Handwerksunternehmer Sven Hochmann

Handwerksunternehmer Sven Hochmann (Foto: © Hochmann Holz Concept)

Saarländisches Design mit Fans im Nachbarland

Tischlermeister und Handwerksunternehmer Sven Hochmann berichtet im Interview über seine Arbeit im Betriebsstandort in St. Ingbert.

Tischlermeister Sven Hochmann ist seit 17 Jahren im Handwerk selbstständig. An seinem Betriebsstandort in St. Ingbert entwirft er Möbel und andere Holzkreationen, die seine zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die internationale Kundschaft des Betriebs produzieren. Seit der Pandemie setzt Hochmann in seinem Betrieb noch stärker auf Digitalisierung. Das kommt insbesondere bei seinem Team gut an.

DHB: Herr Hochmann, als einer von neun saarländischen Handwerksbetrieben haben Sie Ende Oktober einem französischen Gastazubi Einblicke in Ihren Betriebsalltag gewährt. Wie haben Sie und Ihr Team diese Woche erlebt?
Hochmann:
Ehrlich gesagt waren wir im Betrieb erst etwas skeptisch, da wir nicht wussten, wer uns eine Woche bei der Arbeit begleiten würde und wie die Kommunikation aufgrund der Sprachbarriere funktionieren würde. Einer unserer Mitarbeiter hat sich dann nichtsdestotrotz bereit erklärt, den Auszubildenden aus der Normandie für eine Woche in seiner Familie aufzunehmen. Das Eis war recht schnell gebrochen, schließlich verbindet uns alle in diesem Handwerk die Leidenschaft zur Holzverarbeitung und zum Möbelbau. Während des Austausches wurden unterschiedliche Vorgehensweisen und Arbeitsmethoden in den einzelnen Ländern sichtbar. Über diese Unterschiede haben wir natürlich diskutiert, aber auch das ein oder andere Mal gelacht. Kommunikationsprobleme zwischen den Mitarbeitern gab es nicht wirklich, hier fand man immer einen guten Weg. Interessant für mich war auch ein längeres fachliches Gespräch mit einem Vertreter der Handwerkskammer der Normandie, den ich bei dem Austausch kennenlernen durfte. Ich bin der Meinung, dass die Begegnung für alle Beteiligten eine wirkliche Bereicherung war und freue mich auf den nächsten Azubi-Austausch. (schmunzelt) Bis dahin sollte auch unserer Gästezimmer zuhause fertiggestellt sein.

DHB: Sie arbeiten häufig für Auftraggeber in Luxemburg. Was macht das Auslandsgeschäft dort, verglichen mit anderen Nachbarländern wie Frankreich, besonders attraktiv?
Hochmann:
Wir arbeiten seit nunmehr 17 Jahren in Luxemburg und haben die Veränderung und Entwicklung vor Ort genau miterlebt. Es ist sagenhaft, wie schnell sich das kleine Land entwickelt und wie viel dort gebaut wird. Ich wollte immer besondere und hochwertige Möbel planen wie auch bauen und liebe die Herausforderung bei komplizierten Projekten. Durch die Ansiedlung großer internationaler Unternehmen und ihrer Belegschaften haben wir dort den richtigen Kundenstamm für uns gewonnen. Der bürokratische Aufwand, der notwendig ist, um Arbeiten im Großherzogtum durchführen zu können, ist zwar umfangreich aber deutlich geringer als im benachbarten Frankreich. Hier sind die bürokratischen Hürden mitunter so hoch, dass man als deutsches Handwerksunternehmen schon mal den Eindruck bekommen kann, auf dem französischen Markt unerwünscht zu sein.

