Magische Momente auf den Hurtigruten
Die Hurtigruten-Schiffe legen bei der Reise von Bergen nach Kirkenes an 34 malerischen Häfen an.

Die Hurtigruten-Schiffe legen bei der Reise von Bergen nach Kirkenes an 34 malerischen Häfen an. (Foto: © DHB)

Hurtigruten: Magische Momente auf der eiligen Route

Fakten, Köstlichkeiten und jede Menge Spaß. Seit über 125 Jahren begeistert Hurtigruten ­Menschen auf der ganzen Welt.

Peter Michalczyk ist ein glücklicher Mann. Bei seinem Ausflug in Trondheim regnet es Katzen und Hunde. In der arktischen Hauptstadt Tromsø verdecken eisige Schneewehen die Aussicht vom höchsten Punkt der Stadt. Selbst die hübschen Häuschen der arktischen Hauptstadt lassen sich nur mit zusammengekniffenen Augen durch einen Vorhang kleiner Schneekristalle erahnen. Auch die Fahrt in das Trollfjord mit seinen tollkühnen Felsen fällt ins Wasser. Kapitän Roar Winther entscheidet wegen des unruhigen Seegangs auf das spektakuläre Wendemanöver zu verzichten. Doch wann immer ich Peter Michalczyk, Ehefrau Martina und den anderen Gäste an Bord der MS Nordnorge begegne, blicke ich in gut gelaunte Gesichter.

Ein Traum wird wahr

Die Schiffe sind nach wie vor im Fährbetrieb von Bergen nach Kirkeness unterwegs. Foto: © DHBDie Schiffe sind nach wie vor im Fährbetrieb von Bergen nach Kirkeness unterwegs. Foto: © DHB

Für die meisten der 680 Passagiere geht ein Traum in Erfüllung: Einmal im Leben mit Hurtigruten entlang der norwegischen Küste schippern. Auf insgesamt 2.500 Kilometern legen die Schiffe an 34 Häfen an. Bei zahlreichen Ausflügen erleben die Reisenden intensiv Land und Leute und atmen viel gute Friskluft ein. "Zumal das Wetter an der Küste stündlich wechseln kann", schaltet sich Inge Münchberg in das Gespräch ein. "Über das Wetter wird viel gelacht", weiß die ehemalige Fleischer­fachverkäuferin.

Schlechtes Wetter wird von den meisten gelassen hingenommen. Mit Ehemann Hans-Jürgen ist sie zum vierten Mal auf der eiligen Route unterwegs. So nämlich klingt Hurtigruten auf Deutsch. Lebhaft erinnert sie sich an die erste Tour: "Zu unserer Silberhochzeit wollten wir es richtig krachen lassen." Sie schaut zum umtriebigen Peter und schmunzelt: "wir konnten bei der ersten Fahrt kaum stillhalten, waren nur unterwegs"", erzählt das Ehepaar aus dem Frankenland. Die Reisen genießen sie mehr denn je, nun aber ruhiger, um "runterzukommen", wie beide betonen.

Auf den Punkt zubereitet

Chefkoch Kurt Gjentsen präsentiert eine Königskrabbe. Sie gehört zu den besonderen Delikatesse auf dem Schiff. Foto: © DHBChefkoch Kurt Gjentsen präsentiert eine Königskrabbe. Sie gehört zu den besonderen Delikatesse auf dem Schiff. Foto: © DHB

30 Jahre hat Peter Michalczyk seinen Traum geträumt. An seinem 70. Geburtstag kann er Ehefrau Martina dafür begeistern, in Bergen an Bord eines der typischen rot-schwarz-weißen Schiffe zu gehen. "Hurtigruten ist Landschaft pur. Das Licht, beeindruckende Fjorde, schroffe Küsten und natürlich die hervorragende Küche", ist der gelernte Koch gleich wieder im siebten Polarhimmel. "In meinem ganzen Leben habe ich noch keinen Lachs gegessen, der so auf dem Punkt zubereitet ist", bescheinigt der frühere Ausbildungsprüfer die exquisite Zubereitung der Speisen.

