Die Unternehmer-Gruppe  im Stift Melk.

Die Unternehmer-Gruppe im Stift Melk. (Foto: © HWK Pfalz / Wickerath)

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Denkmalpflege: Zeitreise durch die Jahrhunderte

Panorama - Reise

Die zweite gemeinsame Unternehmerreise der Handwerkskammern der Pfalz und Frankfurt-Rhein-Main bot fachmännische Einblicke in die Denkmalpflege der Stadt Wien und Umgebung.

Ende 2023 reisten Inhaber und Beschäftigte von 18 Handwerksbetrieben aus der Pfalz und Hessen nach Wien: Österreichische Experten mit unterschiedlichen Schwerpunkten im Bereich der Denkmalpflege führten die insgesamt 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus verschiedenen Gewerken durch ausgewählte bedeutsame und denkmalgeschützte Objekte sowie eine Vergolderei.

Dabei konnten die Handwerker viel Wissen und Hintergrundinformationen für den eigenen Betrieb mitnehmen. Erklärt wurde alles rund um Restaurierung und Denkmalpflege, die damit verbundenen Probleme und Herausforderungen – von theoretischen Überlegungen hinsichtlich der Sanierungskonzepte bis zu historischen Verarbeitungstechniken. Ein Reisebericht. 

Hohe Resonanz auf die geplante Reise nach Wien

"Wegen des umfassenden Programms und der Vielzahl der beteiligten Referenten haben wir schon im Herbst 2022 mit den Planungen begonnen. Dafür haben wir neue Kontakte nach Österreich hergestellt und an bestehende der letzten Unternehmerreise angeknüpft, die uns nach Salzburg führte", erklärt Elke Wickerath, Außenwirtschaftsberaterin der Handwerkskammer der Pfalz. "Die nun geplante Reise nach Wien stieß auf so große Resonanz, dass wir leider nicht alle Anmeldungen berücksichtigen konnten".

Die Reise nach Salzburg hatte bereits Anfang 2020 mit so großem Erfolg stattgefunden, dass währenddessen bereits beschlossen wurde, zeitnah eine Anschlussveranstaltung anzubieten. "Die Coronapandemie hat uns vorübergehend leider ausgebremst. Dass nun auch wieder Teilnehmer der Reise nach Salzburg dabei waren, zeigt, dass unser Konzept für grenzüberschreitende Unternehmerreisen stimmig ist", freut sich Heike Krüger, Abteilungsleiterin der Außenwirtschaftsberatung für das hessische Handwerk.

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Besuch der Dombauhütte und der Werkstätten

So wurden die Hofburg und der Stephansdom in Wien nicht etwa auf touristische Weise besichtigt: Die fachkundigen Führungen fanden in Kellern, auf Dachböden und Dachstühlen sowie auf Arbeitsgerüsten in Innen- und Außenbereichen statt, die der Öffentlichkeit normalerweise nicht zugänglich sind. Die Besuchergruppe durfte auch das Dach der Michaelerkuppel der Hofburg betreten. In der Dombauhütte und den Werkstätten konnten sich die Handwerker ein Bild über den aktuellen Stand der Restaurierungen machen. Der Schwerpunkt der Führungen, beispielsweise im Stephansdom, lag dabei auf den dortigen Steinmetzarbeiten.

Auf dem Dach der Michaelerkuppel mit Roland Lehner, ehemaliger Leiter des Bereiches Baumanagement II der Burghauptmannschaft Foto: © HWK Pfalz / WickerathAuf dem Dach der Michaelerkuppel mit Roland Lehner, ehemaliger Leiter des Bereiches Baumanagement II der Burghauptmannschaft Foto: © HWK Pfalz / Wickerath

Die Teilnehmer besuchten außerdem die Kartause Mauerbach, die zugleich Weiterbildungsstätte des österreichischen Bundesdenkmalamtes ist. Dort informierten sie sich in den Werkstätten über alte Handwerkstechniken wie Feuerschweißen, Drechseln oder die historische Herstellung von Farben. Vorträge und Ausstellungen vor Ort rundeten den Besuch ab.

Klaus Frenzel, Schreinermeister aus Maikammer, schwärmt von den Führungen durch die Werkstätten der Kartause Mauerbach: "Wir haben aber die begrenzte Zeit eines Nachmittags optimal genutzt und viel Wissenswertes mitgenommen. Einblicke in solch alte Handwerke zu erhalten, ist etwas ganz Besonderes".

