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Direktversicherung: Die Krankenkasse kassiert jetzt doppelt

Direktversicherungen waren einmal nicht nur steuerlich ein attraktives Instrument, um zusätzlich fürs Alter vorzusorgen. Neuerdings werden bei Auszahlung noch einmal Krankenkassenbeiträge fällig.

Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Direktversicherung: zweimal abkassiert!
Direktversicherung: Die Krankenkasse kassiert jetzt doppelt
Foto: ©stylephotographs/123RF.com

Eine Direktversicherung zur Altersvorsorge war (und ist) beliebt – vor allem bei GmbH-Geschäftsführern. Früher war das auch ein besonders günstiges Vorsorgemodell, da die Beiträge zu der Direktversicherung lediglich mit einem Pauschalsatz für Kranken- und Rentenversicherung sowie für Lohnsteuer zusätzlich belastet wurden, der insgesamt niedriger war als die Regelsätze. Für diesen Teil des Einkommensentgeltes mussten also weniger Lohnzusatzkosten bezahlt werden, ein Vorteil sowohl für den Angestellten als auch für den Handwerksbetrieb.

Erst mahnt der Staat die private Vorsorge an, dann kassiert er

"Fast alle GmbH-Geschäftsführer haben eine Direktversicherung, also eine zusätzliche private Altersversorgung, die der Betrieb für den Angestellten abschließt. Auch steuerlich gab es dafür gute Argumente“, berichtet Albert Eberhardt, Bereichsleiter der Unternehmensberatung der Handwerkskammer des Saarlandes. Die Direktversicherung gibt es in drei Varianten: die Lebensversicherung, die Rentenversicherung mit Kapitalwahlrecht und die Fondsgebundene Lebensversicherung.

Erhebliche Versorgungslücken

Geld Schloss Neu 123rf Nun steht bei vielen Direktversicherten die Betriebsübergabe und damit auch die Kapitalauszahlung  der Direktversicherung an, und Eberhardt muss den Betroffenen erhebliche Versorgungslücken vorrechnen. Hintergrund: Mit dem Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenkassen zum 1. Januar 2004 ist die Krankenkassenpflicht aus einer betrieblichen Altersvorsorge neu geregelt worden.

Seitdem sind Kapitalauszahlungen aus einer betrieblichen Lebensversicherung als Versorgungsbezug voll beitragspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung. Bei einer Kapitalabfindung von 60.000 Euro fallen jetzt je nach Beitragssatz der Gesetzlichen Krankenversicherung über 9.000 Euro Sozialversicherungsbeiträge an (siehe Beispielrechnung unten).

Fast unbemerkt kam der Zusatz im Sozialgesetzbuch vor vier Jahren

"Vielen Unternehmern ist das bis heute nicht bewusst“, berichtet Albert Eberhardt. Kein Wunder: Diese Krankenkassenpflicht kam fast unbemerkt von der Öffentlichkeit vor vier Jahren mit dem „Gesetz zur Modernisierung der gesetzlichen Krankenkassen“. Eberhardt: "Durch einen Zusatz im Sozialgesetzbuch ist die Krankenkassenpflicht von laufenden Renten auch auf Einmalzahlungen erweitert worden.“ Mit der Folge, dass auch hier Beiträge fällig werden, obwohl schon während der Einzahlung Beiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung entrichtet werden müssen (der Versicherte bzw. der Betrieb also doppelt zahlt). Ausnahme von dieser Regelung: privat krankenversicherte Unternehmer und Mitarbeiter. Mehrere Betriebsrentner haben Klage eingereicht, aber die Prozesse können sich noch Jahre hinziehen.

Eine Beispielrechnung
Direktversicherung Bei einer Kapitalabfindung von 60.000 Euro wird für zehn Jahre ein fiktives monatliches Einkommen von 500 Euro der Beitragsbemessung zugrunde gelegt (1/120 der Auszahlung). Bei einem Beitragssatz von 12,3 Prozent (IKK) sind dann zehn Jahre lang monatlich 61,50 Euro für die Krankenversicherung fällig, sofern die Beitragsbemessungsgrenze nicht überschritten ist.

Dazu kommen noch 9,75 Euro Pflegeversicherungsbeitrag (1,95 Prozent Beitragssatz von monatlich 500 Euro) und 4,50 Euro Zusatzbeitrag (0,9 Prozent zusätzlicher Beitrag für Zahnersatz und Krankengeld); macht also insgesamt 75,75 Euro pro Monat. Bei zehn Jahren Laufzeit sind das 9.090 Euro an Beitragszahlungen. Keine Beiträge fallen an, wenn der umgelegte Anteil 1/20 der monatlichen Bezugsgröße nach § 18 Abs. 1 SGB IV nicht übersteigt.

