Die Unternehmerfamilie Först mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert (r.). Nicht auf dem Foto ist Frank Först, denn der hatte eine wichtige Baubesprechung: In Düsseldorf entsteht eine neue U-Bahnlinie. Ein großes Projekt für das Metallbauunternehmen.

Die Unternehmerfamilie Först mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf Andreas Ehlert (r.). Nicht auf dem Foto ist Frank Först – er hatte eine wichtige Baubesprechung. In Düsseldorf entsteht eine neue U-Bahnlinie. Ein großes Projekt für das traditionsreiche Metallbauunternehmen. (Foto: © Kirsten Freund)

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Handwerk an Rhein und Ruhr unter Druck: Hohe Preise und Reformstau

Die Konjunktur im Handwerk tritt auf der Stelle. Hohe Energie- und Materialkosten bremsen Betriebe aus. Der Präsident der Handwerkskammer Düsseldorf, Andreas Ehlert, fordert eine Stromsteuer-Senkung und Reformen.

Die Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf hat ihr Frühjahrs-Konjunkturgutachten vorgestellt. Die zentrale Botschaft: Die Konjunktur im Handwerk tritt weiter auf der Stelle. "Wir befinden uns im vierten Jahr einer Phase ohne nennenswertes Wachstum", sagte Handwerkspräsident Andreas Ehlert vor der Presse. Die sonst übliche Frühjahrsbelebung ist bei den Betrieben ausgeblieben. Mit über 61.000 Mitgliedsbetrieben ist die HWK Düsseldorf eine der größten Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft in Deutschland. Der Kostendruck – insbesondere durch die gestiegenen Kraftstoffpreise – hat sich zuletzt deutlich verschärft. Ehlert: "Die rasanten Preissprünge schlagen da voll durch."  

Die von der Bundesregierung beschlossenen Entlastungsmaßnahmen bei Energiekosten bewertet die Kammer differenziert. "Kurzfristige Entlastungen, wie die temporäre Senkung der Energiesteuer, helfen für den Augenblick, lösen aber keine strukturellen Probleme. Was wir brauchen sind dauerhaft niedrigere Energiekosten über eine Senkung der Stromsteuer."

Gerade im Kontext der politisch gewollten Elektrifizierung der Wärmeversorgung und der Mobilität sei die Senkung der Stromsteuer der richtige Hebel. "Ein günstigerer Energieträger Strom würde viele Märkte von allein in die richtige Richtung lenken", so Ehlert. Stattdessen würden nun fossile Energieträger entlastet – das sei ein falsches Signal für die Transformation. Für mehr Wachstum erwartet die Kammer ein "tragfähiges Gesamtkonzept für Rente, Krankenversicherung, Sozialausgaben, Steuern". 

Erfolgreiches Handwerksunternehmen mitten in der Stadt: Metallbau Först

Ihre Umfrage präsentierte die Kammer in der Werkstatt von Metallbaubetrieb Hermann und Josef Först (Metallbau Först). Das traditionsreiche Familienunternehmen in Hinterhoflage der Landeshauptstadt steht beispielhaft für viele Handwerksbetriebe: 1899 gegründet ist es über Generationen gewachsen, hat sich vom klassischen Schlosserbetrieb zum Experten für Glaskonstruktion, Fassaden- und Objektplanung mit 25 Mitarbeitern entwickelt.

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Viele Gebäude an der Königsallee - von der Deutschen Bank, über den Kaufhof bis zum Schmuckhaus Wempe haben Metallarbeiten – etwa Sicherheitstüren und -tore – der Firma Först. Größtes Projekt aktuell sind die Arbeiten an der neuen U-Bahnlinie U81, mit der die Stadt an den Flughafen angebunden werden soll. Aber auch kleinere Aufträge wie die einer von einem Künstler gestalteten Schaukel für die Kinderausstellung "Playground" im Museum K20 nimmt das Unternehmen gerne an. "Wir müssen uns breit aufstellen", sagt Hermann Josef Först.

