(Foto: ┬ę kebox/123RF.com)

Vorlesen:

Brandenburg: Was wurde aus den letzten Wahlversprechen?

Am 22. September findet in Brandenburg die Landtagswahl statt. Entscheidend f├╝r die Chancen der Koalition aus SPD, CDU und Gr├╝nen wird sein, wie die W├Ąhler die Leistungen in den vergangenen f├╝nf Jahren einsch├Ątzen. Was wurde erreicht? Was sagt das Handwerk?

Der Koalitionsvertrag der Landesregierung versprach zu Beginn der Legislaturperiode 2019, dass ein neues, ambitioniertes Kapitel für Brandenburg geschrieben werde. Es kam bekanntlich anders: Dem Regierungsstart folgten in kurzer Abfolge Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg, gesto╠łrte Lieferketten, Energieknappheit und eine zeitweilig deutliche Inflation. So befand sich auch die Brandenburger Landesregierung u╠łber lange Strecken der Legislaturperiode im Krisenmodus. Fu╠łr das ma╠łrkische Handwerk waren vor allem die Aktivita╠łten des Wirtschafts- und des Infrastrukturministeriums von Bedeutung. Das DHB fragte in beiden Ha╠łusern nach, was konkret fu╠łr das Handwerk getan wurde.

Landesregierung unterstützt vielfältig

Das Ministerium fu╠łr Wirtschaft, Arbeit und Energie (MWAE) zieht folgende Bilanz: Die Landesregierung engagiert sich stark fu╠łr den Handwerksberuf und unterstu╠łtzt das Handwerk bei seinen vielfa╠łltigen Herausforderungen. Das Aktionsprogramm "Zukunft des Handwerks im Land Brandenburg" bu╠łndelt eine Vielzahl von Maßnahmen der Landesregierung, Kammern, Innungen und Gewerkschaften.

Fu╠łr die Sicherung zuku╠łnftiger Fachkra╠łfte im Handwerk ist die Duale Ausbildung entscheidend. Dazu finden im Rahmen des Ausbildungskonsenses Maßnahmen der Kampagne "Brandenburg will Dich! Hier hat Ausbildung Zukunft." statt. Der Brandenburgische Ausbildungspreis motiviert Unternehmen, gut auszubilden und macht sie bekannt. Hinzu kommen die Unterstu╠łtzungen u╠łberbetrieblicher Ausbildungssta╠łtten bei der Anschaffung moderner Technik aus REACT-EU-Mitteln. Gru╠łndungen, U╠łbernahmen und Nachfolgen von Handwerksbetrieben zu fo╠łrdern ist ein weiterer Fokus. Mit der Meistergru╠łndungspra╠łmie konnten zwischen 2019 und 2023 insgesamt 680 Antra╠łge mit einem Fo╠łrdervolumen von mehr als 5,7 Millionen Euro bewilligt werden. Das Fo╠łrderprogramm "Unternehmensnachfolge" des MWAE unterstu╠łtzt die Sensibilisierung von KMU fu╠łr fru╠łhzeitige Nachfolgeregelungen.

Traditionelle Fertigkeiten plus Digitalisierung sichern die Wettbewerbsfa╠łhigkeit des Handwerks. Dabei unterstu╠łtzen Angebote, zum Beispiel BIG digital, der Mikrokredit Brandenburg oder die GRW-Investitionsfo╠łrderung. Das Regionale Zukunftszentrum Brandenburg bietet kostenfreie Beratungen und Qualifizierungsangebote zur Gestaltung des digitalen Wandels an und wird vom Ministerium kofinanziert. Das "Digitalwerk - Zentrum fu╠łr Digitalisierung im Handwerk und Mittelstand" bietet Handwerksbetrieben praxisnahe Workshops an.

Das k├Ânnte Sie auch interessieren:

Investitionen helfen dem Handwerk

Im Ministerium fu╠łr Infrastruktur und Landesplanung (MIL) blickt man auf folgende Ergebnisse: Das MIL ist das Investitionsministerium des Landes Brandenburg. Seit Beginn der Legislatur liegt ein Schwerpunkt auf dem Ausbau der klimafreundlichen Mobilita╠łt. Auch Investitionen in Wohnen, Stadtentwicklung und Sta╠łdtebau unterstu╠łtzen Handwerk und Wirtschaft. Allein im Jahr 2023 flossen insgesamt 447 Millionen Euro in den Erhalt und den Ausbau von Straßen, Bru╠łcken oder Radwegen. Fu╠łr 2024 stehen fu╠łr solche Vorhaben rund 439 Millionen Euro Bundes- und Landesmittel zur Verfu╠łgung.