DHB: In Ihrem Betrieb sind vier junge Frauen beschäftigt. Das ist außergewöhnlich für ein Handwerksunternehmen in Ihrem Gewerk. Wie wirkt sich der Geschlechtermix auf die Arbeit in Ihrem Unternehmen aus?
Hochmann:
Es macht für mich keinen Unterschied, ob eine freie Position von einer Frau oder einem Mann besetzt wird. Die Leidenschaft zur Materie muss vorhanden sein. Natürlich ist es ein körperlich anspruchsvoller Beruf. Aber auch nicht jeder männliche Mitarbeiter ist ein Herkules und nicht jeder Herkules kann filigran arbeiten. Wir versuchen immer, einen guten Mix der einzelnen Fähigkeiten unter unseren Mitarbeitern zu generieren. Jedoch ist dies im von uns angestrebten Maße erst möglich geworden, als wir zur Entlastung unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Vakuum-Hebehilfen oder ähnliche Hilfsmittel investiert haben. Seitdem sind Arbeitsgänge, die früher einen Kraftakt darstellten, für eine zierliche Frau oder einen Mann leicht zu stemmen. Der erhöhte Frauenanteil macht sich auch in den kollegialen Umgangsformen positiv bemerkbar.

DHB: Ihr Unternehmen hat im Rahmen des Programms "Digitalstarter" finanzielle Förderung für die Einführung einer Planungssoftware erhalten. Einen Teil der Investitionssumme hat Ihr Unternehmen selbst beigesteuert. Was hat sich durch die Einführung des Tools in Ihrem Unternehmen verändert?
Hochmann:
Das Förderprogramm ist eine gute Sache. Einige Programme und die dazu erforderlichen Umstellungen sind sehr kostspielig. Durch die finanzielle Unterstützung von Landesseite und die Beratung der Handwerkskammer wurde uns der Weg zur Umsetzung erleichtert. Die Planungssoftware ermöglicht es uns, viel Arbeitszeit einzusparen, die Fehlerquote durch Übertragungsfehler in Stücklisten oder Plänen konnte auf null reduziert werden. Der Arbeitsfluss in der Fertigung wurde dadurch erheblich verbessert. Unsere Monteure bekamen Toughpads, auf denen sich die sämtliche Dokumentation und Pläne befinden. Fehlende Maße oder genaue Positionen können damit selbst auf der Baustelle abgerufen werden. Probleme bei der Montage lassen sich im Büro schnell korrigieren und unsere Monteure können die geänderten Daten vor Ort unmittelbar abrufen. Digitale Rapportzettel, die per Mail − direkt nach Unterschrift − im Büro eintreffen, sowie digitale Beschlags-Kataloge für Monteure zur Ersatzteilbestellung, sind hierfür nur ein paar kleinere Beispiele, die die Investition lohnenswert machen. Nach den zahlreichen Umstellungen haben wir nun im Betrieb zu einem leichteren, effizienteren Arbeiten gefunden. 

DHB: Sie sind seit 17 Jahren im Handwerk selbstständig. Wie soll sich Ihr Betrieb in den nächsten Jahren weiterentwickeln? 
Hochmann:
Die Antwort auf diese Frage fällt aufgrund der Pandemiesituation definitiv anders aus als noch vor zwei Jahren. Flächenmäßig haben wir an unserem jetzigen Standort in St.Ingbert die Grenzen erreicht. Wir haben uns 2019/2020 für den Kauf einer neuen Immobilie interessiert. Geplant waren außer einer viel größeren Produktionshalle auch weitere Großmaschinen. Die Auftragsbücher waren auf viele Monate im Voraus gefüllt. Durch den Lockdown und seine Folgen sind bei uns unzählige Projekte im Büro-Laden-Messebau sowie im Veranstaltungsbau weggebrochen. Wir waren froh, keine größeren Verbindlichkeiten zu haben und dadurch flexibel zu bleiben. So ein Ausmaß hätte ich nie für möglich gehalten und es ist bedenklich, wie zerbrechlich eine Lieferkette sein kann. Den Kauf der Immobilie, wie die sehr hohen Investitionen in weitere Maschinen habe ich daraufhin verworfen. Aktuell liegen uns wieder Bestellungen für die bevorstehenden neun Monate Jahr vor. Nach den Erfahrungen des letzten Jahres, muss ich mir ernsthaft überlegen, ob der Betrieb in seiner Größe mit zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern überhaupt noch wachsen soll. Es muss nicht immer schneller, höher weiter sein. Ich plane vorerst, am jetzigen Standort zu bleiben, die Mitarbeiterzahl nicht zu vergrößern und weiterhin in modernste Technik und Maschinen zu investieren.

 

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Text: / handwerksblatt.de

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