(Foto: © erstellt vom Mittelstand-Digital Zentrum Handwerk mit DALL-E 3)

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Bestandserfassung und Schadensaufnahme mit KaI

Jeder, der Gebäude aufnimmt oder Schäden dokumentiert, weiß, wie zeitaufwendig, fehleranfällig und unvollständig dieser Prozess oft ist. KI kann dabei helfen, wie Teil 12 der KI-Serie zeigt.

Die detaillierte Erfassung des aktuellen Zustands eines Gebäudes oder Raums, um eine genaue Datengrundlage für die Planung von Projekten wie Renovierungen, Sanierungen oder Umbauten zu haben, ist einer der größten Zeitfresser. Ob Dach, Heizung, Fassade oder Innenräume: Jeder Auftrag beginnt mit einer sorgfältigen Aufnahme des Ist-Zustands, der von einer Fachkraft durchgeführt werden muss. Je nach Auftrag bedeutet dies mehrere Stunden Arbeit vor Ort und weitere im Büro. Unsere digitale Assistenz KaI kann den Aufwand deutlich reduzieren, sorgt für eine bessere Qualität – auch wenn ein Azubi die Aufnahme macht – , und das Beste: Ein virtueller Blick auf das Objekt ist jederzeit möglich.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Erfassung vorzunehmen. Hierbei geht es um den Einsatz unterschiedlicher Hardware-Optionen. So kann es sich um ein Smartphone mit der passenden Applikation (App) handeln, eine 360-Grad-Kamera oder ein 3D-Laserscanner sein.

Bei einer Aufnahme mit einem 3D-Laserscanner werden alle Oberflächen zeilen- oder rasterartig mit einem Laserstrahl erfasst. Dadurch entstehen Millionen von Messpunkten, und eine sogenannte Punktwolke wird erzeugt. Auf dieser kann das menschliche Auge schon etwas erkennen, aber für die digitale Nutzung müssen diese Daten erst ausgewertet und aufbereitet werden, so dass sie für die Planung in CAD-Systemen geeignet sind. KaI strukturiert diese Daten, fügt gegebenenfalls zusätzliche Informationen hinzu und erstellt ein 3D-Modell.

Einfache Gebäudestrukturen können mit dem Smartphone und dem darin verbauten LiDAR-Sensor erfasst werden (LiDAR steht für "Light detection and ranging" und beschreibt eine Form des 3-dimensionalen Laser Scanning). LiDAR-Scanning ist eine Weiterentwicklung des Laser Scanning. Dabei werden unsichtbare Laserstrahlen zur Abstandsmessung eingesetzt. Bei einer 360-Grad-Kamera wird mit Hilfe von integrierten Infrarot-Entfernungsmessern aus vielen Bildern ein Kugelpanorama erstellt. So lassen sich Abstände und Größenverhältnisse in einem Raum erfassen und exakt vermessen.

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Die Unterschiede der verschiedenen Lösungen liegen in der Art der Technik und der Messgenauigkeit. Künstliche Intelligenz arbeitet im Hintergrund und erledigt, je nach Anwendung, ganz unterschiedliche Aufgaben:

  • Aufbereitung der Daten 
  • Erkennung von Flächen, Neigungen, Hindernissen, Firsten, Dachfenstern et cetera ganz ohne manuelle Nacharbeit
  • Erkennung von Bauteilen wie Wände, Türen, Rohre, Leitungen und Umwandlung dieser in Elemente
  • Optimierung der 3D-Modelle
  • Erstellung eines digitalen Zwillings
  • Verortung der Bilder auf dem entsprechenden 2D-Plan
  • Erfassungen einfach auswerten. 

Sanitär-, Heizungs- und Klimatechniker profitieren: Ventile, Leitungsführungen oder Heizkörper werden durch KaI erkannt und im Plan verortet. Damit entsteht ein sogenannter digitaler Zwilling, der nicht nur eine perfekte Grundlage für Sanierungsangebote ist.

Ein weiteres Feld ist die Materialerkennung. KaI kann Oberflächen anhand von Farbtönen, Texturen und Mustern unterscheiden – beispielsweise Holzarten, Metall, Beton oder Putz. Auch Zustände lassen sich bewerten, ob etwa eine Fläche frisch gestrichen, verschmutzt oder beschädigt ist. KaI erkennt auch Korrosionsspuren an Leitungen oder Armaturen und kann deren Schweregrad einschätzen. Neben der Bestandsaufnahme bietet also die Schadensdokumentation ein perfektes Einsatzfeld.

KI-Serie und Anwendungsbeispiele Alle Teile der KI-Serie finden Sie in unserem Themen-Special "Künstliche Intelligenz im Handwerk – eine Assistenz namens KaI". Darüber hinaus gibt es auf handwerksblatt.de weitere Beiträge über KI, beispielsweise die Online-Artikel "Eine mächtig schlaue Art zu kommunizieren" über die Voicemail-App mit KI-Chatbot des Start-ups "meiti", "KI – so profitieren Handwerker im Betriebsalltag" oder "ChatGPT: Mit KI Zeit und Geld sparen" aus dem Themen-Special "Digitales Handwerk". 

Vom digitalen Bild zur Diagnose mit KaI

Ob Wasserschaden, Rissbildung, Schimmel oder Korrosion – die visuelle Beurteilung erfordert Fachwissen und Erfahrung. Nicht nur in der Medizin kann KaI zum Einsatz kommen, sondern auch im Handwerk. Auch hier wurde KaI, ausgestattet mit Bildanalysemodellen, mit Vergleichsbildern trainiert und hat gelernt, Schadensarten zuverlässig zu erkennen. Ob Risse in Putz- oder Mauerwerksflächen, Feuchteschäden, Schimmelbildung, Korrosion, Verfärbungen oder defekte beziehungsweise fehlende Dachziegel.

KaI kann

  • Art, Ort und Ausmaß des Schadens erkennen
  • eine Schadensbeschreibung erstellen
  • Vorschläge für mögliche Maßnahmen machen
  • die Kosten, basierend auf Vergleichswerten und hinterlegten Preislisten, schätzen
  • die Schäden nach Dringlichkeit klassifizieren und eine Prioritätenliste für die Instandsetzung erstellen.

Der Erfolg von KaI steht und fällt mit der Datenqualität. Je mehr ein Betrieb Objekte digitalisiert und bewertet, desto präziser wird KaI, denn KaI lernt mit jeder Aufnahme dazu. Und nur wenn Sie sicherstellen, dass KaI in einer sicheren Umgebung lernt, bleibt das Wissen auch bei Ihnen. Denken Sie immer daran, Ihre Daten zu schützen. In der nächsten Ausgabe machen wir weiter mit einigen Inspirationen.

Die Autorin ist Mitarbeiterin des vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Mittelstand-Digital Zentrums Handwerk. Es unterstützt Handwerksbetriebe und Handwerksorganisationen seit 2016 dabei, die Chancen digitaler Technologien, Prozesse und Geschäftsmodelle zu nutzen – kostenfrei, anbieterneutral und deutschlandweit. Seit 2024 liegt ein besonderer Fokus auf künstlicher Intelligenz.

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Text: / handwerksblatt.de

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