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen wurde die Wohnraumoffensive kontinuierlich verfolgt. So wurden in der Wohnraumfo╠łrderung in den Jahren 2019 bis 2022 insgesamt 4.355 Wohneinheiten mit einem Gesamtvolumen von 595 Millionen Euro bewilligt. 2023 standen weitere 176 Millionen Euro zur Bewilligung zur Verfu╠łgung. In diesem Jahr wurden die Mittel nochmals aufgestockt und liegen nun bei rund 205 Millionen Euro. Die Wohnraumfo╠łrderung ist ein wichtiger Motor fu╠łr den Bausektor. Bereits 2020 hat das MIL die Brandenburgische Bauordnung novelliert und verschiedenen Handwerksberufen mehr Kompetenzen bei der Erstellung von Bauvorlagen eingera╠łumt.

Ein immens wichtiger Bestandteil bei der Unterstu╠łtzung der Sta╠łdte – und damit auch des Handwerks – ist die Sta╠łdtebaufo╠łrderung. Das MIL begleitet Kommunen auf ihrem Weg, ihre Innensta╠łdte und Stadtteile lebenswerter und attraktiver zu gestalten. Hier hat das MIL allein im vergangenen Jahr rund 86 Millionen Euro investiert und 109 sta╠łdtebauliche Gesamtmaßnahmen unterstu╠łtzt.

Handwerk erwartet mehr von der Politik

Aus Sicht des brandenburgischen Handwerks sind aber la╠łngst nicht alle Erwartungen erfu╠łllt worden. Insbesondere der angeku╠łndigte Bu╠łrokratieabbau blieb aus.

Karsten Kirchhoff, Landesinnungsmeister des Landesinnungsverbands des Dachdeckerhandwerks Land Brandenburg, verweist auf den Forderungskatalog, den das Dachdecker- und Tischlerhandwerk an die ku╠łnftige Landesregierung formuliert hat. Zu den Forderungen geho╠łren insbesondere eine deutliche Ru╠łcknahme von Dokumentations- und Aufzeichnungspflichten fu╠łr die Betriebe sowie eine Sta╠łrkung der betrieblichen Ausbildung, etwa in Form von Zuschu╠łssen zur U╠łberbetrieblichen Lehrlingsunterweisung oder der Schaffung von Wohnangeboten fu╠łr Auszubildende.

Auch Erik Jaß, Obermeister der Baugewerks-Innung Oderland, sieht keine spu╠łrbaren Fortschritte beim Bu╠łrokratieabbau, weder beim Bund noch im Land. "Die Auflagen haben eher zugenommen", stellt Jaß fest. Das Gleiche gelte fu╠łr die Dauer der Planungsverfahren bei Infrastrukturvorhaben. Auch hier sei keine Beschleunigung festzustellen. "Fu╠łr unsere Betriebe ist es wichtig, dass sie zeitnah auf ihre Baustellen kommen." Verkehrstechnisch sei man aber am Rande des Oderbruchs weiterhin abgeha╠łngt. Das Langzeitprojekt der Oder-Lausitz-Trasse mit dem fehlenden Teilstu╠łck zwischen Booßen und der B167 sei ein treffendes Beispiel. Mit dem drohenden Schwerlastverkehr auf der B1 durch die geplante neue Grenzbru╠łcke werde sich die verkehrliche Situation auch fu╠łr die Handwerksbetriebe in der Region weiter verschlechtern.

Silvia Schu╠łtz, Innungsobermeisterin der Friseur-Innung Uckermark, wu╠łnscht sich, dass die Politik im Land das Handwerk bei ihren Entscheidungen sta╠łrker einbeziehe. Das gelte beispielsweise fu╠łr den wirtschaftlich folgenreichen Beschluss zur Erho╠łhung des Mindestlohns, auch wenn dieser im Bund getroffen wurde. "Das Friseurhandwerk und auch die Kosmetikerbetriebe finden in der Uckermark kaum noch Auszubildende", sagt Silvia Schu╠łtz. Die Arbeit verteile sich auch deshalb auf immer weniger Personal. Hier erwartet Silvia Schu╠łtz mehr Unterstu╠łtzung von der Politik. Fu╠łr die Region sei es daru╠łber hinaus wichtig, dass fu╠łr das PCK Schwedt eine langfristige Zukunftslo╠łsung gefunden werde.

Andrea Eberhardt, Gescha╠łftsfu╠łhrerin des Landesinnungsverbands der Fliesen-, Platten- und Mosaikleger Brandenburg in Potsdam, wu╠łnscht sich mehr Investitionen in die Ausbildung, ku╠łrzere Wege und bessere Wohnmo╠łglichkeiten fu╠łr Auszubildende. "Es wa╠łre gut, wenn die Politik im Land mehr den direkten Kontakt zum Handwerk pflegen wu╠łrde", sagt Eberhardt und nennt als positives Beispiel Brandenburgs Wirtschaftsminister Jo╠łrg Steinbach, der im letzten Jahr den 1. Brandenburger Fliesenlegertag zum Anlass genommen habe, um das Gespra╠łch mit den Handwerkern zu suchen.

DHB jetzt auch digital!Einfach hier klicken und für das digitale Deutsche Handwerksblatt (DHB) registrieren!

Text: / handwerksblatt.de

Das k├Ânnte Sie auch interessieren: