(Foto: © Mercedes-Benz)

Eine Welt ohne Fahrer

Mobilität - Pkw

Die Welt von morgen kommt ohne Fahrer aus. Das zeigt Mercedes Benz mit Vision Urbanetic.

Ein Skatebord ist die Mobilitätsplattform von morgen. Natürlich nicht das Skateboard, was wir alle kennen und die Jugendlichen zu waghalsigen, akrobatischen Fahrmanövern verleitet. Mercedes Benz nennt so die Plattform, in der die Ingenieure sämtliche Technik inklusive Batterie verbaut haben, um diesen Boden mit vier Rädern über die Straßen zu bewegen. Und auf dieser Plattform können die Stuttgarter ein Personentransport- oder ein Cargomodul aufbauen, in dem Mensch oder Fracht fahrerlos an einen Zielort gebracht werden können.

Organische Infrastruktur

Foto: © Mercedes-BenzMercedes Benz präsentiert nicht nur einfach ein Auto, sondern gleich ein ganzes System. "Wir müssen uns den Verkehr ganzheitlich vorstellen", sagt Volker Mornhinweg, Chef von Mercedes-Benz Vans. "Sie ist eine organische Infrastruktur, die unseren Alltag organisiert." Das Fahrzeug von morgen ist leise, elektrisch betrieben, damit – Ökostrom vorausgesetzt – emissionsfrei und braucht auch keinen Fahrer.

Die beiden Module können innerhalb weniger Sekunden ausgetauscht werden, schon hat sich ein Shuttle in einen Transporter verwandelt. 5,14 Meter ist das Fahrzeug lang, der Laderaum hat 3,70 Meter. Die Passagier- oder Ladebox kann ganz anders geplant werden, weil Lenkrad und Pedalen wegfallen. In den Zukunftsentwürfen sieht der Personentransporter fast wie ein Ei auf Rädern aus, mit scheinbar wild verteilten Fenstern. Parametrisches Design nennt sich das – und es ist das Design, um das geringste Material einzusetzen und so Gewicht zu sparen. Bis zu 12 Personen, so sagt Mercedes, haben in dem futuristischen Aufbau Platz.

Optik wie Rimowa-Koffer

Foto: © Mercedes-BenzDie Cargo-Variante erinnert eher an einen Rimowa-Koffer. Auch hier liefert das Modul dank fehlender Fahrereinrichtung Platz für zehn Europaletten und bietet ein Ladevolumen von zehn Kubikmetern. Welche Möglichkeiten das System künftig hat, demonstrieren die Stuttgarter anhand der KEP-Branche und dem Personentransport. Das zentrale Hilfsmittel, um Mensch mit dem Fahrzeug zusammen zu bringen, ist das Smartphone. Die Digitalisierung und das Internet machen es möglich.

Dabei gibt es schon heute in Ansätzen die Möglichkeiten, die das System im KEP-Bereich bietet. Mobile locker Experience, kurz Molee, ist ein mobiles Abholsystem für Pakete. Der Empfänger identifiziert den Standort mit seinem Smartphone und kann per Fingerabdruck-Identifikation sein Paket aus dem fahrerlosen Pakettransporter in Empfang nehmen.

Ordern per Smartphone-App

Foto: © Mercedes-BenzÄhnlich funktioniert es mit dem Personenverkehr. Per Smartphone kann der Nutzer das autonome Taxi ordern. Auch hier erfolgt die Identifikation per Handy und egal, wie viele Insassen schon drin sitzen, der Nutzer kann sicher sein, dass alle dafür die Berechtigung haben. Er steigt zu, kann sich am Entertainment- oder Infoprogramm im Himmel des Panoramadachs erfreuen und kann entspann am Ziel aussteigen.

Die Vision für die Baubranche ist die Lieferung von Material an die Baustelle in der Nacht. Ein automatisches System sorgt für die Be- und Entladung. Die Crew muss am nächsten Morgen nur noch die Box aufschließen, um mit der Lieferung auf der Baustelle arbeiten zu können. Das spart teure Fahrtzeit. Bis zu 30 Prozent der täglichen Arbeitszeit, so will es Mercedes in seinen Erhebungen und Expertenbefragungen herausgefunden haben, sitzen die Mitarbeiter am Steuer des Fahrzeugs. Eine Zeit, in der sie sich also nicht der eigentlichen Aufgabe widmen.

Vision mit offenen Fragen

Noch ist alles ein Vision. Aber viele der präsentierten Zukunftsprognosen lassen sich heute schon in Ansätzen beobachten. Freilich wirft das Modell auch Fragen auf. Etwa, wie es um die Daten bestellt ist: Wer hat sie, wer verwaltet sie, wie sind sie gesichert und vor Missbrauch geschützt? Können auch Standardmodule, wie sie die Version derzeit vorsieht, tatsächlich funktionieren, wenn man allein die unterschiedliche Fahrzeuglängen und -höhen sowie die Auf- und Umbauten sieht? Wem gehören die Fahrzeuge, wenn es sich um System handelt, welche Geschäftsmodelle stehen dahinter? Fragen, die die Zeit beantworten wird, meint Volker Mornhinweg. "Aber warten geht nicht, wir müssen heute damit anfangen."

Text: / handwerksblatt.de