In zentraler Hinterhoflage in Düsseldorf befindet sich seit 100 Jahren Metallbau Först. Das Unternehmen selbst gibt es schon seit 1899. Foto: © Kirsten FreundIn zentraler Hinterhoflage in Düsseldorf befindet sich seit 100 Jahren Metallbau Först. Das Unternehmen selbst gibt es schon seit 1899. Foto: © Kirsten Freund

Metallbau Först hat sich in den 127 Jahren Firmengeschichte immer den Herausforderungen der Zeit gestellt. Gerade ist es neben dem Nachwuchsproblem der Kostendruck bei Materialen, Energie und Lieferkosten, der Hermann Josef Först und seinen Vetter Christian Först als persönlich haftende Gesellschafter beschäftigt. Der Betrieb hat zum Beispiel einen Fuhrpark mit zehn Diesel-Fahrzeugen. "Ein passender Elektrotransporter war bisher auf dem Markt nicht verfügbar."

Eine weitere Herausforderung für den Betrieb ist die hochpreisige Wohnbebauung, die immer näher an das Betriebsgelände heranrückt – mit entsprechenden Konflikten. "Aber wir halten Stand", lacht Hermann Josef Först. Die zentrale Lage mit guter Anbindung ans Autobahnnetz sei unschlagbar – wenn die innerstädtischen Dauerbaustellen denn einmal fertig sind. Und mit Tochter Silke Först und deren Mann Frank Först steht die vierte Generation schon bereit.

Handwerkskammer arbeitet mit der Stadt an einem "Masterplan Handwerk"

Für die Handwerkskammer ist es ein zentrales Thema, dass Gewerbebetriebe wie Metallbau Först in der Stadt bleiben können – und auch neue entstehen können.  "Wenn solche Unternehmen verloren gehen, verlieren wir Wirtschaftskraft, kommunale Steuereinnahmen, Ausbildungs- und Arbeitsplätze und damit Wohlstand", warnt Kammerpräsident Andreas Ehlert. Die Handwerkskammer verhandelt daher seit Jahren mit der Stadt Düsseldorf über die Sicherung von Gewerbeflächen. Inzwischen gibt es einen "Masterplan Handwerk", in dem das Thema verankert ist.

Geopolitische Unsicherheiten und Reformstau

Einen größeren Einfluss auf Konjunktur im Handwerk haben aber momentan die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung, fehlende wirtschaftliche Impulse, geopolitische Spannungen und die hohe Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern. "Wirtschaft ist zu einem sehr großen Teil Psychologie", sagt Präsident Ehlert. "Wenn das Vertrauen fehlt, bleiben die Aufträge aus."

Der Geschäftsklimaindex im Bezirk der HWK Düsseldorf liegt aktuell bei 105 Punkten. Alles über der neutralen 100-Punkte-Marke gilt als positiv, alles darunter als negativ. "Das ist nicht dramatisch schlecht, aber weit entfernt von den Werten früherer Frühjahre", so Ehlert. Ein gutes Drittel der Betriebe (34 Prozent) bewertet die aktuelle Lage als "gut", 22 Prozent als "schlecht". Doch diese Stabilität sei trügerisch: "Wachstum findet kaum noch statt", betont Ehlert. 

Sonderumfrage zu den Kraftstoffpreisen 

Gleichzeitig steigen die Kosten bei Energie, Material und Logistik massiv. In einer Sonderumfrage der Kammer gaben 41 Prozent der Betriebe an, dass die gestiegenen Kraftstoffpreise "starke oder sehr starke Auswirkungen" auf ihre Betriebskosten haben.

Nur fünf Prozent konnten diese Kosten vollständig an ihre Kunden weitergeben, 25 Prozent teilweise und 70 Prozent agieren abwartend und drücken die steigenden Kosten zunächst in ihre Marge.

Wie das in der Praxis aussieht, erläutert Hermann Josef Först. Der temporäre Steuerabschlag von 17 Cent bei Benzin und Diesel für zwei Monate bringe einem durchschnittlichen Pkw-Nutzer bei 15.000 Kilometern Jahreslaufleistung und 6,5 Litern Verbrauch rund 30 Euro Ersparnis. Für den Betrieb mit zehn Fahrzeugen summiere sich das auf etwa 300 Euro in zwei Monaten – "das ist nett, aber im Grunde eine Randnotiz". Auf der anderen Seite stünden Mehrbelastungen von rund 7.300 Euro pro Jahr für die Fahrzeugflotte des Betriebs.