"Historische Fenster mit Originalverglasung sieht man normalerweise nur in Fachbüchern"

Die Parkett- und Fensterausstellung empfand Frenzel als überaus bemerkenswert. "Dort wurden so viele interessante und außergewöhnliche Objekte an einem Ort zusammengetragen, das ist selten. Historische Fenster mit Originalverglasung sieht man normalerweise nur in Fachbüchern".

Mauerbach sei für ihn "eine Zeitreise durch die Jahrhunderte gewesen". Einige Teilnehmer interessierten sich für die in Mauerbach angebotene Weiterbildung zu historischen Fenstern, doch der Kurs war schon längst ausgebucht.

Fachwissen und Feuchtigkeitsbekämpfung in Stift Melk

Für Johannes Mosler, Restaurator für historische Fenster aus Hessen, war dies der Anreiz, selbst einen vergleichbaren Kurs in Landau anzubieten. Mosler hat bereits viele Aufträge in Österreich ausgeführt und kennt die Gegebenheiten sowie Ansprechpartner vor Ort. So hatte er bei der Planung der Unternehmerreise den beiden organisierenden Handwerkskammern nicht nur wertvolle Kontakte vor Ort vermittelt, sondern sich auch als Referent eingebracht. "Bei dieser Reise konnte ich auch für mich selbst noch einiges mitnehmen, was ich bisher noch nicht kannte", freute sich Mosler.

Ein weiteres Highlight der Reise war ein Tagesausflug in die Stifte Melk und Dürnstein sowie zur Schallaburg. Im Stift Melk wurde unterirdisch das dort umgesetzte Konzept zur Feuchtigkeitsbekämpfung begutachtet. Dazu führte der Baudirektor Gottfried Fuchs die Gruppe durch die vielen Gänge unter der Erde und vermittelte Fachwissen zur komplizierten Sanierung der Fundamente. Oberirdisch ging es weiter in die historische Bibliothek, wo Restaurierungsarbeiten in vollem Gange waren. Abschließend wurde der Gruppe eine besondere Ehre zuteil, da sie von Pater Ludwig und Baudirektor Fuchs in der Prälatur zum gegenseitigen Austausch empfangen wurde.

Stift Dürnstein: Ein kleines Juwel der Barock-Architektur

In der Prälatur mit Pater Ludwig Foto: ¬© HWK Pfalz / WickerathIn der Prälatur mit Pater Ludwig Foto: ¬© HWK Pfalz / Wickerath

Im Gegensatz zum mächtigen und weltweit bekannten UNESCO-Weltkulturerbe Stift Melk ist das Stift Dürnstein ein kleines Juwel der Barock-Architektur. Dort konnten die Handwerker im gotischen Teil des Klosters sogar den Originalputz aus dem 14. Jahrhundert bewundern. Ein großes Problem in der Restaurierung und Denkmalpflege sehr alter Architektur besteht darin, dass meistens auf die ursprünglichen Bauweisen und Techniken nicht mehr zurückgegriffen werden kann.

Vor allem die Originalfarben stellen beim Restaurieren eine besondere Herausforderung dar, denn nur gesicherte Befunde ermöglichen die Wiederherstellung einer historischen Farbgebung. Diese Problematik betrifft beispielsweise auch den edlen Turm der Stiftskirche, der mit seinen markanten Farben in blau und weiß das Wahrzeichen der Wachau war.

H. Ulrich Mauterer von den Augustiner-Chorherren erklärte, der Turm sei schon im 18. Jahrhundert ein von weitem leuchtendes Signal gewesen. Heute sei er nicht mehr ganz so leuchtend, weil die ursprünglichen Farbpigmente und Glaspartikel nicht exakt rekonstruiert werden konnten.

Peter Wildberger aus Frankfurt war nicht nur vom Prunk und Glanz sowie der denkwürdigen Führung durch das Stift Melk, sondern auch vom Stift Dürnstein begeistert. "Für mich als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Metallbauerhandwerk war diese Reise wertvoller als jede Weiterbildung".

Peter Fritz, Kunsthistoriker und dortiger Geschäftsführer, erläuterte während des Besuchs auf der Schallaburg, das große Problem in der Denkmalpflege sei verloren gegangenes Wissen über die damals eingesetzten Materialien, Prozesse und Konstruktionen. Deshalb werde nun das Augenmerk darauf gelegt, wiederentdeckte und angewandte Techniken in der Burg genauestens für die Nachwelt zu dokumentieren.

Johannes Mosler war in der Schallaburg für die Fensterrestaurierung als Fachplaner tätig und konnte viel Wissenswertes über die Verwendung von Leinölfarben erzählen. Darin hat er auch das Personal der Schallaburg geschult. Die Gruppe besichtigte in der Schallaburg jedoch nicht nur die historischen Fenster, sondern auch die einmaligen Terrakottaverzierungen auf den Säulen, die als Stützelemente dienen und somit eine doppelte Herausforderung bei der Restaurierung darstellen.

Alte Handwerkstechniken und historische Materialien

"Der Besuch der Schallaburg war genau meins, weil die Restaurierung dort nach Grundsätzen erfolgt, die mit meinem Verständnis von denkmalgerechter Erhaltung genau übereinstimmen. Bei der Sanierung der Burg wird großer Wert darauf gelegt, die historische Bausubstanz bestmöglich zu erhalten, was hohes Fachwissen über alte Handwerkstechniken und historische Materialien voraussetzt. Deshalb finde ich es sehr gut, dass dort solch kompetente Restauratoren am Werk sind", berichtet Claudia Gumlich, Malerin aus Eltville. Sehr gefallen hat ihr auch, wie anschaulich die Herstellung eigener Ziegel für die Schallaburg erklärt wurde.

Terrakottaverzierungen im Innenhof der Schallaburg Foto: © HWK Pfalz / WickerathTerrakottaverzierungen im Innenhof der Schallaburg Foto: © HWK Pfalz / Wickerath

Stephan Gutting, Schreinermeister aus Neustadt, war besonders vom Werkstattbesuch in der Kartause Mauerbach begeistert – allem voran von der Schlosserei und dem Feuerschweißen. "Das hat mir so gut gefallen, dass ich mir überlegt habe, an einer Schulung zur Restaurierung von alten Türschlössern und -belägen im Kloster Mauerbach teilzunehmen.

Sehr beeindruckt hat ihn aber auch der Besuch der Vergolderei "Arte Aurelia". "Es war das erste Mal, dass ich sehen konnte, welch filigrane Arbeiten und Techniken im Vergolderhandwerk eingesetzt werden."

Gut in Erinnerung habe er noch Martina Hoffingers Aussage, dass die heute tätigen Vergolder von der Barockzeit lebten. Jetzt erst würden die Bilder, die vor 200 Jahren erschaffen wurden, restauriert. Hoffinger begeisterte die Besucher mit ihren Vorführungen und Erklärungen und "vergoldete" somit den Abschluss des Tages.

Fachspezifisches Know-how und Networking

Die Reise hatte jedoch nicht nur das Interesse der Bau- und Ausbaugewerke geweckt. Mit dabei waren auch die Denkmalpfleger und Orgelbauer der Firma Graser aus Harthausen. "Hinter die Kulissen zu schauen und Wissenswertes aus anderen Handwerken in der Denkmalpflege zu erfahren, war eine absolute Bereicherung", sagte Markus Graser. "Da herumzukrabbeln, wo normalerweise niemand hinkommt und gleich an Ort und Stelle so viel über die Komplexität der Restaurierung zu erfahren, war großartig", bemerkt Renate Graser.

Auch die Kontakte zu den Handwerkern aus anderen Gewerken waren für beide ein großes Plus der Reise. Am Ende der Unternehmerreise zogen die Teilnehmer und Organisatoren ein sehr positives Fazit: Grenzübergreifende Kontakte zu österreichischen Experten in der Denkmalpflege konnten geknüpft und viel fachspezifisches Know-how vermittelt werden. Zudem profitierten die Teilnehmer vom Networking und den Synergieeffekten untereinander. Trotz eines Wintereinbruchs mit starkem Schneefall auf der Rückreise, der den Teilnehmern viel Geduld abverlangte, hätte keiner von ihnen diese einzigartige "Zeitreise durch die Jahrhunderte" missen wollen.

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Text: / handwerksblatt.de

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