Dieter Dohr, Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen.

Dieter Dohr, Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen. (Foto: © GHM)

"In unserer schnelllebigen Zeit ist Netzwerken wichtiger als je zuvor"

Betriebsführung

Interview: Die Internationale Handwerksmesse (IHM) 2022 erstmalig mit begleitendem Kongress- und Eventformat Zukunft Handwerk

Im Interview Dieter Dohr, Geschäftsführer der Gesellschaft für Handwerksmessen zur Zukunft der IHM.

DHB: Herr Dohr, mit der Neuausrichtung der IHM, verbunden mit Zukunft Handwerk, einem neuen, parallel stattfindenden Kongress und Event, gehen Sie neue Wege. Was hat Sie dazu veranlasst?
Dieter Dohr: Unser Unternehmen und unsere Veranstaltungen stehen seit jeher für Marktrelevanz, Neukontakte, Wissenstransfer und Innovation. Diesem Anspruch wollen wir gerecht bleiben, dazu reagieren wir auf die veränderten Bedürfnisse unserer Kunden und Märkte. Netzwerken ist in unserer schnelllebigen Zeit wichtiger als je zuvor. Diese Tatsache bedienen wir mit dem neuen Format. Auch der Wissenstransfer hat sich verändert: Menschen wollen relevante, aktuelle Themen multimedial erleben. Mit der neuen, virtuellen Komponente und dem Live-Event im ICM in München bringen wir den Wissenstransfer für Handwerksunternehmer auf das nächste Level. Flankierend zu dem Live-Event und der digitalen Umsetzung laufen neben der klassischen Medienberichterstattung die Social-Media-Kanäle heiß: Hier reichen wir mit unseren Inhalten und Impulsen hinein in die Kapillaren des Handwerks.

DHB: Die Messelandschaft wurde durch die Ereignisse rund um die Corona-Pandemie gehörig auf den Kopf gestellt, klassische Messeformate wurden und werden plötzlich grundsätzlich auf den Prüfstand gestellt. Inwiefern haben diese Ereignisse Ihre Entscheidung beeinflusst?
Dieter Dohr: Bereits vor der Pandemie haben sich rund um das Messewesen strukturelle Veränderungen bemerkbar gemacht. Somit haben wir bereits 2019, also vor Corona, mit der Neukonzeption begonnen. Der Trend zu Fachmessen, den auch wir durch unsere hochkarätigen Fachformate unterstützen, aber auch die Dynamik für den Messemarkt durch digitale Angebote, verlangen nach angepassten Konzepten. Deshalb waren wir lange vor Corona bestrebt, Dinge neu zu denken, den Prozess der Veränderung anzustoßen und den Mut zu haben, neue Wege zu gehen. Am Puls der Zeit war die Pandemie sicherlich eine Art Beschleuniger, was Zukunft Handwerk und das hybride Angebot betrifft. Die digitale Teilnahme an dem Event stößt nun erfreulicherweise auf vertrautes Terrain, denn hybride Veranstaltungen sind durch die letzten Monate gelernt.

DHB: Welche Angebote erwarten den Handwerker in beiden Messeformaten, der Zukunft Handwerk und der IHM?
Dieter Dohr: Auf der Zukunft Handwerk ist das individuell zusammenstellbare Konferenz- und Eventprogramm sicherlich ein Jahreshighlight für Handwerksunternehmer und Politik: Die Netzwerkflächen – live und digital – bieten Raum für spontane Gespräche, interessante Geschäftsanbahnungen und zur Diskussion und Lösung eigener Problemstellungen. Die zwei großen Abendveranstaltungen vor Ort unterstützen ebenso wie die integrierten Show Acts auf informelle Art und Weise, aber in hochkarätigem Rahmen, die Zielsetzungen des Konferenzprogramms: Vernetzung und Wissenstransfer. Die Preisverleihungen der Bundes- und Staatspreise sind zwar Tradition, werden aber neu inszeniert und ihrer Gewichtigkeit entsprechend in Szene gesetzt. Umrahmt und untermauert wird das Kongress- und Eventprogramm durch Programmpunkte mit der Bundespolitik und der Handwerkspolitik. Handwerksunternehmer stehen auf der Zukunft Handwerk im Fokus: Für sie werden, abgeleitet von den Megatrends Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Nachwuchs beziehungsweise Fachkräftemangel, Themen beleuchtet, Lösungen erarbeitet und Trends diskutiert. Die Internationale Handwerksmesse als reine Publikumsveranstaltung mit Fokus auf Bauen, Sanieren und Modernisieren richtet ihr Angebot von nun an konsequent an den Bedürfnissen der Endkunden aus. Die IHM wird ein Ort, den man mit der besten Freundin, dem Partner oder der gesamten Familie besucht, um Produkte anzufassen, zu testen und sich rundum professionell beraten zu lassen. Das Angebot reicht vom selbstgemachten Kissenüberzug über Tiny Houses bis hin zu Tipps rund um den Hausbau. Die IHM steht für erstklassiges Handwerk, Produkte, Lösungen und Dienstleistungen vom Handwerk für uns. Das werden wir zukünftig durch themenspezifische Rundgänge, den Ausbau des Food-Bereiches und der Themenfläche Das Haus als Live-Werkstatt noch interaktiver gestalten. Last but not least bleibt ein Höhepunkt der Veranstaltung die kunsthandwerkliche Kompetenz mit der «Handwerk & Design». Mit dem Thema sind wir weit über die Grenzen des Landes einmalig aufgestellt und deutschlandweit im Handwerk sehr anerkannt. Die IHM wird zwar reine Endkundenveranstaltung bleibt, aber eben, wie bisher, ein breites Schaufenster des handwerklichen Angebotes. Das ist unser Ziel und unser Anspruch.

