Der Bund und die Vertreter der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, der Wohnungs- und Bauwirtschaft, der Gewerkschaften, der Kirchen und der zivilgesellschaftlichen Organisationen arbeiten im Bündnis bezahlbarer Wohnraum zusammen.

Der Bund und die Vertreter der Länder, der kommunalen Spitzenverbände, der Wohnungs- und Bauwirtschaft, der Gewerkschaften, der Kirchen und der zivilgesellschaftlichen Organisationen arbeiten im Bündnis bezahlbarer Wohnraum zusammen. (Foto: © khunaspix/123RF.com)

Bezahlbares Wohnen: Bündnis schlägt Maßnahmenpaket vor

Politik

Das Bündnis bezahlbarer Wohnraum hat mit Beteiligung des Handwerks ein Papier mit verschiedenen Maßnahmen für eine Bau-, Investitions- und Innovationsoffensive vorgelegt.

Bezahlbarer Wohnraum ist knapp und der Bedarf steigt weiter. Deswegen haben SPD, Grüne und FDP in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, pro Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen – 100.000 davon öffentlich gefördert. "Dafür starten wir einen Aufbruch in der Bau-, Wohnungs- und Stadtentwicklungspolitik", heißt es in dem Vertrag. Ein Zusammenschluss "aller wichtigen Akteure", an dem auch der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und der Zentralverband Deutsches Baugewerbe (ZDB) beteiligt sind, soll Lösungen erarbeiten, wie die Ziele der Bundesregierung zu erreichen sind. Das sogenannte "Bündnis bezahlbarer Wohnraum" hat sich Ende April konstituiert und stellt nun ein Maßnahmenpaket vor.

"Nur sechs Monate nach Gründung des Bündnisses bezahlbarer Wohnraum haben sich 35 Akteure mit zum Teil sehr unterschiedlichen Interessen auf eine gemeinsame Erklärung geeinigt", sagt Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD). "Diese enthält 187 konkret zurechenbare und mit einem Datum versehene Maßnahmen, die von allen Beteiligten angestoßen und umgesetzt werden müssen." Bis 2026 will die Bundesregierung 14,5 Milliarden Euro für den sozialen Wohnungsbau bereitstellen. Im kommenden Jahr will sie die Neubauförderung neu aufstellen und ein Wohneigentumsprogramm auflegen. Ab Mitte 2023 soll die Absetzung für Abnutzung auf drei Prozent steigen. Mithilfe digitaler Abläufe sollen Planungsprozesse beschleunigt werden, digitale Bauanträge sollen bundesweit zum Standard werden. Standardisierte digitale Anwendungen beim Building Information Modeling sollen Bauprozesse verkürzen.

Landesbauordnungen anpassen

MaßnahmenpaketLesen Sie ier das ausführliche Papier des Bündnisses bezahlbares Wohnen.Damit serielles und modulares Bauen öfter Anwendung findet, sollen bereits einmal erteilte Typengenehmigungen bundesweit gelten. Die Landesbauordnungen sollen entsprechend geändert werden. Außerdem sollen Innovationsklauseln darin, etwa für eine Genehmigungsfreiheit von Dachgeschossausbauten, die Rahmenbedingungen für schnelleres Bauen in allen Ländern verbessern. Die Einrichtung einer Geschäftsstelle zur Folgekostenabschätzung in Normungsprozessen soll helfen, Baukosten zu begrenzen. Die Anforderungen für Neubauten sollen sich daran orientieren. Anfang 2023 will die Bundesregierung das Förderprogramm "Klimafreundliches Bauen" auf den Weg bringen, dass sich stärker am Lebenszyklus von Gebäuden ausrichtet. Der digitale Gebäuderessourcenpass für Neubauten soll ermöglichen, die Wiederverwendung der Bauprodukte und das Recycling von Baustoffen besser planen zu können.

Holger Schwannecke Foto: © ZDH / SchueringHolger Schwannecke Foto: © ZDH / Schuering

Das Handwerk begrüßt vor allem das "klare Bekenntnis zur dualen Ausbildung". Damit werde die Bedeutung der Berufe und Gewerke, die für den Bau von bezahlbarem Wohnraum tätig sind, ausdrücklich anerkannt, erklärt ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke. "Investitionen in den bezahlbaren Wohnraum sind auf Unternehmen und Beschäftigte in der Bauwirtschaft angewiesen, die diese als gut qualifizierte Fachkräfte umsetzen", heißt es in den Beschlüssen des Bündnisses. Um die Fachkräftepotenziale so gut wie möglich auszuschöpfen, seien "zukünftige Fachkräfte mit der dualen Ausbildung zu qualifizieren, ausgebildete Fachkräfte durch berufliche Weiterbildung auf neue Herausforderungen vorzubereiten". Mit Blick auf die notwendigen Investitionen im Bereich des Klimaschutzes müsse die Ausbildung im Handwerk gezielt gefördert werden.

Handwerk fordert Schnelligkeit

Schwannecke fordert eine schnelle Verbesserung der Rahmenbedingungen: "Aus Sicht des Handwerks ist für die Zukunft vor allem Planungssicherheit hinsichtlich der rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen wichtig, um den notwendigen Kapazitätsaufbau in den Betrieben trotz des derzeitigen schwierigen Umfeldes leisten zu können." Er betont die Wichtigkeit der Maßnahmen zur Fachkräftesicherung und auch zur Verbesserung der Fachkräftezuwanderung. Zusätzlich sei der Übergang zum nachhaltigen und ressourcenschonenden Bauen besonders für das Handwerk wichtig. "Dabei müssen wir aber auf schlanke Nachweisverfahren achten und jede Überbürokratisierung vermeiden."

Reinhard Quast Foto: © ZDB/PflugReinhard Quast Foto: © ZDB/Pflug

Die erarbeiteten Vorschläge seien nun schnellstmöglich umzusetzen, empfiehlt ZDB-Präsident Reinhard Quast. "Hier sehen wir uns als Wertschöpfungskette Bau in der Pflicht, den Kapazitätsaufbau weiter fortzusetzen." Die Bauwirtschaft habe in den zehn Jahren sowohl die Zahl der Mitarbeiter als auch der Auszubildenden gesteigert. "Das ist nicht zuletzt den Betrieben des deutschen Baugewerbes zu verdanken, denn sie sind es, die rund 75 Prozent der Arbeitnehmer beschäftigen und 80 Prozent der jungen Leute ausbilden." Das serielle Bauen sieht Quast als Nischenthema, "das die Probleme im Wohnungsbau nicht lösen wird". Besonders der soziale Wohnungsbau müsse beschleunigt werden. "Und weil der soziale Aspekt vordringlich ist, sollen die Mittel hier auch für den EH 55 Standard eingesetzt werden können. Besser eine Förderung mit der tatsächlich mehr Wohnungen an den Markt kommen, als eine zu ambitionierte Förderung, die das nicht leistet."

 

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Text: / handwerksblatt.de

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