Fotos: ©stylephotographs/123RF.com, ©ginasanders/123RF.com, ©mizar21984/123RF.com

Text: Kirsten Freund

Leserkommentare

03.05.2016 03:07:09 Uhr
Regine Folgmann

Krankenkassenbeiträge auf Direktversicherungen

Mir geht es wie Frau van Welzen. Wurde 2008 von meinem AG (Versicherung) in den Vorruhestand geschickt. Die Beiträge 2/3 AG und 1/3 ich, wurden von meinem Vorruhestandsgeld bezahlt. 2014 (März) wurde ich Rentnerin und habe bis jetzt (April 2016) meinen Eigenanteil von 108€ jeden Monat von meiner Nettorente zahlen müssen. Habe mich umfassend informiert und mit Hr. Kieseheuer vom dvg-ev.org gesprochen. Er hat mir geraten
bei Mitteilung der Krankenkasse zu widersprechen und Zahlung nur unter Vorbehalt. Ich bin Mitglied beim Verein für Direktversicherungsgeschädigte e.V. geworden. Kostet 3€ im Monat
und ich werde informiert, wenn sich was tut. Hier die Adresse: www.dvg-ev.org/kontaktblog/
Vielleicht hilfts. Regine Folgmann

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26.02.2016 09:10:38 Uhr
I.W.L. Jung

Zwangsbeitrag passt sich an

@ Karl-Heinz-Bär
Der Rechtsstaat ist Legende. Und der "Witz" an der Sache ist: Man darf auch ALLE Erhöhungen, die in diesen 10 Jahren stattfinden, brav mitbezahlen. Das ist ungerecht und überaus bedrohlich, vor allem in der heutigen Zeit.

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26.02.2016 07:24:58 Uhr
Karl-Heinz Bär

Direktversicherung

da ich auch seit einigen Monaten in Rente bin, sind mir auch die Augen geöffnet worden was Direktversicherung ist. Wie vielen anderen es geht, kann ich auch sagen es ist nur ein Verlust geschäft gewesen diese Vers. gemacht zu haben. Da beim Abschluss der Vers. etwas anderes gesagt wurde.
Ich bin nun beinahe 64 Jahre und dachte wir Leben in Deutschland in einem Rechtsstaat, ich bin 45 Jahre auf Montage gefahren und habe den Staat dabei gut mitverdienen lassen, und nun muss man sich so Bestrafen lassen.
aber wie viele andere bin ich der Meinung, bei der nächsten Wahl sollten wir uns Erinnern welche Staatsdiener wir brauchten.
P.S. es heisst vor Gericht muss man die Wahrheit sagen, sonst wird man Bestraft, aber wie sieht es in unser aller Fällen aus. Aber bevor ich mich im Wort vergreife höre ich lieber auf, aber ich bin bei euch.
K.H. Bär

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04.02.2016 04:45:45 Uhr
Wolfgang Krentscher

Zwangsbeitrag auf Direktversicherung

Die Zwangsabgabe hat mich zu der Idee verleitet, Verursacher anzuschreiben. Staatsekretärin Caren Marks (SPD- MdB) . Sie empfiehlt mir mich durch einen Anwalt beraten zu lassen und verweist auf Urteile. Demnach sei alles gut und rechtens. Bei facebook sind die SPD-Ortsvereine vielfach regional erreichbar. Dort werden Aufklärung bzw. Kommentare blockiert. Aber es bringt Kontakte. Ungläubiges Staunen ist die Reaktion...... Ich staune auch heute noch......das ist Politik gegen Rentner. Gearbeitet….gespart….bestraft…!
Es wurde in bestehende Verträge eingegriffen. Ohne jegliche Rücksicht.
Ein Schutz von Altverträgen ist nicht gegeben. Durch die rückwirkende Beitragspflicht für Altverträge wurde der Vertrauens- und Bestandsschutz für die Verträge missachtet, die vor der Gesetzesänderung abgeschlossen wurden.Wichtige rechtsstaatliche Prinzipien werden verletzt: Bestandsschutz, Vertragstreue, Gerechtigkeit, Vertrauen.

