Altersvorsorge: Warum viele Unternehmer zu spät handeln
Alltagsstress und fehlender Überblick sind nur einige der Gründe, warum viele Handwerker beim Thema Altersvorsorge trödeln. Ein Experte erklärt, wie man es trotzdem anpacken kann.
Dieser Artikel gehört zum Themen-Special Altersvorsorge – was sich für Handwerker lohnt
Viele Selbstständige schieben ihre Altersvorsorge vor sich her, bis es eng wird. Fehlender Überblick, Zeitmangel und falsche Erwartungen können schnell zu Problemen führen. Ein Finanzexperte erklärt, wie Unternehmer es besser machen können.
Alltag frisst Überblick
Am Ende bleibt Frust. So beschreibt man die Versuche von Unternehmer Rüdiger L., seine finanzielle Situation in einem wichtigen Punkt zu ordnen. Es geht um seine Altersvorsorge. In rund acht Jahren will er in den Ruhestand gehen. Bis dahin muss alles in den sprichwörtlich "trockenen Tüchern" sein.
Nachdem er diesen Termin festgelegt hatte, versuchte L., sich selbst einen Überblick über seine Finanzen zu verschaffen. Das fiel ihm schwer. Durch seine hohe Arbeitsbelastung kümmerte sich L. kaum um seine privaten Finanzen. Er legte zum Beispiel aktuelle Informationen zur Entwicklung seiner Lebensversicherungen ("Standmitteilungen") einfach ab, ohne sie zu prüfen. Auch die Depotauszüge seiner Bank zu seinem Wertpapiervermögen legte er regelmäßig ungeprüft ab. Die offenen Darlehen für sein Einfamilienhaus und zwei vermietete Eigentumswohnungen konnte er zwar schnell zusammenstellen. Aber er wusste nicht, ob und in welcher Höhe ihn diese Kredite im Rentenalter noch belasten werden. Eine klare Vorstellung fehlte ihm komplett.
Nach seinem erfolglosen Versuch, Ordnung zu schaffen, zog L. vor einigen Monaten die Notbremse. Er bat den Anlageberater seiner Hausbank um Unterstützung. Anfangs zeigte der Berater großes Engagement. Doch mit der Zeit ließ dieses spürbar nach.
Erst die eigenen Hausaufgaben machen
L. erkennt inzwischen, dass die Bank seine hohen Erwartungen auch wegen seines eigenen Verhaltens nicht erfüllen konnte. Er lieferte dem Berater nur die Unterlagen, die dieser konkret anforderte – und das auch noch unregelmäßig. Während der gesamten Bearbeitungszeit von fast sechs Monaten führte L. auf eigenen Wunsch kein einziges ausführliches Gespräch. Dann traf er eine klare Entscheidung: Er will erst dann wieder aktiv auf seine Bank zugehen und konkrete Vorschläge einfordern, wenn er seine eigenen "Hausaufgaben" erledigt hat.
Dazu gehört, dass er seine Vermögenssituation vollständig erfasst. Außerdem will er genau festlegen, wie hoch seine monatlichen Einnahmen im Alter sein sollen. Anschließend plant er konkrete Schritte, mit denen er dieses Ziel in acht Jahren erreicht. L. ist klar: Er schafft das nur, wenn er neben seiner Bank auch seinen Steuerberater einbezieht, der ihn seit vielen Jahren begleitet. Außerdem will er prüfen, ob er sich von finanziellem Ballast trennt – zum Beispiel von den vermieteten Eigentumswohnungen, falls diese künftig nicht mehr die gewünschte Rendite bringen.
Der Unternehmer weiß, dass noch viel Arbeit vor ihm liegt. Ein Beispiel zeigt das deutlich: Laut Berechnung seiner Bank wird er in zehn Jahren noch rund 70.000 Euro Schulden haben, wenn er nichts ändert. Der Grund dafür liegt in der Vergangenheit. Damals setzte er zeitweise die Tilgung seiner Kredite aus, weil seine Liquidität knapp war. Diese Lücke hat er bis heute nicht ausgeglichen – und er hat die Folgen offenbar unterschätzt. Mit der folgenden Checkliste hätte der Unternehmer eine bessere Planung hinbekommen.
Checkliste für die Vorsorgeplanung
Das sollten Sie bei der Vorsorgeplanung beachten:
- Legen Sie fest, welches monatliche Nettoeinkommen Sie im Ruhestand erreichen wollen.
- Verschaffen Sie sich einen vollständigen Überblick über Ihr Vermögen, inklusive bestehender und zukünftiger Rentenansprüche. Rechnen Sie mit Ihrem Nettovermögen (Vermögen minus Schulden) und den daraus erzielbaren Einnahmen.
- Achten Sie besonders darauf, dass Ihre künftigen Einnahmen stabil und nachhaltig sind. Ob Sie eher auf Wertpapiere oder Immobilien setzen, hängt von Ihrem persönlichen Anlageverhalten und Ihrer Risikobereitschaft ab.
- Prüfen Sie, ob Sie Kredite schneller zurückzahlen können oder Vermögenswerte verkaufen sollten. So können Sie finanzielle Abhängigkeiten reduzieren.
- Nutzen Sie diese Informationen, um gemeinsam mit Ihrer Bank passende Lösungen zu entwickeln und Versorgungslücken gezielt zu schließen.
- Extratipp: Überlegen Sie genau, ob Sparpläne oder Einmalanlagen mit spekulativen Anlagen wie Aktien oder Aktienfonds zu Ihrem Zeitplan passen. Solche Angebote klingen oft verlockend, vor allem wenn hohe Renditen in Aussicht gestellt werden. Wichtig ist jedoch der Anlagehorizont: Für solche Anlagen sollten Sie mit Zeiträumen von sechs bis acht Jahren rechnen. Außerdem sollten Sie nur Beträge investieren, die zu Ihrer persönlichen Risikobereitschaft passen.
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Text:
Michael Vetter /
handwerksblatt.de
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