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Auf den über 1.000 Kilometern Radwegen der Ostseeinsel Fyn kann man sich zwischen Wikingern und der Welt von Hans Christian Andersen erholen. (Foto: © Kasper Andersen)

Zu Besuch im Garten Dänemarks

Die dänische Ostseeinsel Fyn gilt als Geheimtipp für Radfahrer. Auf über 1.000 Kilometern Radwegen kann man die Wikingern und Hans Christian Andersen erleben.

Meinen Wikinger habe ich dabei. Immer. Nur ist es nicht Harald Blauzahn persönlich, der legendäre dänische König, sondern – mein eigener Bluetooth. Als Hommage an den Dänenkönig haben die Erfinder dieser drahtlosen Übertragungstechnik, die in jedem Handy steckt, diese nach ihm benannt. Damit gibt es Millionen Blauzähne in Dänemark, der Eingangspforte zum Nordvolk, den Wikingern.

Dänemark ist klein und doch groß

Dänemark ist eine andere Welt. Klein. So klein, dass ich jedes Mal denke, hier kennt jeder jeden. Aber auch groß. Groß in der Natur, groß in der Geschichte, groß in der Moderne. Nichts zeigt das besser als die Hauptstadt Kopenhagen. Stararchitekten wie Hennig Larsen, Daniel Libeskind und Norman Foster haben sich hier verewigt mit zukunftsweisenden Bauten, die auf historischem Grund an alte Häuser grenzen. Kopenhagen lebt schon heute die Zukunft, wie viele Zukunftskongresse in Bauten von morgen belegen. Aber zuerst gilt ein Besuch dem historischen und geistigen Zuhause der Wikinger im Kopenhagener Nationalmuseum. Dem einst gefürchteten Volk, das, so sagt die dänische Tourismusförderung, seine Langschiffe gegen Fahrräder eingetauscht hat. Unübersehbar: Der Verkehrsstrom wird bestimmt durch – Achtung, Öko! – Fahrräder, die wir später noch brauchen, um das Inselreich Fyn zu erkunden.

Auf den Spuren der Wikinger

Foto: © Kasper AndersenEine Autostunde von der fahrraddominierten Hauptstadt entfernt liegt dieser Garten Dänemarks, wie das Inselreich mit seinen 90 Eilanden wegen seines fruchtbaren Bodens gerne genannt wird. Die Wikinger und später die Fürsten haben hier Residenzen errichtet, als sie sesshaft wurden. Fyn hat daher eine unglaublich hohe Dichte an Schlössern und Herrenhäusern, in denen man zum Teil übernachten kann, wie in keinem anderen Fleck Dänemarks. Viele Gourmetrestaurants zaubern aus den Ernten kulinarische Genüsse. Wer selber kochen will, findet die Produkte in Hofläden und Büdchen mit kleinen Kassen, in die Besucher das Geld hineinwerfen, wenn sie etwas nehmen. Die Geschmacksexplosionen auf der Zunge kann jeder mit dem Fahrrad kalorientechnisch abtrainieren. 1.000 Kilometer Radwege laden ein, von Hafen zu Hafen oder quer durch die Insel zu radeln, zu verweilen oder einfach zwischendurch die Schritte zum naturbelassenen Strand zu gehen. Kaum zu glauben, dass Fyn noch immer als Geheimtipp gilt.

Zwischen Märchen und Langbooten

Denn für die erste Weltberühmtheit müssen wir erst gar nicht bis Odense, der Hauptstadt Fyns, fahren, um Spuren der Wikinger zu begegnen. Ladby mit seinem Wikingermuseum ist der erste Stopp. Schließlich wurde in der Hafenstadt 1935 das erste Grabboot in einem Hügelgrab gefunden, die letzte Ruhestätte eines Wikingerfürsten mit zahlreichen Grabbeigaben, die viel über das Leben des Nordvolks verraten. Vom Boot selbst war nicht viel übriggeblieben. 1.000 Jahre Ruhe im Erdreich haben es vermodern lassen, aber der Abdruck in der Erde, die Reste der eisernen Nägel, mit denen die geschickten Zimmerleute die Seitenplanken des 21,60 Meter langen Bootes zusammengenagelt hatten und die Spanten reichten für einen Nachbau.

Auf die schönste Insel Dänemarks

Zitat: "Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben." (Hans Christian Andersen, Dichter und Schriftsteller aus Odense)Weiter geht es nach Odense. Und wenn ein Name fallen muss, dann ist es natürlich der des Märchenerzähler Hans Christian Andersen, der große Sohn der Stadt. Jeden Sommer gibt es Festspiele, die seine Geschichten auf die Bühne bringen. Natürlich ist seiner Aussage zufolge auch seine Geburtsinsel mit den weiten Stränden, grünen Wäldern und dem blautürkisfarbenen Meer die schönste Insel Dänemarks. Noch während Andersens Aphorismen durch meinen Kopf geistern, entdecke ich prompt Odins Odense und bin wieder in der Eisenzeit gelandet. Denn hier zeigen die friedfertigen Nachfahren, wie die Wikinger gelebt, gearbeitet, aber auch gekämpft haben. Das ist nicht nur zum Anschauen, der prall gefüllte Kalender lädt Besucher ein, es den Wikingern nachzutun. "Leben allein genügt nicht, sagte der Schmetterling, Sonnenschein, Freiheit und eine kleine Blume muss man auch haben", schrieb einst Andersen. Hier auf Fyn fühle ich mich wie der Schmetterling.

Text: / handwerksblatt.de

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