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HWK Münster | Oktober 2026
Handwerkskammer feiert 1.440 neue Meistertitel
Neun von zehn Jungmeistern blicken optimistisch in ihre berufliche Zukunft – am 11. Oktober fand die Freisprechung in der Halle Münsterland statt.
(Foto: © cocon)
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13. Oktober 2026
cocon-Gründer macht sich in der 14-tägigen Kolumne Werkbank + Wandel dieses Mal Gedanken darüber, warum es gut ist, immer einen Schritt nach dem anderen zu gehen.
Wir müssen das große Rad drehen! Wir brauchen einen umfassenden Transformationsprozess, den großen Wurf. Das muss alles anders. Jetzt. Ok, dann morgen. Aber dann sichtbar und natürlich: Erfolgreich! Wann hat etwas bei dir und bei euch zuletzt so funktioniert?
Oder anders gefragt: Wann habt ihr zuletzt diesen Frust erlebt? Das Team zieht nicht mit. Die neue Plattform wird nicht genutzt. Der neue Prozess funktioniert nicht wie gedacht. Veränderung, Überforderung, Beschwerden, Kritik, Resignation. Ok, das funktioniert bei uns einfach nicht. Aber kann es sein, dass das Problem gar nicht in der Veränderung liegt? Vielleicht erwarten wir einfach zu früh zu große Entwicklungsschritte. Dabei wissen wir alle, wie Entwicklung tatsächlich funktioniert. Jeder von uns hat irgendwann laufen gelernt. Und wie? Richtig, in Babyschritten.
Aufstehen. Einen Fuß vor den anderen setzen. Hinfallen. Wieder aufstehen. Etwas anders machen. Festhalten. Loslassen. Noch einmal probieren.
Der Trick war, dass wir nicht aufgehört haben. Wir haben aus jedem Versuch gelernt, unsere Bewegungen angepasst und es wieder probiert. Deine Eltern wären damals jedenfalls nicht auf die Idee gekommen, nach dem dritten Sturz zu sagen: "Das mit dem Laufen ist offenbar nichts für ihn oder sie"
Im Arbeitsalltag machen wir genau das erstaunlich oft. Wir führen ein neues Tool ein, verändern einen Prozess oder probieren ein neues Format aus. Und wenn es nicht sofort funktioniert, zweifeln wir an der ganzen Idee. Dabei bräuchten wir keine neue Idee, sondern nur den nächsten Versuch.
So und nun mal ganz konkret zum Umgang mit diesen Emotionen, die da in Veränderungsprozessen immer hochkommen. Lass mich an der Stelle kurz eine Anekdote erzählen:
Als unser erster Sohn geboren wurde, schrie er wie am Spieß. Während ich ihn in ein Tuch wickelte wurde sein Schreien immer intensiver. Dabei wollten wir doch nur, dass er es warm hat. Offenbar sah man mir meine Überforderung an. Die Hebamme sagte: "Herr Riedl, Sie machen nichts falsch. Aber versetzen Sie sich einmal in seine Lage. Was würden Sie machen, wenn man Sie in einer Kapsel auf den Mars schießt, sich die Luke öffnet und ein Alien Sie in Schmirgelpapier einwickelt?"
Was sich für den einen wie ein logischer und richtiger Schritt und Vorgang anfühlt, kann für den anderen eine vollkommen neue Welt sein. Ein neues Programm, eine neue Verantwortung oder eine neue Arbeitsweise mag auf dem Papier vernünftig erscheinen. Für die Menschen, die damit arbeiten sollen, bedeutet sie zunächst oft Unsicherheit. Manchmal Überforderung. Vielleicht sogar Angst.
Das heißt nicht, dass wir Veränderung so lange zerreden sollten, bis nichts mehr von ihr übrig ist. Aber wir können versuchen, Perspektiven zu berücksichtigen. Wir können mitnehmen, Orientierung geben und unsere Erwartungen daran anpassen, wie schnell jeder von uns seine ersten sicheren Schritte macht.
Geben wir uns Zeit. Bleiben wir dran. Ein Fuß vor den anderen. Immer wieder. Babyschritte.
Eine 14-tägige Kolumne von Daniel-John Riedl und Markus Mazur
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