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11.01.2016 02:27:46 Uhr
Die Redaktion

zitiere van Welzen:

Hallo,
ich bin demnächst betroffen. Ich habe Beiträge von 1/3 u. mein Arbeitgeber 2/3 für meine Hausversicherung gezahlt. Die Auszahlung der Hausvers. erfolgt in diesem Jahr. Nun muss ich Krankenkasse u. Pflegevers. bezahlen. Muss ich für die 2/3 bezahlen, oder vom Gesamtbeitrag? Lässt es sich umgehen. Wieviel Prozent sind es?
MfG
Bärbel van Welzen


Hallo Frau van Welzen,

vielen Dank für Ihren Kommentar zum Thema „Direktversicherung“! Ohne Ihren Fall im Detail zu kennen, können wir Ihre Fragen leider nicht beantworten. Vielleicht wäre es besser, wenn Sie sich mit Ihrem Anliegen direkt an die Versicherungsgesellschaft wenden würden. Dort müsste man Ihre Fragen beantworten können. Zudem haben Betroffene mittlerweile einen Verein gegründet, auch dort finden Sie Experten, die Ihnen vielleicht weiterhelfen können: http://www.dvg-ev.org/
Ansprechpartner ist Gerhard Kieseheuer, Sie erreichen ihn unter der E-Mail-Adresse:

Ich hoffe, das hilft Ihnen weiter!

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10.01.2016 05:17:13 Uhr
van Welzen

Hallo,
ich bin demnächst betroffen. Ich habe Beiträge von 1/3 u. mein Arbeitgeber 2/3 für meine Hausversicherung gezahlt. Die Auszahlung der Hausvers. erfolgt in diesem Jahr. Nun muss ich Krankenkasse u. Pflegevers. bezahlen. Muss ich für die 2/3 bezahlen, oder vom Gesamtbeitrag? Lässt es sich umgehen. Wieviel Prozent sind es?
MfG
Bärbel van Welzen

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03.01.2016 01:16:00 Uhr
Lnidinger Kurt

Da glaubt man für seinen Lebensabend selbst vorzusorgen, weil der Arbeitgeber keine betriebliche Altersvorsorge durchführt und dann greift der Staat bzw. die Krankenkassen widerrechtlich ohne Vorinformation in deine Tasche. In einem Rechtstaat eigentlich unmöglich.
Drum an alle Betroffenen - Wahltag ist Zahltag!

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03.01.2016 04:51:40 Uhr
Max Herzog

Die Sozialversicherungspflicht für Direktversicherungen ist eine riesen Sauerei am für das alter vorsorgenden Bürger. "In die Falle gelockt" anders kann man dies nicht bezeichnen. Das größte Verlustgeschäft meines Lebens. Meine Altersvorsorge wurde ad absurdum geführt. Ich habe alle Beitragszahlung en gestoppt, als ich mitbekommen habe was die Politik hier beschlossen hat und rate jedem jede Art von Altersvorsorge in der der Arbeitgeber nicht mehr als 20% hinzuzahlt zu prüfen. Der Arbeitnehmer die "Melkkuh der Nation"
Achtung - für freiwillig versicherte Rentern ist auch die Riesterrente soz.vers.-pflichtig. 152 Euro Zuschuss, ca. 400 Euro Kranken- und Pflegeversicherung - aus meiner Sicht ist das Enteignung!

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15.10.2015 02:01:56 Uhr
Kurt Braun

Juristen lernen doch schon im ersten Semester so kluge Sprüche wie
" Verträge müssen eingehalten werden".
Die Juristenschar bis zu den obersten Richtern und Abgeordneten scheint das aber in diesem Falle total vergessen zu haben -
naja macht doch auch nix-trifft ja nur die
dummen Arbeiter, Angestellten und Handwerkersmeister. Was sind die auch so gutgläubig und hören auf die Sirenenklänge der Volksbeglücker aus Berlin. Da schrieb doch schon vor ca.70 Jahren ein enttäuchter Volksgenosse: Alles Lug, Trug, Schwindel.
So scheint es auch heute zu sein. Da bleibt doch nur übrig die Partei zu wählen die verspricht dieses Unrecht rückgängig zu machen -gleich wie sie heißt. Vielleicht kommen dann unsere ach so demokratischen Parteien mal ins krübeln!!!

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30.09.2015 09:56:42 Uhr
Elke Görtz

Auch ich bin Betroffene, Vertragsabschluss 1992, Auszahlung 2013, vor dem 60. Lebensjahr, noch berufstätig und zahle zusätzlich zu meinem monatlichen Sozialversicherungsbeitrag, z. Z. auf den ausgezahlten Betrag einschl. Zinsen und Dividende monatlich zusätzlich 75,80 € u. dies 10 Jahre lang. Klage Sozialgericht Gießen u. Landessozialgericht Darmstadt wurden verloren. Bin froh, dass es die BI und ab 10.10. den Verein DVG ev. gibt. Infos auf: www.dvg-ev.org

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