Kirchenmaleermeisterin Fabienne von der Hocht. (Foto: © Markus von Offern)

Kirchenmaleermeisterin Fabienne von der Hocht. (Foto: © Markus von Offern)

Glänzendes Meisterstück

Betriebsführung

Fabienne von der Hocht stammt aus einer Malerfamilie. Während ihr Vater und ihr Opa in Quadratmetern denken, arbeitet sie lieber auf kleineren Flächen. Seit diesem Sommer ist sie Kirchenmalermeisterin.

Das Malerhandwerk liegt in ihrer Familie. Seit fünf Generationen besteht der Betrieb in Krefeld-Oppum. Ob Fabienne von der Hocht die lange Tradition fortsetzen würde, stand nach ihrem Abitur zunächst in den Sternen. "Ich habe lange geschwankt, ob ich ein Studium oder eine Ausbildung beginne", blickt die 24-Jährige zurück. Etwas Kreatives sollte es sein. Und eine noch unentdeckte Nische. Bei der Recherche im Internet ist sie auf die Kirchenmalerei gestoßen. Eine Einladung der Malerinnung München für ihren Großvater gab dann den letzten Anstoß. "Er konnte den Termin nicht wahrnehmen, also sind mein Vater und ich nach München gefahren." Auf der Kirchenmalertagung hat sie den Chef ihres Ausbildungsbetriebs kennengelernt.

Danach ging alles ganz schnell, "ab ins kalte Wasser". Vom Rheinland ins tiefste Bayern, zu den Neubauer Restaurierungswerkstätten, direkt am Chiemsee. Bei dem auf die professionelle Restaurierung sakraler und profaner Kunst- und Kulturgüter spezialisierten Betrieb hat Fabienne von der Hocht das "alte Handwerk von der Pike auf" gelernt. "Heutzutage werden die Farben von der Industrie vorgegeben, wir haben sie aus Pigmenten und mit Bindemittel selbst hergestellt", nennt sie als Beispiel. Während ihrer Ausbildung zur Kirchenmalerin ist sie viel unterwegs. Sie arbeitet in ganz Bayern und in Österreich. Fast jeden Monat gibt es interne Schulungen für die Auszubildenden. "Über das Jahr verteilt haben die Meister mit uns sieben bis acht Techniken vertieft", erinnert sie sich. Sie lernt viel, will aber noch mehr wissen. Also hängt sie an die Ausbildung die Meisterschule dran.

Entdeckung auf dem Feld

Der Vollzeitlehrgang in München, der einzigen Meisterschule für dieses Handwerk in ganz Deutschland, dauert rund ein Jahr. Fünf Arbeiten werden insgesamt für die Meisterprüfung gefordert. Als Highlight betrachtet Fabienne von der Hocht die Gestaltung einer Heiligenfigur. Ihre Wahl fällt auf Apollonia von Alexandria, die Patronin der Zahnärzte, die sie in einer kleinen Kapelle auf einem Feld entdeckt. Ein Bildhauer aus Regensburg schnitzt ihr die Figur aus Lindenholz nach. Danach muss die angehende Kirchenmalermeisterin selbst Hand anlegen. Zunächst wird die Oberfläche mit einem Kreidegrund grundiert, danach eine Wochen glatt geschliffen. Das Gewand der Heiligen ist zweifarbig – außen Gold, innen Samtrot. Das aufgebrachte Blattgold poliert Fabienne von der Hocht mit einem Achat so auf, dass es strahlend glänzt. Das Rot mischt sie – wie auch die Farben für die Haut, die Haare, den Märtyrerzweig (eines der Attribute der Heiligen Apollonia) und das Untergewand – selbst auf einer Palette an. Bis auf den Kragen beschichtet sie das dunkelblaue Untergewand mit Silber. Mit Hilfe einer Pauszeichnung und Radierhölzchen kratzt sie dann vorsichtig Ornamente aus der Farbschicht heraus, so dass das Silber wieder sichtbar wird. Um die Farben und das leicht oxidierende Silber zu schützen und um abgestufte Glanzgrade zu erzielen, werden sie mit verschiedenen historischen Lacken versiegelt. Mit dem Ergebnis ist sie zufrieden. "Eine tolle handwerkliche Arbeit."

Im August hat Fabienne von der Hocht die Meisterprüfung mit sehr gutem Erfolg bestanden. Zurzeit arbeitet sie im Betrieb ihres Vaters, der Malerwerkstatt Stefan von der Hocht, mit. Statt in Quadratzentimetern muss sie nun in Quadratmetern denken. Aber das ist nicht die einzige Umstellung. Die fachlichen Überscheidungen in der Ausbildung sind beim Kirchenmaler und Maler minimal. "Auf der Baustelle sind viele Arbeitsschritte für mich ungewohnt." Parallel zum Tagesgeschäft will sich die junge Meisterin allmählich ihre eigenen Standbeine im elterlichen Betrieb aufbauen. Zu vier Bistümern in NRW hat sie bereits Kontakte geknüpft, damit sie sich bei ihnen vorstellen kann. "Wenn eine Kirche restauriert werden muss, wenden sich die Gemeinden als erstes an ihr Bistum, das dann den Auftrag für die Arbeiten vergibt", erklärt sie.

Einen ersten Erfolg konnte sie schon verbuchen. Das rheinische Amt für Denkmalpflege hat sie nach Pulheim eingeladen. Dort konnte sie ihre Referenzen zeigen, die Restauratorenwerkstätten besichtigen und sich einige Tipps für die Auftragsakquise sichern. Neben der sakralen Kunst hat Fabienne von der Hocht noch ein weiteres Geschäftsfeld ins Auge gefasst. "Ich möchte mein historisches Wissen in die Moderne übertragen", sagt sie. Rund um Krefeld gibt es viele gute Kunden, die gestalterisch in ihrem Wohnumfeld "haben möchten, was nicht jeder hat".

Keine Angst vor der Konkurrenz

Das alles wird seine Zeit brauchen. Zumal die Konkurrenz groß ist. Auf dem Markt tummeln sich viele studierte Restauratoren, deren fachpraktische Ausbildung im Studium aber nicht mit der im Handwerk vergleichbar ist. Deshalb bleibt Fabienne von der Hocht relativ gelassen. "Nur weil ich Handwerkerin bin, heißt das nicht, dass ich es fachlich nicht draufhabe", sagt die Kirchenmalermeisterin selbstbewusst.

Text: / handwerksblatt.de