Der auf der Fachmesse IFFA ausgetragene, internationale Leistungswettbewerb der Fleischerjugend hat Max Gruber einen Vorgeschmack darauf gegeben, was die Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks bei den EuroSkills in Graz an öffentlichem Interesse erwarten dürfte.

Der auf der Fachmesse IFFA ausgetragene, internationale Leistungswettbewerb der Fleischerjugend hat Max Gruber einen Vorgeschmack darauf gegeben, was die Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks bei den EuroSkills in Graz an öffentlichem Interesse erwarten dürfte. (Foto: © Deutscher Fleischer-Verband)

EuroSkills 2020: Imagegewinn ist wichtiger als eine Medaille

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Die Fleischer werden zum ersten Mal bei den EuroSkills vertreten sein. Für den Chef-Trainer der deutschen Nationalmannschaft zählt in Graz vor allem, den vielseitigen Beruf einem großen Publikum im besten Licht zu präsentieren.

Für das Metzgerhandwerk ist ein Kräftemessen verschiedener Länder nichts Neues. Den internationalen Wettbewerb der Fleischerjugend gibt es schon seit 1971. Im Jahr 2004 hat Max Gruber ihn gewonnen. Seitdem engagiert sich der Betriebsinhaber aus Franken für den Berufsnachwuchs. Die erstmalige Teilnahme des Fleischerhandwerks an den EuroSkills in Graz (Österreich) bringt jedoch einige Veränderungen mit sich. "Beim internationalen Wettbewerb der Fleischerjugend sind wir immer mit einem zwei- oder dreiköpfigen Team angetreten. Bei den EuroSkills wird es nur einen Einzelkämpfer geben", vergleicht der Chef-Trainer der Fleischer-Nationalmannschaft.

Ausschlaggebender dürfte aber der räumliche Aspekt sein. Die Europa- und Weltmeisterschaften der Berufe präsentieren sich in großen Messehallen einem neugierigen und begeisterungsfähigen Publikum. Medien aus aller Welt berichten darüber. "Zuvor fanden die Wettbewerbe nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit in einer Schule oder in einem Zerlegebetrieb statt. Bei den EuroSkills werden wir unser Handwerk viel besser darstellen können", hofft Max Gruber.

IFFA gibt einen Vorgeschmack

Chef-Trainer Max Gruber (Mitte) und Team-Chefin Nora Seitz prüfen beim internationalen Leistungswettbewerb der Fleischerjugend in Frankfurt kritisch die Arbeit eines deutschen Teilnehmers. Foto: © Deutscher Fleischer-VerbandChef-Trainer Max Gruber (Mitte) und Team-Chefin Nora Seitz prüfen beim internationalen Leistungswettbewerb der Fleischerjugend in Frankfurt kritisch die Arbeit eines deutschen Teilnehmers. Foto: © Deutscher Fleischer-Verband

Einen Vorgeschmack hat der 45-Jährige schon im vorigen Jahr erlebt. Auf der Fachmesse IFFA wurde der internationale Leistungswettbewerb der Fleischerjugend ausgetragen. Von dem zweitägigen Event in Frankfurt am Main ist ihm besonders der Auftritt des Schweizer Fanblocks in Erinnerung geblieben. "Die haben mit ihren Kuhglocken unheimlich für Stimmung gesorgt." Über eine solche Unterstützung für das deutsche Team würde sich der Chef-Trainer auch vom 6. bis 10. Januar 2021 in Österreich freuen. "Die Eidgenossen sind richtig stolz auf ihr Land und auf ihren Beruf, aber das deutsche Metzgerhandwerk ist so gut, dass es sich nicht dahinter zu verstecken braucht." Das wird Franz Gawalski beweisen müssen. Der 22-jährige Fleischermeister aus Sachsen hat sich in einem Auswahlverfahren innerhalb der Nationalmannschaft als Kandidat für Graz herauskristallisiert.

Auswahlverfahren der Nationalmannschaft Im Fleischerhandwerk werden beim Leistungswettbewerb nur noch die Kammer- und Landessieger ermittelt. Der Bundesleistungswettbewerb wird seit dem Jahr 2018 nicht mehr ausgetragen. Alle Landessieger aus dem Fleischerhandwerk können sich um einen Platz im Nationalteam bewerben. Über die Aufnahme entscheidet das Präsidium des Deutschen Fleischer-Verbandes auf Empfehlung von Teamchefin Nora Seitz, Chef-Trainer Max Gruber und Co-Trainer Christian Schneider. "Heuer haben wir sieben Neue dazu bekommen. Zwei oder drei von ihnen schaffen es in die engere Auswahl für internationale Wettkämpfe", erklärt Max Gruber. Entscheidend sei nicht nur das berufliche Können. Die Vorbereitung und Teilnahme beanspruchen sehr viel Zeit. "Dabei muss auch der Betrieb mitspielen. Sonst ist die Belastung zu groß."

In Europa gibt es nicht das Fleischerhandwerk. "Schweizer, Franzosen, Holländer – sie alle gehen unterschiedlich an die Verarbeitung der Produkte heran", weiß Max Gruber aus langjähriger Erfahrung. Deshalb zeigt der Chef-Trainer des deutschen Teams den Teilnehmern, wie es die Jury bei internationalen Wettbewerben sehen möchte. "Man kann üben, wie man will, wenn man nicht weiß, was gefordert wird." Bei den EuroSkills wird die gesamte Palette des Berufsbildes zu sehen sein. Handwerkliche Basisfähigkeiten wie das Zerlegen oder der Feinzuschnitt sind genauso gefragt wie der kreative Part, der etwa bei der Disziplin "Aus Europas Regionen" ausgelebt werden kann.

Teammitglieder beraten als Paten

Foto: © EuroSkills 2020 GmbHFoto: © EuroSkills 2020 GmbH

"In der Vorbereitung arbeiten wir uns von Disziplin zu Disziplin vor", kündigt Max Gruber an. Neben Teamchefin Nora Seitz und Co-Trainer Christian Schneider werden auch die anderen Mitglieder der Nationalmannschaft eingebunden. Sie stehen Franz Gawalski als Paten bei Disziplinen wie "Grillplatte" oder "Küchenfertiges" beratend zur Seite. "Die eine kommt aus Niedersachsen, ein anderer aus Baden-Württemberg. Dieser Austausch bringt alle weiter." Mindestens vier bis fünf Treffen plant Max Gruber in seinem Betrieb in Großweingarten, rund 35 Kilometer südwestlich von Nürnberg gelegen, zusammen mit Franz Gawalski sowie den Paten ein. Die restliche Vorbereitung sind "Hausaufgaben". "Franz schickt mir oder der Trainergruppe einige Fotos von seinen Arbeiten, die er im Betrieb gemacht hat. Wir geben ihm dann eine Rückmeldung, was er noch verbessern oder verfeinern kann."

Bei den EuroSkills werden die Fleischer zunächst als Demonstrationswettbewerb vertreten sein. Über die Erfolgsaussichten von Franz Gawalski kann der Chef-Trainer zurzeit wenig sagen. "Ich habe mit ihm noch nicht so viel gearbeitet, aber ich denke, dass es keinen klaren Favoriten gibt und für jeden alles offen ist." Ob die Leistung am Ende für eine Medaille reicht, hänge von der Tagesform, aber auch von der Aufgabenstellung und den Zutaten der Überraschungsdisziplin ab. Viel wichtiger als die Platzierung ist Max Gruber jedoch der erhoffte Imagegewinn. "Wir wollen den Verbrauchern wieder bewusst machen, dass es sich bei Fleisch um ein hochwertiges Nahrungsmittel handelt, das bei den deutschen Metzgern in den besten Händen ist."

Text: / handwerksblatt.de

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