"Echt, roh und ehrlich"

Es gehört zum Erfolgsrezept der Ree­derei, auf allen Schiffen unter dem Slogan "Echt, roh und ehrlich" ausschließlich regionale Spezialitäten zu servieren. Die Produkte von 35 wahren Enthusiasten entlang der Küste werden mit Liebe und Leidenschaft produziert. "Fisch wird jeden Tag frisch serviert", versichert Kurt Gjentsen, Chefkoch auf der Nordnorge. "Morgens nehmen wir Saibling, Krabben oder Lachs an Bord. Abends liegen die Delikatessen auf den Tellern."

Vom Fleischermeister über einen Muscheltaucher bis zur Kräuterbauerin werden die Passagiere unter der Bezeichnung "Norway’s Coastal Kitchen" verwöhnt. Dass Gäste das Schiff mit etwas mehr Fracht auf den Rippen verlassen, entlockt Chefkoch Kurt Gjentsen ein zufriedenes Lachen. "Ja", nickt er munter, "dann habe ich einen guten Job gemacht."

Geballte Erfahrung

Das Wetter ändert sich stündlich an der norwegischen Küste. Wichtig ist warme Kleidung nach dem Zwiebelprinzip. Foto: © DHBDas Wetter ändert sich stündlich an der norwegischen Küste. Wichtig ist warme Kleidung nach dem Zwiebelprinzip. Foto: © DHBHurtigruten, das sind 125 Jahre geballte Erfahrung. Im Jahr 1893 vom norwegischen Kapitän Richard With als Postschiffroute begründet, kennt die Gesellschaft die Küste in- und auswendig. Auf den Schiffen wird kein Wert auf Gala-Kleidung gelegt. Umso mehr auf Nachhaltigkeit und Umweltschutz. Seit 2019 gibt es zwei Hybridschiffe. In den nächsten Jahren sollen weitere dazukommen. Einweggeschirr und Plastik sind weitestgehend auf allen Decks verbannt. Bei jeder Fahrt steht das Land mit seiner Bilderbuchnatur im Mittelpunkt.

Ein cooler Job

Ein speziell geschultes Expeditionsteam auf den Schiffen sorgt deshalb nicht nur für die Sicherheit der Reisenden. Jeden Tag vermitteln die Norwegen-Experten in ihren Vorträgen so allerlei über Flora und Fauna. "Wir haben einen coolen Job," sagt Expeditionsleiter Reidar Arnesen zufrieden und erläutert die Hurtigruten-Philosophie, die in der Friluftsliv-Bewegung aus dem Jahr 1819 wiederzufinden ist. "Von fünf Minuten auf einem Stuhl sitzend in der freien Natur bis hin zur Grönlandüberquerung, wir Norweger lieben unsere schöne Landschaft. Und die teilen wir gerne mit unseren Gästen."

Die Mischung macht's

Paticia Becker (l.) kommt aus Frankfurt. Die Museumspädagogin hat sich dem Stickcluborges Husflidslag mit der Vorsitzenden Karoline Lohrengel (r.) und Raumausstatterin Guri-Mette angeschlossen. Die Mitglieder des Strickclubs sind mit der MS Nordnorge auf dem Weg zu den Lofoten. Foto: © DHBPaticia Becker (l.) kommt aus Frankfurt. Die Museumspädagogin hat sich dem Stickcluborges Husflidslag mit der Vorsitzenden Karoline Lohrengel (r.) und Raumausstatterin Guri-Mette angeschlossen. Die Mitglieder des Strickclubs sind mit der MS Nordnorge auf dem Weg zu den Lofoten. Foto: © DHB

Die Schiffe werden rege auch von Küstenbewohnern genutzt. Sie fahren zur Arbeit in den benachbarten Hafen, besuchen Freunde oder unternehmen Ausflüge. In Rörvik kommen Odrin, Guri-Mette, Brita, Solveig, Birg, Karoline und elf weitere Damen des Norges Husflidslag an Bord. Die fröhliche Schar des norwegischen Handarbeitsclubs ist auf dem Weg zu den Lofoten.

