Eine Lizenz zum Sägen
Fortswirtschaftsmeister Markus Rübsamen (r.) mit Timo Westen (Mitte) und Veith von Schroeders, Teilnehmer am Motorsägeführerschein von "Holz und Wald NRW".

Fortswirtschaftsmeister Markus Rübsamen (r.) mit Timo Westen (Mitte) und Veith von Schroeders, Teilnehmer am Motorsägeführerschein von "Holz und Wald NRW". (Foto: © Oliver Krato)

Motorsägenführerschein: Lizenz zum Sägen

Beim Baumfällen teilt sich die Spreu vom Weizen. Deshalb sollten private Waldbesitzer den Umgang mit der Motorsäge erlernen. Der Motorsägenführerschein berechtigt in ganz Deutschland zum Bäume fällen.

Vom Prinzip ist der Baum ein gutmütiges Wesen. Mit seinen ausladenden Ästen spendet er Schatten und lädt zum Ausruhen und Verweilen ein. Doch den Bäumen in Deutschlands Wäldern geht es schlecht. Die trockenen Sommer der letzten zwei Jahre machen vor allem der Fichte zu schaffen. "Den Klimawandel können wir nicht mehr leugnen", erzählt Markus Rübsamen, Forstwirtschaftsmeister bei "Wald und Holz NRW" mit Blick auf eine Handvoll traurig ausschauender Fichten. Seit über dreißig Jahren ist der Forstwirtschaftsmeister täglich in den Wäldern unterwegs.

Frühjahr muss nass und kalt werden

Durch die anhaltende Trockenheit und den damit verbundenen Befall des Borkenkäfers beobachtet er das Absterben der Fichtenbestände. Seine einzige Hoffnung: "Wenn das kommende Frühjahr nass und kalt wird, haben die restlichen Fichten eine kleine Chance." Um nicht alleine auf Petrus‘ Laune angewiesen zu sein, hat NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser deshalb die Task Force "Borkenkäfer" gegründet. Das Programm sieht einen raschen Abtransport der geschädigten Bäume vor. So soll die weitere Vermehrung des Holzbohrers verhindert werden. Ein Mammutprojekt, das sicher nur mit der Unterstützung der privaten Waldbesitzer zu stemmen ist.

60 Prozent der Waldfläche in privater Hand

Annette Oehler ist eine der wenigen Frauen, die einen Motorsägeführerschein machen. Foto: © Oliver Krato
Annette Oehler ist eine der wenigen Frauen, die einen Motorsägeführerschein machen. Foto: © Oliver Krato

150.000 Menschen besitzen in NRW ein Stückchen Wald. Damit sind 68 Prozent der 915.000 Hektar großen Waldfläche NRWs in privater Hand. Vier der sogenannten Brennholzwerber treffe ich zusammen mit Markus Rübsamen in einem kleinen Fichtenwald in Verl."Nein, mit dem modisch gewordenen Waldbaden hat das nichts zu tun", lacht Markus Rübsamen auf meine Frage, ob ein Motorsägenführerschein in erster Linie der Entschleunigung dient.

"Es geht um Sicherheit und Verantwortung", betont der Kursleiter mit ernster Miene. Immer wieder kommt es zu schwerwiegenden Unfällen teils mit Todesfolge. Seit 1992 unterrichtet er vor allem Privatbesitzer. Eigens für die Brennholzwerber wurde der Motorsägenführerschein im Regionalforstamt Ostwestfalen-Lippe eingeführt.

Personenschutzausrüstung PSA besonders wichtig

An einfachen, geradestehenden Bäumen erlernen die Teilnehmer die Grundkenntnisse: Fällen, ausasten, Stolz sein! Die Männer sind in der Überzahl. Dabei unterrichtet der Holzexperte lieber Frauenkurse: "Frauen hören besser zu und setzen das Gelernte sofort um." Während der Holzexperte weiter auf die Wichtigkeit der Schutzausrüstung mit Schnittschutzhose und Schnittschutzschuhen eingeht, dringt zwischen den Bäumen das Geräusch der aufheulenden Motorsägen zu uns herüber. Nach einem Tag Theorie sind die vier angehenden Motorsägenprofis so fit, dass sie eigentlich Bäume ausreißen könnten. Nun soll es endlich an die Praxis gehen.

In der Ruhe liegt die Kraft

"Der größte Fehler beim Baumfällen ist Unruhe und Hektik", blickt der Baumexperte Rübsamen in die erwartungsvollen Gesichter. Eine gute Vorbereitung sei das A und O des professionellen Baumfällens. "Sonst passieren Fehler, der Baum klappt irgendwohin, wo er eigentlich nicht hin soll. Unter den Teilnehmern hört auch Stefan Schroer konzentriert zu. Der Tischlermeister hat einen Wald im Ruhrgebiet. Nach Verl ist er gekommen, um eine vernünftige Falltechnik zu erlernen. Das ist jetzt besonders wichtig, da sein Wald einen großen Fichtenanteil vorweist. "Erfahrungen machen mich immer reicher und Spaß macht es auch", setzt der Handwerker an einem sonnigen Herbsttag mitten im Wald ein zufriedenes Lächeln auf.

Noch kein Meister vom Himmel gefallen

Nach ersten Arbeitsschritten wird noch einmal über die Schönheit der Bruchleiste diskutiert. Dann heißt es auch schon: Ansetzen der Motorsäge. Wenige Minuten später erklingt ein "Aaaaaachtung". Kurz darauf landet die Fichte mit einem Krawumms auf dem Boden. Was sagt der Experte Rübsamen? Mit der Bruchleiste ist der noch nicht ganz zufrieden. Aber es ist ja auch noch kein Meister vom Himmel gefallen. Wichtiger ist dem Forstwirt, dass nach zwei Kurstagen die Teilnehmer mehr geerdet sind, die Technik beherrschen, aber vor allem wissen, wie sie sich und andere vor Unfällen schützen.

Text: / handwerksblatt.de

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