Titian Freiherr von Wendt, Chef der ACTIVLine GmbH & Co KG, mit einem fertigen Produkt, ein Sitzbezug f√ľr Autositze made in Germany.

Titian Freiherr von Wendt, Chef der ACTIVLine GmbH & Co KG, mit einem fertigen Produkt, ein Sitzbezug f√ľr Autositze made in Germany. (Foto: ¬© Stefan Buhren)

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Sitzbez√ľge made in Germany

Autositzbez√ľge hergestellt im Hunsr√ľck? Das geht ‚Äď und sogar sehr erfolgreich und mit einer eigenen N√§herei, wie die ACTIVline GmbH & Co. KG beweist.

Man sieht sie nicht, weil man drauf sitzt – und erst, wenn der erste Becher Kaffee auf den Sitz kippt, lässt sich ahnen, wie wichtig Sitzbezüge sind. "Das gilt erst recht für geleaste Fahrzeuge, die im möglichst besten Zustand an den Leasinggeber zurückgehen sollen", ergänzt Titian Freiherr von Wendt. "Verschmierte oder beschädigte Polster können den Restwert des Fahrzeugs bei der Rückgabe drücken."

Mit seinem Unternehmen ACTIVline GmbH & Co. KG stellt der Betriebswirt und ehemalige Tesla-Vertriebsmitarbeiter für alle relevanten Automarken, vom Pkw bis zum Nutzfahrzeug, Schonbezüge her und hat rund 2.000 Modelle in seinem Programm.

Mit eigener Sattlerei

Auch die Schnittentwicklung geschieht vor Ort in Simmern. Foto: © ACTIVLine GmbHAuch die Schnittentwicklung geschieht vor Ort in Simmern. Foto: © ACTIVLine GmbH

Vor gut vier Jahren hatte von Wendt mit zwei weiteren Gesellschaftern ACTIVline übernommen, weil die Übergabe innerhalb der Familie bei den früheren Besitzern nicht möglich war. Das Besondere an dem eingesessenen, über 120 Jahre alten Unternehmen ist die Qualität "Made in Germany". Das 70-Mann-Unternehmen fertigt die Schonbezüge in der eigenen Näherei in Simmern selbst an. Mehr noch: Für die Erstellung der Prototypen leistet sich ACTIVline sogar eine eigene Sattlerei und Entwicklungsabteilung. In dem Beruf der Sattlerei bildet das Unternehmen neben Industriekaufleuten auch aus.

15 der 70 Mitarbeiter arbeiten im Schwesterunternehmen der carboluxe GmbH, die nachrüstbare Sitzheizungen produziert. "Ein Nischengeschäft, was sich aber noch lohnt", so von Wendt. Zwar werden immer mehr Fahrzeuge schon ab Werk mit Sitzheizungen ausgeliefert, allerdings gibt es viele andere Branchen, wo Heizungen immer mehr nachgefragt werden, wie zum Beispiel in der Außengastronomie, in Stadien oder in Wellness-Liegen.  Mit der Geschäftsentwicklung zeigt sich der 33-Jährige zufrieden. Seit der Übernahme hat der Umsatz von 23 Prozent auf aktuell sechs Millionen Euro zugenommen, weiteres Wachstum ist programmiert.

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Auf Wachstumskurs

Präzision ist beim Nähen gefragt - und die wird automatisch dokumentiert. Foto: ¬© Stefan BuhrenPräzision ist beim Nähen gefragt - und die wird automatisch dokumentiert. Foto: ¬© Stefan Buhren

Das liegt vor allem an der Vertriebsorientiertheit des ehemaligen Tesla-Vertrieblers. Er hat unter den Autohersteller bereits einen weiteren Kunden gewinnen können, den er als OEM, also Original Equipment Manufacturer, mit seinen Autositzbezügen beliefert. Hinzu kommen viele Sonderfahrzeugbauer für Polizei und Rettungswagen, Autohäuser, aber auch Flottenkunden und Privatkäufer, die sich für ihr Fahrzeug einen Schonbezug gönnen. Gerade mit gesticktem Logo erhöht das im Falle einer Flotte die Corporate Identity, mal ganz abgesehen von der – zumindest mit Bezug auf die Sitze – problemlosen Rückgabe von Leasingfahrzeugen.

Kommen neue Modelle auf den Markt, werden von den Kunden die Sitze zum Maßnehmen nach Simmern geschickt. "Alternativ fahren wir aber auch in die Autohäuser, um dort die passgenauen Schnitte abzunehmen, die dann in ein Muster fließen", erklärt von Wendt. "Das Muster überprüfen wir natürlich öfters, ehe wir in die Produktion einsteigen." Liegt das Schnittmuster vor, werden die einzelnen Teile aus den Stoffen geschnitten und in der Näherei weiter zum fertigen Sitzbezug zusammengenäht. Nach einem finalen Qualitätscheck werden die Bezüge verpackt und ausgeliefert.  

Jeder Schritt dokumentiert

Der Zuschnitt der einzelnen Teile für einen Autositzbezug. Foto: ¬© ACTIVLine GmbHDer Zuschnitt der einzelnen Teile für einen Autositzbezug. Foto: ¬© ACTIVLine GmbH

Jeder Produktionsschritt wird dabei strengstens überwacht, weil sich in den Sitzen Airbags befinden. "Dafür muss die Naht entsprechend genäht sein, damit im Fall eines Unfalls der Airbag auch öffnet und nicht durch feste Nähte daran gehindert wird", so von Wendt. Die Dokumentation der Airbag-Naht ist per QR-Code auf einem Etikett in jedem Sitz zu finden. In der Fertigungshalle lagern ein Großteil der Schnittmodelle. Wenn eine Bestellung für ein älteres Modell reinkommt, reicht ein Griff in das Regal, um dafür die Originalvorlage zu finden. Mehr als 2.000 Sitzbezüge kommen da zusammen. "Selbst innerhalb einer Baureihe finden sich unterschiedliche Sitze, vom Komfort- über den Standardsitz bis hin zum Sportsitz – mit zum Teil sehr deutlichen Unterschieden."

Zu den Kunden von ACTIVline zählen neben den OEM und Autohäusern vor allem Unternehmen mit großen Flotten, aber auch Handwerksbetriebe und Privatpersonen. Diese können in dem seit einigen Wochen existierenden ACTIVline Online Shop Sitzbezüge in einer Kunstleder-Stoff-Kombination für Transporter schnell und unkompliziert erwerben. Auch Sitzheizungen sind unter der Marke carboluxe online erhältlich. Für die Produktion der Sitzheizungen hat das Unternehmen eine eigene, außergewöhnliche Maschine, mit der sie die Heizdrähte aus Kohlenfasern zusammenwirkt. Sitzheizungen liefern die Hunsrücker ebenfalls an Fahrzeughersteller, Sitzproduzenten oder einzelne Autohäuser für nahezu alle Modelle.

Online-Auftritt Hier geht es zum Internetauftritt der Activline GmbH.

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Text: / handwerksblatt.de

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