Dort werden sie Wolle für die typischen norwegischen Pullover mit den zweifarbigen Mustern und der achtblättrigen Rose kaufen. "Wir haben Hurtigruten gewählt, weil es so eine kuschelige Tour ist", sagt die Vorsitzende Koroline Lohrengel. Bis zu ihrer Ankunft am nächsten Tag macht es sich der Damenclub in den bequemen Sesseln des Cafés auf Deck 4 gemütlich. Auf alle wartet am frühen Morgen das Highlight der Reise.

Eiskalt erwischt

7 Uhr, 38 Minuten und 34 Sekunden. Im Logbuch der MS Nordnorge notiert Kapitän Roar Winther die Überquerung des Polarkreises. Ein tiefer Ton aus dem Schiffshorn läutet die Überquerung an der Linie mit der magischen Zahl 66° 33- ein. Jetzt hält es niemanden mehr unter Deck. Ein kleiner Felsen mit einer Weltkugel aus Stahl löst Begeisterung aus. Dieses Mal ist es nicht nur der eisige Wind, der so manche Träne in die Augen treibt.

Natürlich muss die Polarkreisüberquerung gebührend gefeiert werden. Unter lautem Sirenengeheul taucht Neptun auf. Mit Eiswasser tauft der Herrscher über alle Meere einige der ganz Mutigen. Die nehmen es mit Lachen hin. Zur Belohnung gibt es einen Aquavit und für alle das "Polarsirkel Sertifikat". "Darauf habe ich mich am meisten gefreut", gehört auch Peter zu den Getauften.

Ein Bier aus Quellwasser gebraut

Foto: © DHBFoto: © DHB

Später am Abend erreichen wir Svolvaer. Umhüllt von dicken Schneeflocken wartet dort Andreas Thorvardarson auf mich. Nur wenige Meter vom Anleger entfernt, erreichen wir seine kleine Brauerei "Lofotpils". Eigentlich kommt der CEO aus Island. Auf die Lofoten kam er, um hier zu studieren. Aus Spaß lässt er sich darauf ein, aus dem kristallklaren Quellwasser der Lofoten ein Bier zu brauen. "Wie schmeckt das Lofotpils?", möchte ich von ihm wissen. "Stellen Sie sich einfach das reine Wasser der Lofoten vor, verfeinert mit den Zutaten, die Gott fürs Bierbrauen erschuf." Erfrischend und herzhaft im Geschmack gibt es das Lofotpils aus reinem Süßwasser leider nur in Norwegen. Doch der Kurs steht auf Expansion und das Ziel des sympathischen Wahl-Norwegers: "Noch mehr Bier verkaufen, damit ich mir weiterhin ein Pils leisten kann."

Glück und Segen

Nach fünf Tagen erreicht die Nordnorge Kirkenes, kurz vor der russischen Grenze. Es ist der Wendepunkt aller Hurtigruten-Schiffe. Nach einem kurzen Halt geht es zurück nach Bergen. Ich verabschiede mich von Peter und Martina Michalczyk. Während ich von Bord gehe, fallen mir die Worte Neptuns ein: "Mögen Glück und Segen sie auf dieser Reise und in ihrem weiteren Leben begleiten." Im besten Fall ist das eine weitere Erlebnisreise mit Hurtigruten, der legendären Schiffstour in Norwegen.

Eine totale Sonnenfinsternis vor antarktischer Kulisse von Deck eines Hurtigruten Expeditionsschiffes zu beobachten, ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Im Dezember 2021 haben Expeditions-Seereisende die einmalige Gelegenheit, an Bord von Hurtigruten dieses seltene Naturschauspiel in der Antarktis zu erleben.
hurtigruten.de/reiseziele/antarktis/­sonnenfinsternis

Je nach Dauer und Strecke kann eine Reise ab 456 Euro pro Person gebucht werden. Die klassische Strecke Bergen – ­Kirkenes – Bergen dauert 12 Tage. Ab 1.589 Euro pro Person.Mit dem Norwegen-Programm für die Saison 2021/2022 baut Hurtigruten das Angebot an Expeditions-Seereisen an der norwegischen Küste aus. Gäste aus Deutschland können komfortabel in Hamburg an Bord gehen und die neuen Norwegen-Routen, -Schiffe und ­Häfen erkunden. Reisen sind ab sofort ­buchbar.

Text: / handwerksblatt.de

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