Hinzu würden drastisch gestiegene Logistik- und Servicezuschläge der Lieferanten kommen. Seit 2024 berechnen viele Händler pauschale Zuschläge pro Lieferung – unabhängig vom Warenwert. Zunächst waren es fünf Euro pro Lieferung, mittlerweile seien es 75 bis 90 Euro, in einem Fall im Glasbereich sogar 135 Euro je Anlieferung. "Wir kommen auf eine Mehrbelastung von rund 40.000 Euro im Jahr – nur durch diese Servicezuschläge."

Auch im Bereich der Baumaterialien schlägt die geopolitische Lage durch. Bitumen (zum Beispiel für Dachdecker), Kunststoffe und andere erdölbasierte Produkte werden teurer, Transportkosten steigen, berichtet Ehlert. Viele Händler geben nur noch Tagespreise.

Die Lage im Handwerk ist differenziert

Die aktuelle Lage im Handwerk ist entsprechend unterschiedlich: Bauhaupt- und Ausbaugewerbe stehen im Vergleich noch am besten da. Die Branche profitiert von Instandhaltungsmaßnahmen und energetischen Sanierungen in einem bereits weitgehend bebauten Regierungsbezirk. Dennoch ist die Hochphase vergangener Jahre vorbei, die Zahl der Baugenehmigungen und die Hoffnung auf Dynamik wurden durch Kriege und Unsicherheit wieder ausgebremst. Das milliardenschwere Sondervermögen für Infrastruktur zeigt im Handwerk bislang kaum Wirkung.

Das Lebensmittelhandwerk (Bäcker, Konditoren und Fleischer) kämpft mit hohen Rohstoffkosten bei gleichzeitig engen Spielräumen für Preiserhöhungen. "Das Brötchen kann nicht beliebig teurer werden", so Ehlert. Sonst wandern Kunden in den Supermarkt ab.

Handwerke für den gewerblichen Bedarf, dazu gehören unter anderem Metallbauer, hängen eng an der Industrie. Hier ist das Geschäftsklima mit 97 Punkten unter dem ohnehin verhaltenen Durchschnitt des Gesamthandwerks. Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist in dieser Branche binnen eines halben Jahres von 9,8 auf 7,4 Wochen gefallen. "Bei knapp acht Wochen wird es schon schwierig, Beschäftigung zu sichern", so Ehlert.

Das Kfz-Handwerk spürt deutlich, dass Haushalte bei steigenden Lebenshaltungskosten sparen. Wartungen werden verschoben, Reparaturen hinausgezögert. Kleine Betriebe geraten ins Hintertreffen

Auffällig ist die Entwicklung nach Betriebsgrößen

Während der Geschäftsklimaindex bei größeren Unternehmen mit über 50 Beschäftigten von 105 auf 119 Punkte gestiegen ist, sinkt er bei kleinen Betrieben deutlich. Bei Solo-Selbstständigen fällt er von 111 auf 101 Punkte.

In der Umsatzentwicklung spiegelt sich das wieder: Nur bei den größten Betrieben ist die Umsatzbilanz noch leicht positiv, bei allen anderen überwiegen Umsatzrückgänge. Besonders betroffen: Betriebe mit weniger als 20 Beschäftigten – und diese machen rund 90 Prozent aller Handwerksunternehmen aus. Kleinstbetriebe sind oft stark von einzelnen Auftraggebern, berichtet Unternehmer Först aus Erfahrung auch im handwerklichen Ehrenamt: "Wenn es dem einen Kunden schlecht geht, trifft es sie voll.

Fachkräftebedarf ist noch da, nimmt aber ab

Am Arbeitsmarkt zeigt sich ein gemischtes Bild, so die Handwerkskammer Düsseldorf. Nach wie vor würden 29 Prozent der Betriebe Fachkräfte einstellen, "wenn sie denn welche finden würden", so Ehlert. Im vergangenen Herbst lag dieser Wert noch bei 36 Prozent, im Frühjahr zuvor sogar bei über 40 Prozent. Der Bedarf ist also noch da, nimmt aber ab. Insgesamt geht die Beschäftigung im Handwerk leicht zurück.

Etwa jeder fünfte Betrieb (20 Prozent) hat im letzten Jahr Personal abgebaut. Große Entlassungswellen gebe es zwar nicht, betont die Kammer, doch der Rückgang sei kontinuierlich. Eine Rolle spielt die Altersstruktur: Viele ältere Beschäftigte gehen in den Ruhestand, ohne dass ausreichend Nachwuchs nachrückt.

Für Handwerksbetriebe wie Metallbau Först gehört Ausbildung zum Selbstverständnis des Betriebs. "Sie geben Menschen Brot und Arbeit, sie bilden aus, sie sorgen dafür, dass es in dieser Stadt weitergeht", lobt Ehlert den Gastgeberbetrieb – und fügt an, viele andere Unternehmer hätten sich angesichts der Belastungen möglicherweise längst zurückgezogen und ihr Grundstück gewinnbringend verkauft.

Streitpunkt 1.000-Euro-Prämie

Für zusätzlichen Diskussionsstoff sorgt in der Branche die von der Bundesregierung angekündigte steuer- und abgabenfreie 1.000-Euro-Prämie für Beschäftigte, die die Arbeitgeber zahlen sollen. "Für uns ist das keine Entlastung, sondern eine Belastung", sagen die Unternehmer. Im Grunde handele es sich um eine Lohnfrage, die in die Tarifverhandlungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften gehöre – nicht in den politischen Raum. "Der Staat kann uns nicht einfach per Schlagzeile verpflichten, 1.000 Euro pro Kopf oben draufzulegen", so Först. Bei 25 Beschäftigten wären das 25.000 Euro Zusatzbelastung.

Hinzu komme die Unklarheit der Ausgestaltung. "Wir haben unseren Steuerberater gefragt, wie das abgewickelt werden soll. Es gibt keine Antwort", sagt Först. Auch Ehlert kritisiert die Maßnahme: "Das ist eine Entlastung zulasten Dritter – nämlich der Unternehmen. Viele Betriebe stehen selbst mit dem Rücken zur Wand und haben nicht die Spielräume, eine solche Prämie flächendeckend zu zahlen." Deutlich mehr Zustimmung findet die Idee, Überstunden und Zuschläge für Nachtarbeit steuerlich zu entlasten. "Das wäre etwas, wovon beide Seiten profitieren", sagt Först. Seine Mitarbeiter leisten häufig unregelmäßige und teils nächtliche Einsätze, etwa auf Flughäfen. 

Verlässliche steuerliche Rahmenbedingungen für den Mittelstand

Die meisten Handwerksbetriebe sind Personengesellschaften; für sie ist die Einkommensteuer die entscheidende Unternehmenssteuer. Diskussionen über Steuererhöhungen träfen direkt die Investitionskraft der Inhaberinnen und Inhaber, so die Kammer.

Die Sozialabgabenlast von heute über 40 Prozent der Bruttolöhne sei für beide Seiten – Arbeitgeber wie Arbeitnehmer – ein Kernproblem. Präsident Ehlert begrüßt grundsätzlich, dass aktuelle Reformvorschläge im Gesundheitswesen strukturelle Fragen angehen, kritisiert aber zwei Punkte: die außerordentliche Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Krankenversicherung um zusätzlich 300 Euro monatlich, wodurch vor allem Leistungsträger wie angestellte Meister noch stärker belastet würden; die Finanzierung versicherungsfremder Leistungen, etwa die Krankenversicherung von Grundsicherungsempfängern, ausschließlich aus Beiträgen der gesetzlich Versicherten.

Nachdem der breit angekündigte "Herbst der Reformen" ausgeblieben ist, brauche der Mittelstand nun dringend "ein Frühjahr der Reformen". 

Andreas Ehlert bleibt Präsident – Özlem Yarar und Sandra Gronemeier sind neue VizepräsidentinnenEinen Tag vor der Veröffentlichung des Konjunkturgutachtens wurde Andreas Ehlert zum Präsidenten der Handwerkskammer Düsseldorf wiedergewählt. Neue Vizepräsidentinnen sind Özlem Yarar und Sandra Gronemeier – und damit erstmals zwei Frauen. Mehr dazu lesen Sie hier

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Text: / handwerksblatt.de

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