DHB: Wie sehen die digitalen Angebote von Zukunft Handwerk im Einzelnen aus?
Dieter Dohr: Zukunft Handwerk wird das neue, hybride Kongress- und Eventformat für das gesamte Handwerk. Konkret bedeutet das, dass das komplette Konferenzprogramm der drei Tage live gestreamt wird. Unternehmer, die Handwerksorganisationen mit ihren Partnern und Politiker aus ganz Deutschland können dabei sein, wenn die Zukunft, Trends und wichtigsten Themen des Handwerks diskutiert und beleuchtet werden. Zudem beteiligen wir alle digitalen Teilnehmer bei relevanten Formaten interaktiv, unter anderem mittels Abstimmungen oder Fragestellungen. Das Matchmaking, das auf einem Algorithmus basierte Verknüpfen passender, interessanter Kontakte im digitalen Raum, macht Zukunft Handwerk künftig ebenfalls möglich. Um den besten Nutzen aus der Veranstaltung zu ziehen und ihre individuellen Themen anzugehen, stellen die Teilnehmer für die gesamte Laufzeit ihr persönliches Programm zusammen und wechseln auch im Netz zwischen den verschiedenen Bühnen und Themen. Egal ob live vor Ort oder digital im Netz: Zukunft Handwerk liefert Impulse und Erkenntnisse. Der Expo-Bereich wird ebenfalls ins Netz gespielt: Die digitalen Teilnehmer können mit den Ausstellern, die sich vor Ort live präsentieren, über den Chat in Kontakt treten und auch hier individuelle Lösungen erleben und erarbeiten.

DHB: Als Gesellschaft für Handwerksmessen bieten Sie neben der IHM und der Zukunft Handwerk weitere Fachmessen wie die opti, iba, die IFH/Intherm, die FAF Farbe, Ausbau & Fassade oder die Dach+Holz für einzelne Gewerkegruppen an. Wird es auch hier konzeptionelle Veränderungen geben?
Dieter Dohr: Die kommende Veränderung zieht keine konzeptionelle Notwendigkeit für andere Messen in unserem Portfolio mit sich. Klar ist, dass jede Messe mit all ihren Stärken und individuellen Charakteristika für sich betrachtet werden muss. Neue Konzepte lassen sich nicht zwingend übertragen, nicht jedes Format passt zu jeder Veranstaltung und deren Zielgruppe. Jede Branche hat unterschiedliche Bedürfnisse. Daher evaluieren wir für unsere Fachmessen individuell und passgenau all jene Bereiche eines Events, bei denen der Live-Part nicht ersetzt werden kann und solche, die ortsunabhängig umsetzbar sind. Das größte Augenmerk liegt dabei auf dem Kundennutzen, der nicht auf der virtuellen Strecke bleiben darf. Das hybride Angebot der Zukunft Handwerk lässt sich beispielsweise für die IHM nicht einfach adaptieren, denn auf der Publikumsveranstaltung geht es vor allem darum, das Handwerk und die Handwerker zu erleben, um die persönliche Beratung, das Anfassen, Tasten, Schmecken und Sehen. Messeübergreifend waren wir allerdings tatsächlich aktiv: Künftig gestalten wir all jene Prozesse und Bereiche für Messeteilnehmer digital effizienter und einfacher, die den Mehrwert einer Messe an sich nicht tangieren. So haben wir in der GHM den gesamten Bereich Customer Services mit unserem Ausstellerportal vollumfänglich digitalisiert: Von der Anmeldung bis hin zur Bestellung der technischen Standausstattung und Mediaservices, aber auch das Einsehen von Zulassung und Beteiligungsrechnung – hier ist in Zukunft alles in einem Portal gebündelt und einsehbar.

DHB: Zum Schluss ein Blick in die Zukunft: Für das nächste Jahr steht für die GHM eine Vielzahl von Messen auf dem Programm. Wie schätzen Sie die Resonanz ein, sollte die Durchführung der Messen wie geplant laufen können?
Dieter Dohr: Wir gehen nach dem turbulenten letzten Jahr davon aus, dass die kommenden Herbst- und Winterveranstaltungen unter den gebotenen Maßgaben zur sicheren Durchführung stattfinden. Der gestrige Beschluss des Bayerischen Staatskabinetts, dass Messen ab August sogar früher als geplant wieder an den Start gehen dürfen, bestärkt uns in dieser Sichtweise. Das Wiederanfahren großer Branchentreffs wird uns allen vor Augen führen, wie sehr die Wirtschaft von diesen Begegnungen profitiert. Messen sind Zukunftsplattform und Wirtschaftsmotor in einem. Wir als GHM veranstalten in diesem Jahr noch die Heim+Handwerk und Food & Life als Publikumsmessen, bevor 2022 die opti, die Dach+Holz, die FAF Farbe, Ausbau & Fassade sowie die Zukunft Handwerk, IHM und die IFH/Intherm die einzelnen Gewerke beziehungsweise Gewerkgruppen wieder an einem Ort, zu einem Zeitpunkt und zu den wichtigsten Branchenthemen und Geschäftskontakten zusammenbringen. Darauf freuen wir uns gemeinsam mit unseren Kunden, wie das nie zuvor der Fall war.

Text: / handwerksblatt.de

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