschten Meisterbriefen und weiteren Dokumenten gehandelt haben und Gewinne im sechsstelligen Bereich erzielt haben. Jetzt konnten mehrere Verdächtige identifiziert und festgenommen werden.

Der Hauptverdächtige hat sich sogar als Mitarbeiter der Handwerkskammer ausgegeben und zugesichert, die Fälschungen offiziell eintragen zu lassen - was aber nie geschah. Mit den gefälschten Dokumenten betrieben einige Käufer der gefälschten Meisterbriefe unter anderem Friseur- und Barbershops sowie Kfz-Werkstätten. Sie bildeten sogar Lehrlinge aus.

Bereits 2020 wurden bei der Handwerkskammer (HWK) Oberfranken vereinzelt gefälschte Meisterbriefe zur Eintragung in die Handwerksrolle vorgelegt. Die Handwerkskammer entlarvte die Dokumente als Fälschungen und erstattete Anzeige bei der Polizei. 2021 verdichteten sich die Spuren in Richtung Erlangen - dank intensiver und aufwendiger Ermittlungen. Parallel dazu gingen bei der Polizei vermehrt Anzeigen wegen gefälschter Sprachzertifikate und Meisterprüfungszeugnisse ein.

Meisterbriefe konsequent prüfen: Handwerkskammern bieten Zeugnis-CheckDie Handwerkskammern warnen bundesweit vor falschen Meisterbriefen, Gesellenbriefen oder Diplomen. "Arbeitgeber, die einen Meister einstellen möchten, sollten deshalb im Zweifelsfall immer bei der Handwerkskammer nachfragen, die - angeblich - diese Urkunde ausgegeben hat", rät Dr. Markus Peifer, Bereichsleiter Organisation und Recht beim Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH). Die Handwerkskammern können vorgelegte Urkunden kostenfrei checken. Mehr dazu lesen Sie hier

Das könnte Sie auch interessieren:

Die Ermittlungen führten zunächst zu einem 47-jährigen türkischen Staatsbürger. Er wurde im April 2024 wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung in 48 Fällen sowie wegen der Fälschung beweiserheblicher Daten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Doch noch vor Abschluss des Verfahrens tauchten erneut gefälschte Dokumente in mehreren Bundesländern auf, vor allem in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Berlin.

Die Kriminalbeamten werteten in akribischer Arbeit zahlreiche Unterlagen aus den vorausgegangenen Durchsuchungen aus. Dabei konnten sie dem 47-Jährigen eine Vielzahl von Taten nachweisen und ein hinter ihm stehendes Netzwerk aus Zwischenhändlern aufdecken, darunter seine 41-jährige Partnerin. Angesichts der Vielzahl neuer Fälle gründeten sie im November 2024 die Arbeitsgruppe (AG) "Fälschung".

Bundesweite Durchsuchungen 

Im Januar 2025 organisierte die AG "Fälschung" eine großangelegte, bundesweite Durchsuchungsaktion. Schwerpunkt war der bayerische Raum. Durchsucht wurden unter anderem Wohnungen, Büroräume und Copyshops. Beamte der Kriminalpolizei, Einsatzzüge sowie Digitalforensiker stellten umfangreiche Beweismittel und abholbereite Fälschungen sicher. Während der 47-Jährige vor seiner Verhaftung ins Ausland flüchtete, wurden gegen seine Lebensgefährtin und einen weiteren mutmaßlichen Zwischenhändler Haftbefehle vollstreckt.

Gefälschte Meisterbriefe, Sprachtests und Einbürgerungsnachweise 

In der Auswertung der gesicherten Unterlagen gelang es den Ermittlern, dem 47-Jährigen zahlreiche weitere Taten nachzuweisen und sein Netzwerk detailliert offenzulegen. Die Gruppe soll nicht nur Meisterbriefe und Meisterprüfungszeugnisse gefälscht haben, sondern auch "Leben in Deutschland"-Zertifikate, Sprachzertifikate für Einbürgerungen, Bescheinigungen für das Sicherheitsgewerbe sowie weitere Fachkundenachweise. 

Am 24. November 2025 gelang es den Beamten einen 51-jährigen deutschen Zwischenhändler festzunehmen. Er muss sich nun wegen Beihilfe zur gewerbsmäßigen Urkundenfälschung in mehreren Fällen verantworten und befindet sich in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen der Kripo Erlangen gegen den 47-Jährigen und sein Netzwerk wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung dauern weiter an.

Polizei warnt vor strafbaren Käufen

Die Kriminalpolizei Erlangen weist in dem Zusammenhang darauf hin, dass bereits der Kauf gefälschter Urkunden strafbar ist - selbst dann, wenn sie noch nicht verwendet wurden.

Hinweis für Copyshop-Betreiber

Copyshops werden gebeten, bei Verdacht auf Fälschungen die Polizei zu informieren. Verdächtig können insbesondere sein:

  • Druckaufträge von Zertifikaten oder Urkunden für Dritte ohne Unterschrift,

  • Ausdrucke mit Namen verschiedener Personen.

Quelle: Polizeipräsidium Mittelfranken (Kai Schmidt / bl)

DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!

Text: / handwerksblatt.de

Das könnte Sie auch interessieren: