Bestmeister Henrik Kieslich

Bestmeister Henrik Kieslich (Foto: © HWK Dortmund)

„Präzises Arbeiten ist genau das Richtige für mich“

Vom Studienabbrecher zum Bestmeister – Henrik Kieslich startete außerhalb der Uni noch mal so richtig durch.

"Das Thema Mechanik hat mich immer schon fasziniert. Ich wollte schon als Jugendlicher immer wissen, wie eine Maschine funktioniert und warum", erzählt Henrik Kieslich (38), Feinwerkmechanikermeister. Aus diesem Grund schrieb sich der gebürtige Kamener nach dem Abitur an der Ruhr-Universität Bochum für den Studiengang Elektrotechnik und Informationstechnik ein. Über eine Lerngruppe suchte er nicht nur den fachlichen Austausch, sondern auch Motivation für das anspruchsvolle Studium. "Ich studierte quasi ohne Ziel. Das Erreichen des Abschlusses war der einzige Zweck für das Festhalten am Studium. Außerdem wollte ich natürlich vor meiner Familie und Freunden das Gesicht bewahren." Nach sechs Semestern und zwei missglückten Klausuren fehlten die notwendigen Leistungspunkte zum Weiterführen seines Studiums, woraufhin die Exmatrikulation folgte. Dennoch wollte Kieslich studieren. Also wechselte er das Fach und sah bei dem Studiengang Mechatronik an der Hochschule Bochum (BO) einen größeren praktischen Bezug. Voraussetzung dafür war ein achtwöchiges Vorpraktikum, das er bei der Stromboli GmbH in Bochum absolvierte. Dort werden feinwerktechnische Einzelteile und Baugruppen von hoher Qualität konstruiert, gefertigt und montiert.

Zum Start des Studiums konnte Kieslich sich einige Leistungsnachweise von der Uni anrechnen lassen und stieg direkt ins dritte Semester ein. Neben seinem Studium arbeitete er ein bis zwei Tage in der Woche als Aushilfe bei der Firma Stromboli. Doch bald schon merkte er, dass es ihm nach dem Studienwechsel nicht besser ging. "Ich hatte einen ganz anderen Rhythmus als meine Lerngruppe, konnte mich nicht motivieren. Letztendlich sträubte sich alles in mir, einen Hörsaal zu betreten. Ich hatte regelrecht Angst und suchte die Hilfe des psychologischen Hochschuldienstes". Er litt an einer depressiven Angststörung, wie sich herausstellte.

Ausbildung zum Feinwerkmechaniker

Zum Semesterende verließ er die BO und meldete sich bei der Arbeitsagentur arbeitssuchend. Bei der Firma Stromboli weitete er seine Arbeitszeit aus und arbeitete zwei Monate als Aushilfe. Kieslich war in seinem Element. Das merkte auch der Geschäftsführer von Stromboli, Andreas Köppel und bot ihm einen Ausbildungsplatz an. Doch Kieslich zweifelte noch. "Henrik sagte mir damals, er wolle nicht sein Leben lang Klötzchen fräsen", erinnert sich Andreas Köppel.

2010 machte Henrik Kieslich Nägeln mit Köpfen und startete seine Ausbildung zum Feinwerkmechaniker. "Die Ausbildung veränderte alles. Mein Ehrgeiz war endlich zurückgekommen und die Depression verschwunden. An den grundlegenden manuellen Tätigkeiten wie anreißen, körnen, bohren, sägen und feilen habe ich großen Spaß gehabt. Ich bin ein pingeliger Typ und das präzise Arbeiten war genau das Richtige für mich", Kieslich weiter. Um sich auf seine Abschlussprüfung gezielt vorbereiten zu können, arbeitete er immer wieder an prüfungsrelevanten Übungsstücken. 2012 hat er dann als Bestgeselle abgeschlossen, seine Meisterprüfung vor zwei Jahren als Bestmeister. "Ich habe das gefunden, was ich sehr gut kann und was mir Spaß macht." Für komplexe Konstruktionen und Fertigungen mit hohen Qualitätsansprüchen kann er zusätzliches Wissen aus dem Studium einbringen und findet immer eine Lösung.

Handwerks-Praktikum in Semesterferien

Allen Studierenden, die an ihrem Studium zweifeln, rät Kieslich, sich alle Optionen offen zu halten, gegebenenfalls zu pausieren und in den Semesterferien vielleicht mal bei einem Praktikum das Handwerk kennenzulernen. Die Beratungsstellen an den Hochschulen arbeiten sehr eng mit den Handwerkskammern zusammen. So konnte die HWK Dortmund Henrik Kieslich als Experten für die digitalen Campus-Sprechstunden gewinnen, in denen er von seinen Erfahrungen berichtet.

Im Rahmen des Projekts "Passgenaue Besetzung" unterstützen die Berater*innen und Lehrstellenvermittler*innen der Handwerkskammer (HWK) Dortmund alle Interessenten für eine duale Berufsausbildung. Sie beraten zu den Berufen, den Angeboten am Ausbildungsmarkt, vermitteln in Praktika und helfen bei einem Neustart in eine berufliche Zukunft. "Wir kooperieren sehr eng mit den Hochschulen und Universitäten und versuchen Studienabbrecher für unsere Handwerksbetriebe zu gewinnen. Schließlich bringen sie viel Erfahrung mit und können in der Regel dieAusbildungszeit verkürzen", weiß Jasmin Strassburger, Beraterin der Passgenauen Besetzung bei der HWK Dortmund.

 

Hintergrund und Kontakt Hintergrund Ausführliche Beratung und Hilfestellung bei der Lehrstellensuche und Bewerbung geben die Berater*innen der Passgenauen Besetzung und Lehrstellenvermittler*innen der Handwerkskammer Dortmund.
Kontakt Jasmin Strassburger, Beraterin der Passgenauen Besetzung, Tel. 0231 5493451, E-Mail: jasmin.strassburger@hwk-do.de; Sonja Ehlert, Beraterin der Passgenauen Besetzung, Tel. 0231 5493475, E-Mail: sonja.ehlert@hwk-do.de

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Text: / handwerksblatt.de

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